Innsbruck kapituliert vor Straßen-Dealern

08.03.2009 | 18:29 |  STEFFEN ARORA (Die Presse)

Polizei und Sozialarbeiter kommen der „Marokkaner-Szene“ nicht bei. Die Politik spielt den Ball an den Bund weiter, der wiederum verweist auf die EU. Aufregung nach Vergewaltigung einer 17-Jährigen.

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INNSBRUCK. Jeder kennt sie, keiner mag sie. So stellt sich die Situation jener jungen Männer nordafrikanischer Herkunft dar, die seit Jahren den Straßenmarkt für Drogen in der Tiroler Landeshauptstadt kontrollieren. Neben Suchtgiftdelikten fällt diese Szene immer wieder durch Gewaltverbrechen auf. Zwar passieren Messerstechereien und Ähnliches meist szeneintern, doch zuletzt sorgte Mitte Januar ein Vergewaltigungsfall für Schlagzeilen: Vier Mitglieder der Nordafrikanerszene sollen ein 17-jähriges Mädchen stundenlang missbraucht haben. Die Verdächtigen wurden von der Polizei ausgeforscht und sind zum Teil geständig. Sie sind in U-Haft.

Der Unmut unter der Bevölkerung ist enorm. Denn obwohl die Problematik rund um die „Marokkaner“, wie sie in Innsbruck genannt werden, seit Jahren virulent ist, konnten die Verantwortlichen in der Politik bislang kein probates Mittel dagegen finden. Um das zu kaschieren, üben sich sämtliche Lager in gegenseitigen Schuldzuweisungen und die Landesregierung spielt den Ball nach Wien weiter. SP-Soziallandesrat Gerhard Reheis erklärt dazu: „Es liegt jetzt auf ministerieller Ebene. Der Bund muss endlich dafür sorgen, dass Marokko Rückführungsabkommen mit Österreich akzeptiert.“ Nur so sei die Ausweisung straffällig gewordener Mitglieder dieser Szene möglich.

Die Ausweisung ist das Hauptproblem der Exekutive bei der Bekämpfung der Straßendealerszene, wie der Innsbrucker Stadtpolizeikommandant Franz Birkfellner bestätigt: „Die jungen Männer verschleiern ihre Identität und geben vor, keine Ausweisdokumente zu besitzen.“ Werden sie wegen irgendwelcher Delikte verhaftet und verurteilt, landen sie nach Verbüßung der Strafe wieder auf der Straße. Denn ihr Heimatland Marokko – von dort kommen die meisten – verweigert eine Rückführung, solange die Identität nicht geklärt ist. „Eine Sisyphusarbeit“, seufzt Birkfellner.

 

Verhandlungen um Rückführung

„Das Innsbrucker Problem“ ist auch im Außenministerium bekannt. Auf Nachfrage der „Presse“ erklärt man dort: „Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der EU und Marokko bezüglich der Rückführung von Straftätern. Diese Verhandlungen verliefen bislang positiv und befinden sich im Endstadium.“ Mehr könne man dazu im Moment nicht sagen. Außer: „Auf bilateralem Wege ist hier nichts auszurichten. In solchen Fällen wird EU-weit mit Marokko verhandelt.“

Denn ähnliche Probleme wie in Innsbruck kennt man auch in Italien und Südfrankreich. Dieser Zusammenhang ist den Tiroler Ermittlern längst bekannt: Denn der Nachschub an Drogen und „Personal“ für die Innsbrucker Straßendealer passiert von Italien aus. Dort, in Großstädten wie Turin oder Mailand, wo zahlreiche Einwanderer aus Nordafrika unter prekären Bedingungen leben, vermutet die Polizei die Hintermänner der straff organisierten Szene. Die geografische Nähe erklärt, warum in Innsbruck, als einziger Stadt Österreichs, der Straßenmarkt für Drogen von Nordafrikanern kontrolliert wird. Bis die EU und Marokko sich einigen, bleibt in Innsbruck alles beim Alten.

Seitens des Landes verweist man auf sozialarbeiterische Maßnahmen. Etwa den Arabisch sprechenden Streetworker, der Mitte 2007 eigens zur Betreuung der jungen Männer angestellt wurde – „Die Presse“ berichtete. Allein: Die meisten wollen gar nicht betreut werden. Der Drogenverkauf ist lukrativ und als einzige Alternative für Ausstiegswillige winkt ein Drei-Euro-Job im Rahmen der gemeinnützigen Beschäftigung für Asylwerber. Sofern die Betroffenen Asylwerberstatus haben.

Die Exekutive setzt unterdessen weiter auf „verstärkte, sichtbare Präsenz, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen“. Mehr könne man derzeit nicht tun.

AUF EINEN BLICK

Die Innsbrucker Polizei kämpft seit Jahren vergeblich gegen die von Marokkanern dominierte Drogenszene in der Tiroler Hauptstadt. Denn die meisten der straffällig gewordenen Nordafrikaner können nicht abgeschoben werden, weil es kein Rückführungsabkommen mit Marokko gibt. Ein solches wird derzeit mit der EU verhandelt. Die Hintermänner der Drogendealer sitzen vor allem in Norditalien, wo es ebenfalls eine große Nordafrikaner-Szene gibt. Seit im Jänner vier Marokkaner in Innsbruck ein 17-jähriges Mädchen vergewaltigt haben sollen – sie sind in U-Haft – wird das Problem wieder heftig debattiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2009)

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233 Kommentare
 
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Gast: watchbird
02.06.2012 06:29
0

Nichtstun stärkt die Rechte

Irgendwann wird es den Bürgern zuviel dann wird rechts gewählt. Dann wird das Problem zügig gelöst, nicht nur in Österreich.

Gast: Merkwürdig
01.04.2012 17:23
1

Innsbruck kapituliert vor Straßen-Dealern

Da kriminelle Polizisten die Hintermänner sind?

Gast: Jagdpächter
01.04.2012 17:18
2

Polizei und Sozialarbeiter kommen der „Marokkaner-Szene“ nicht bei.

Aber unser Ex-Gendarm schießt stattdessen fleißig auf die einheimischen Murmeltiere.

Gast: Ein Innsbrucker
24.11.2010 22:41
3

Wer kauft den !

Es wären nie so viele da wenn die Nachfrage nicht so stark wäre

Re: Wer kauft den !

Erstmal gehts hierbei nicht nur um Drogenkriminalität.

Eine Legalisierung würde nichts bringen, weil der Staat nicht jedes angeblich "leichte, harmlose" Rauschmittel freigeben kann.
Lebensmittel und Spielzeug kontrollieren wir, aber Rauschgift nicht?
Die Dealer steigen halt dann auf andere Substanzen um.

Funktioniert ja bereits bei Zigaretten nicht, die sind überall erhältlich und werden dennoch schwarz gehandelt.

Re: Wer kauft den !

Und hätte unser Überwachungsstaat leichte Drogen legalisiert und sie wären in Trafiken erhältlich, dann kauften die gleichen Leute - aber das alles ohne kriminelle Auswüchse.

Gast: blabla
19.03.2010 21:17
2

Meine Meinung...

Wie wäre es wenn man wie bereits genannt, leichte Drogen, und damit meine ich ausschließlich Cannabis unter staatlicher Kontrolle weitergeben würde? Um uU. nicht gewünschten Drogentourismus zu verhindern kann Weitergabe auch nur an Österreicher (soweit mit geltenden EU Recht vereinbar) erfolgen. So versiegt der zumindest in Innsbruck Marokkaner-dominierte Schwarzmarkt für Cannabis. Um sich des verbleibenden Marktes für harte Drogen zu entledigen, verwendet man die gewonnenen Steuermittel für Ausgleichszahlungen an Länder ohne Auslieferungsverfahren wie Marokko. Eine Änderung des Asylrechts, welche eine Bestrafung laut Herkunftsland möglich machen würde, obwohl Delikt hier in Ö begangen wurde wäre wünschenswert. Da die Strafen in Marokko viel härter sind. Dies würde den Anreiz nehmen nach Ö zu kommen, da gleiche Härte bei Vergehen und keine leichten bzw. legalen Verdienstmögl.

Wäre allemal billiger als Arbeitslager und andere genannte Vorschläge, nach deren Absolvierung wir das Problem erst wieder am Hals haben.

In einem Land in dem ich mir in jedem Supermarkt ab 18 genug Alkohol kaufen kann um mich umzubringen, einer Legalisierung von Cannabis kritisch gegenüber zu stehen erscheint mir realitätsfern. Besonders wenn jedes rational denkende Individuum weiß, dass dies die vermutlich einzig denkbare Lösung ist.

Eine nahezu Gewinn-neutrale und unter Wahrung der Asyl Normen menschenfreundliche Lösung! Wieso nicht? Bin für ausreichend begründete Kritik jederzeit empfänglich!


Gast: Schuli
21.07.2009 12:44
12

Gebt's Ihnen Freisprüche, fette Sozialleistungen und Familiennachzug.

Die sind so bereichernd.

Ganz arme "Buben" (wie Ute Bock zu sagen pflegt), die von "der Gesellschaft" zu Kriminalität "gezwungen" werden. Dazu "traumatisiert" und "gut integriert". Sollten sie mit Drogen zu tun haben, ist liegt das nur an "der Gesellschaft", weil Asylanten in Ö gar nicht arbeiten dürfen.

Außerdem hat die ungläubige 17-Jährige gaaaanz sicher provoziert. Indem sie z.B. ohne Kopftuch unterwegs war.

Im Islam, den die linken Systemmedien so heiß lieben, wird übrigens durchaus das Opfer bestraft und gesteinigt, während die Vergewaltiger straffrei bleiben.

Mit dem Islam hat das übrigens alles nichts zu tun.

Eure Frauen sind ein Saatfeld für euch; darum bestellt euer Saatfeld wie ihr wollt. (Sure 2:223)

Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! (Sure 4:34)

Gast: habiba
10.07.2009 12:09
1

meine marokkaner

ma meine marokks bin ja froah das sie nu alle da sein i hoff es kemmen wieder so viele wie 2004 da warn!!!! hali gali con maroccino bene wallah!!!!!!!!!!

Gast: hias
28.03.2009 20:05
1

mal ehrlich...

Bin zwar kein Konsument aber rein logisch gesehen wäre
Legalisierung zumindest der "weichen Drogen", die ja die Haupteinnahmequelle sind, wirklich die beste Lösung des Problems...
Die Nachfrage würde einbrechen und die Maroks wären schneller weg als der Strache "daham statt islam" sagen kann :)
Außerdem würde es dem Staat beträchtliche Mehreinnahmen bringen, alle anderen Alternativen würden hingegen nur Ausgaben hervorbringen.
Und mal ehrlich, sogar mich kotzt diese lächerliche Verteufelung von Cannabis schon an. Jeder logisch denkende Mensch erkennt doch das nur zusätzlicher Verwaltungsaufwand und damit zusätzliche Kosten sind.
Das Geld könnte für andere Zwecke viel besser zum Wohle der Bevölkerung verwendet werden ...

Re: mal ehrlich...

Bist grod a bisserl high???Du brauchst eine Entzugsanstalt, Freund!!

Antworten Gast: Gast
21.07.2009 14:56
1

was sind weiche Drogen?

meinst du heroin e und p?
hasch ist doch nichts.
meiner meinung nach aufruesten und das shiessen soll erlaubt sein.
Ja, es kann auch mich erwischen, nur bevor werde ich min. 200 suechtler yum teufel schicken.

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil

Ab ins Flugzeug, raus mit dem Gesindel, Abflug. Was Marokko dann am Flughafen mit denen macht, kann uns wurscht sein.

Gast: smitty
13.03.2009 18:00
1

zum letzten Satz

Sagt der Politiker zum Medienmogul: "Halt du sie dumm, ich halt sie arm!"
(Unbekannt)

Gast: lunedemiel
11.03.2009 03:16
2

das Problem ist die gegenwärtige EU

die nicht bereit ist, die Interessen ihrer Mitgliedsländer wahrzunehmen. Was in dem Fall konkret heißt: auf Staaten, die sich einem Rückführungsabkommen verweigern, MASSIV Druck auszuüben!

Re: das Problem ist die gegenwärtige EU

Diejenigen Staaten, die bei der Rückführung nicht kooperieren, sollte die Entwicklungshilfe gestrichen werden

SICHERHEIT STATT SICHERHEITSGEFÜHLE

Findet sich kein Land auf dieser Erde das bereit wäre solches 'Material', wenn auch 'ohne Papiere' zu übernehmen ? Vielleicht hätte Angola Interesse.

Sind wir wirklich schon so degeniert zuzulassen wie unsere Jugend systematisch durch solche Individuen zerstört wird ? Wie kann eine Gesellschaft das auf Dauer aushalten ?
Geburtenrückgang einerseits und steigender Drogenkonsum andererseits, dazu ein angespannter Arbeitsmarkt und eine fragwürdige Schulausbildung deren Niveau sich stets nach den Schwächsten orientiert.

Wenn schon unserer Gesellschaft der Krieg erklärt wird sollten wir darauf angemessen reagieren. Wer immer 'ohne Papiere' mit Suchtgift erwischt wird, kommt in Quarantäne bis das 'Auswanderungsland' gefunden wurde oder die Verhandlungen mit Marokko die gewünschte Rückführung ermöglicht.

Gast: Neugier 09
10.03.2009 18:10
1

Warum, Herr Zensor???

werden eigentlich die stumpfsinnigen, geistlosen, ewig-gestrigen geistes-abszesse eines @ crusaders veröffentlicht, aber meine erwiderungen diesbezüglich nicht???

ist der zensor selber vielleicht hin und wieder @crusader?

2

Re: Warum, Herr Zensor???

Warum wohl?
Vielleicht weil der Zensor deinen geistigen Ausfluss im gegensatz zu crusaders Beiträgen für zensurierungswürdig hält.

Die Multikultispinner (so wie du anscheinend einer bist) werden zum Glück immer weniger!

Antworten Gast: Jochen
10.03.2009 21:22
4

Re: Warum, Herr Zensor???

Möglicherweise weil so nach und nach immer mehr Menschen erkennen, dass die wirren Gedankengänge von Leuten wie ihnen uns immer tiefer in den Sumpf ziehen.

Keiner kann ein Interesse daran haben, dass mal der Volkszorn irgendwann so hoch kocht, dass dieser sich selbstständig macht nur weil die Gutmenscherei naive Experimente auf Kosten von anderen Menschen macht.

Wer Kriminell hat einen kräftigen Tritt in den Hintern verdient.

Die Zeiten als der Linke Otto Schily sagte „Wer den Tod sucht, der kann ihn bekommen!" sind wohl vorbei. Heute ist es der Gutmenscherei egal wie viel unsägliches Unglück Kriminelle aus dem Ausland bei uns anrichten. Hauptsache sie selbst müssen ihr Gehirn nicht anstrengen und können sich weiter an ihrer vermeintlichen Gutheit wärmen.
So nach und nach frage ich mich immer mehr: Wo sitzen unsere größten Feinde?


Antworten Gast: Crusader
10.03.2009 20:51
1

Re: Warum, Herr Zensor???

Weil`s bei deinem Gutmenschengewinsel selbst dem eingefleischtesten Kriegskorrespondenten schon hoch kommt verzichtet die Presse auf den 1143ten Standard Poster.
:)
Hahahahahahaha

Gast: Armin
10.03.2009 16:49
2

Wie man hier sieht:


Die FP/BZÖ - Lemminge haben keine Lösungen.
Kein einziger "rechter" Poster hat auch nur eine realitätsnahe Theorie.

Gibt es keine intelligente Rechte in Österreich?

Antworten Gast: Crusader
10.03.2009 20:52
2

Re: Wie man hier sieht:

Armin bleib bei deinen Genossen und der ZIB Moderation - finanziert aus Zwangsgebühren....

Antworten Gast: Zynicus
10.03.2009 17:15
1

Re: Wie man hier sieht: aber die gutmenschlichen Grünossen haben die Lösung:

Alle Drogen freigeben und die armen Dealer am besten in den Apotheken als Drogenfachberater beschäftigen!

Gast: get real
09.03.2009 20:16
0

zum thema

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/351125/index.do?from=suche.intern.portal

Der Staat kapituliert vor Drogendealern?

Es wird debattiert? Das ist einfach lächerlich! Ich kann es nicht glauben, dass wir uns von diesen Verbrechern nach Strich und Faden ver..schen lassen. Jeder einzelne gehört sofort eingesperrt und zwar so lange, bis er seine Identität zugibt. Die Polizisten spazieren herum zur Beruhigung der Bevölkerung und schauen zu? Was soll das bringen? Das ist doch völlig vertrottelt! Außerhalb Europas sind sie sehr wohl in der Lage mit Drogendealern sofort kurzen Prozess zu machen und beinhart durchzugreifen.

 
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