WIEN. Woran erkennt man in Wien, dass der Frühling bevorsteht? Etwa daran, dass die Zeitungen wieder über den Donaukanal schreiben. Vor drei Jahren war es das Badeschiff, davor der Sandstrand mit Bar und dem klingendem Namen Herrmann, im vergangenen Jahr dominierte die Europameisterschaft mit Bildschirmen und eigenem Schweizer Fan-Sektor.
In diesem Jahr kommt sozusagen eine Mischung aus alldem dazu: Der Staat Israel wird von Mai bis September einen „Tel Aviv Beach“ betreiben. Direkt am Donaukanal gegenüber dem Club-Klassiker Flex wird Sand (1600 Kubikmeter) aus der jungen Metropole Israels aufgeschüttet, im Hintergrund des von der Wiener Architektengruppe „Share“ gestalteten Areals wird die Hochhaus-Skyline von Tel Aviv zu sehen sein, davor gibt es die originalen – nicht übertrieben edlen – Strandstühle und sogenannte Light Cones, große Leuchten, die wie beim Vorbild in Israel Großstadtromantik erzeugen sollen. Ausgelegt ist die Zone für mindestens 160 Personen. Neben Strandatmosphäre soll Boccia, Strandball, eine eigene Kindersandkiste und Matkot, das israelische Beach Tennis, geboten werden. Für den Proviant wird Haya Molcho verantwortlich sein, die Ende dieses Monats auch ihr neues Lokal am Naschmarkt eröffnen wird und bereits ab dem Soft Opening am 28. April israelische Gerichte und Getränke anbieten wird.
Anlass für diese ungewöhnliche israelische Botschaft in Wiens junger Szenemeile sind die 100-Jahr-Feiern der Stadt Tel Aviv, zeitgleich finden ähnliche Aktionen auch in New York, Paris und Kopenhagen statt. Das wegen seiner legendären Bauhaus-Architektur als „weiße Stadt“ bezeichnete Tel Aviv gilt auch als offizielle Partymetropole des Landes – und des östlichen Mittelmeers. Dass mit dem Projekt am Wiener Donaukanal nicht nur Imagewerbung für die 3,2-Millionen-Stadt gemacht werden soll, sondern auch noch für Israel, will Botschafter Dan Ashbel im Gespräch mit der „Presse“ gar nicht verhehlen: „Wenn in Österreich an Israel gedacht wird, dann denkt jeder an den Konflikt. Dass es auch ein junges Israel gibt und ein normales Leben geben muss, wird dabei oft vergessen.“ Das wichtigste Ziel seines Landes sei der Frieden, gerade Kultur und Szenealltag der vermutlich tolerantesten Stadt Israels zu vermitteln falle unter die sonst gerne als Worthülse verwendete Völkerverständigung.
Daher wird es am Tel Aviv Beach in Wien auch ein Kulturprogramm geben mit teils israelischen DJs – aber „ruhigem Sound“, um die Anrainer nicht zu verärgern –, einem Poetry Slam und kleinen Fashion-Shows – auf einer kleinen Bühne.
Die Stadt Wien unterstützt das Projekt ausdrücklich, Michael Häupl bedankte sich ausdrücklich für die Initiative. Woran man den Frühling noch erkennt? Wir schreiben auch wieder über den Naschmarkt ...