Männer in Krisen: Beim Grazer "Männernotruf" kann man "darüber" reden

Im ersten Jahr seines Bestehens wurde der "Männernotruf" 1.497 mal kontaktiert.

Der österreichweit erste "Männernotruf" ist vor einem Jahr in der Steiermark eingerichtet worden. In der Zwischenzeit haben sich rund 1.500 Anrufern bei der Hotline unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 246247 Ersthilfe in ausweglos scheinenden Situationen geholt. Fünf Suizide seien verhindert worden, so der ehemalige Grazer Exekutivbeamte und Initiator Eduard Hamedl am Mittwoch.

In der Steiermark werden jährlich rund 1.000 Personen von ihrem Wohnort weggewiesen, weil sie gegen eine in Wohngemeinschaft lebende Person körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt haben. In den überwiegenden Fällen seien die Täter männlich. Nach der Gewaltanwendung würden Männer immer wieder erzählen, dass ihnen "im entscheidenden Moment" ein Ansprechpartner gefehlt habe. Hier wolle man gegenarbeiten, so Hamedl, der auch Mitglied der Verhandlungsgruppe Süd der Polizei war. Er sieht darin eine zentrale Voraussetzung für den Schutz der potenziellen Opfer.

Ehrenamtliche Gesprächspartner

"Viele Männer, denen die Probleme über den Kopf wachsen, reagieren mit Verdrängen, Ignorieren, Isolation und irgendwann kommt es zum Gewaltausbruch. Genau das wollen wir verhindern, indem wir ihnen Hilfe abbieten", schilderte Eduard Hamedl die Intention hinter dem "Männernotruf". Unter der Hotline seien speziell geschulte ehrenamtliche Gesprächspartner rund um die Uhr erreichbar und bieten Erstberatung "bei Krisen aller Art" an.

"Ein vertrauensvolles Gespräch ist oft der erste Schritt zu Veränderung und Bewältigung der krisenhaften Situation", betonte Hamedl. Natürlich brauche es Mut "darüber" zu reden, aber es mache auch Mut.: "In erster Linie sollen Frauen und Kinder, die meist die Opfer sind, geschützt werden."

Beziehungsprobleme

Im ersten Jahr seines Bestehens sei der "Männernotruf" 1.497 mal kontaktiert worden. Die Anrufer seien zu 80 Prozent männlich gewesen, aber auch Frauen hätten angerufen und um Hilfe im Bezug auf ihnen nahestehende Männer gebeten. "Bei einem Großteil der Anrufer ging es um Beziehungsprobleme: bevorstehende Scheidung, betrogene Partner aber auch der Tod von Verwandten beispielsweise" so Hamedl. Weitere Themen waren Gewalt, Obsorge, Schwierigkeiten durch Migrationshintergrund oder Homosexualität. Bei fünf Menschen , die sich das Leben nehmen wollten, gelang es durch psychische Stabilisierung, sie von der Verzweiflungstat abzuhalten.

Die Anrufe kämen mittlerweile aus ganz Österreich, die überwiegende Anzahl jedoch aus der Steiermark. Ziel sei es, den Notruf auf ganz Österreich auszudehnen - dazu brauche es aber auch eine Aufstockung der bisher 36 freiwilligen Mitarbeiter. Finanziell wird der Verein "Männernotruf" v.a. vom Land Steiermark und der Stadt Graz unterstützt.

 

(APA)

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