Woher das Plastik in der Donau kommt

Forschung nach der Panne bei Chemiekonzern Borealis.

Schließen
(c) Clemens Fabry

Wien.Es war der Umweltaufreger des Frühlings. „Presse“-Recherchen machten öffentlich, dass der Chemiekonzern Borealis in Schwechat offenbar große Mengen an Plastikrohstoff, sogenannte Pellets, in die Donau geleitet hatte. Das Unternehmen sprach von einem einmaligen Ereignis, trotzdem fanden Forscher der Uni Wien Hinweise, dass es noch andere Quellen für Plastik in Österreichs größtem Fluss geben müsste. Welche?

Das herauszufinden versprachen Anfang April sämtliche Umweltbehörden. Bis zum Sommer sollte es ein Zwischen-, bis Dezember ein Endergebnis geben. Tatsächlich hat die Suche aber gerade erst begonnen. Beteiligt sind die Länder Wien, Nieder- und Oberösterreich, das Umweltministerium, das Umweltbundesamt sowie die Universität für Bodenkultur (Boku). Um bestimmen zu können, wie viel Plastik von Deutschland nach Österreich kommt, und welche Mengen hierzulande in die Donau gelangen, gibt es eine Messstelle in Aschach bei Eferding, eine weitere bei Hainburg. Bei normaler Fließgeschwindigkeit braucht das Wasser vom einen Punkt zum anderen zwei Tage. Vereinfacht gesagt, durchsuchen die Forscher die Donau bei Aschach nach Plastik, eilen dem Wasser hinterher und sieben es bei Hainburg noch einmal.

 

Ergebnisse bis März 2015

Ludwig Lutz leitet die Abteilung Wasserwirtschaft bei der niederösterreichischen Landesregierung. Er hofft, dass die Messungen bis Ende März 2015 abgeschlossen sind. Danach wollen sich Wissenschaftler und Behörden auf die Suche nach den Verursachern machen.

Dass man das Problem ernst nimmt, ist Aaron Lechner und Hubert Keckeis (Uni Wien) zu verdanken. Auf der Suche nach Fischlarven entdeckten sie, dass die Donau streckenweise mehr Plastik als Jungfische führte. Neben Plastikrohstoff (Pellets) entdeckten sie auch jede Menge gewöhnlichen Plastikmüll. Ihren Berechnungen zufolge schwemmt die Donau täglich 4,2 Tonnen davon ins Schwarze Meer. Die Kunststoff-Lobby Plastics Europe reagierte aggressiv auf die Ergebnisse. Österreich-Repräsentant Heinz Schratt bezeichnet die von unabhängigen Forschern gegengeprüften Berechnungen in einem Gespräch mit der „Presse“ als „spaßig“ und meinte, den Autoren gehöre „für die Statistik eine aufs Händchen gegeben“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2014)

Kommentar zu Artikel:

Woher das Plastik in der Donau kommt

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen