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Prostitution in Wien: Wo man Männern nicht in die Augen schaut

21.03.2009 | 19:54 |  von Jutta Sommerbauer (Die Presse)

Beiläufig stehende Frauen, um die Ecke schleichende Autos, hin und wieder ein Beamter in Zivil. Die Polizei will die Prostitution aus der Schutzzone Stuwerviertel vertreiben. Geht das? Zweifel einer Anrainerin.

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Es ist ein Ort, an dem man fremden Männern nicht in die Augen schaut. Ein Blick könnte als unfreiwilliges Angebot aufgefasst werden. Gehwege, über die man nach Hause eilt, hoffend, kein Auto möge just in dem Moment um die Ecke schleichen. Es sind Straßen, die jede Wartende, jede Spaziergängerin zur Prostituierten machen. Zumindest potenziell.
Das Geschäft des Stuwerviertels beginnt zeitig in der Früh. Acht Uhr morgens, an der Venediger Au stehen zwei Frauen auf dem Gehsteig. Man könnte meinen, die beiden warten auf einen Arbeitskollegen, um sie mit dem Auto abzuholen. In Jogginghosen und Jeans, unauffällig gekleidet mit hellen Jacken, einer kleinen Tasche um die Schulter, die eine gemächlich rauchend, der anderen steht ihre Müdigkeit ins Gesicht geschrieben.


An der Venediger Au bestimmt das Warten auf die Autos die Zeitrechnung. Warten, nicht auf den Arbeitskollegen, sondern auf die Freier, die schon frühmorgens hier ihre Runden drehen.
Man erkennt sie an der gemäßigten Fahrgeschwindigkeit. Im ersten, maximal zweiten Gang umkreisen sie im Schneckentempo mit ihren Autos die Häuserblöcke des Stuwerviertels. Ein Viertel, das eigentlich ruhig, fast idyllisch wäre, mit schattigen Alleen aus Linden und Kastanien, die den Häuserzeilen einen Charme geben, der manche sehnsüchtig an Berlin denken lässt, mit Kinderspielplätzen, unauffälligen Geschäften, schummrigen Eckbeiseln.

 

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Vieles hier erinnert an die heimelige Atmosphäre eines Dorfes, die Bewohner der schmucklosen Gründerzeithäuser kennen einander: Wenn man nicht im Spitz zwischen Lassallestraße und Ausstellungsstraße wohnt, hat man keinen Grund hierherzukommen, denn die Gässchen zwischen den beiden Ausfallstraßen lassen sich nicht einfach durchqueren; leicht verliert man sich in der schrägen Anordnung. Die Bewohner wissen, wer die Eindringlinge sind, die langsam fahren und nervös schauen, damit sie die Frauen an den Straßenecken rechtzeitig ins Blickfeld bekommen.

Das Dorf und die Eindringlinge. Die Straßenprostitution gibt es schon lange im Stuwerviertel, der einstigen Hafengegend, der stillen Nachbarin des Praters. Kaum ein Bezirksvorsteher, der den Freiern und ihren Mädchen nicht den Kampf angesagt hat. Geschafft hat es keiner. Der jetzige rote Bezirkschef, Gerhard Kubik, hat sich eine komplizierte Einbahnstraßenregelung ausgedacht und kniehohe Betonsperren auf den Straßen aufstellen lassen: Nun geistern die Freier auf verschlungenen Wegen durch die Gässchen, die Parkplatzsuche ist für Anrainer komplizierter geworden.
Doch Mädchen stehen nicht nur in den Straßen, sie warten auch in den Bordellen, die sich fast in jeder Straße eingemietet haben. Manche mit einer schlichten Klingel, wie am Max-Winter-Platz, wo die Nummer 15a mit „gemütlichem Traumservice“ einer „Diane“ lockt, an der Tür gut sichtbar die Aufkleber der akzeptierten Kreditkarten; da gibt es die schrille „Susi Bar“, deren pinkfarbenes Neonlicht samt roter Laternen auch tagsüber leuchtet, Kameras scannen die Kunden beim Eintreten; die „Bussi Bar“, die mit übergroßen Schlumberger-Flaschen in der Vitrine Luxus verheißt; den „Club 9“, dessen Bedienstete bei Schönwetter auf der Straße eine Zigarette rauchen.


Genau diese Etablissements sind nun im Visier der Polizei. Seit einigen Wochen geht man nicht nur gegen den „illegalen Straßenstrich“ vor, sondern auch gegen die rund 15 Rotlichtlokale, in denen Prostitution „angebahnt und ausgeübt“ wird, so die behördliche Sprachregelung. Mit Strafen bis zu 3000 Euro möchte man das Geschäft unprofitabel machen, so Peter Goldgruber, Leiter der Sicherheits- und Verkehrspolizeilichen Abteilung. „Wir zeigen sie regelmäßig an, bis es ihnen zu blöd wird.“ Zu teuer, um genau zu sein. Wie oft die Polizei die Verwaltungsstrafe tatsächlich verhängt, sagt sie nicht. Nur: „Regelmäßig.“

Anzeigen, „bis es zu blöd wird“. Früher kümmerte die Polizei die Lokale wenig. Dabei war das Gesetz das gleiche: Das Wiener Prostitutionsgesetz verbietet in einem 150-Meter-Umkreis von Schulen, Spielplätzen, religiösen Gebäuden oder Kindergärten die Prostitution. Im Stuwerviertel dürfte wegen der vielen Parks, Moscheen und Schulen kein Bordell existieren. Das Rotlichtviertel – eine einzige Schutzzone. Ein aberwitziger Gedanke.
Die Prostitution scheint die Polizei deshalb vermehrt zu beschäftigen, weil die Frauen aus dem Ausland nach Wien gebracht werden und ihre Zahl angeblich zugenommen hat. Daten zeigt man keine. Waren es früher vor allem Österreicherinnen, prostituieren sich nun mehrheitlich Ungarinnen und Slowakinnen. „Wenn man das lässt, dann geht es über“, meint Leopold Kraft, Leiter des Stadtpolizeikommissariats Brigittenau.


Womöglich hat die neue Geschäftigkeit auch damit zu tun, dass das Stuwerviertel als Wohngebiet immer attraktiver wird? In ein paar Jahren kommt die Wirtschaftsuniversität ums Eck, jetzt schon werden Häuser saniert, Zwei-Zimmer-Eigentum um 300.000 Euro angeboten. Bei der Polizei weiß man davon selbstredend nichts. „Um Immobilien kümmern wir uns nicht“, sagt Kraft. Von einem „angenehmen Effekt für die Bewohner“ spricht er aber.


Ein einziges Lokal hat bis jetzt zugesperrt; die Prostituierten aus den Bordellen stehen also noch nicht auf der Straße. Sollte es im Stuwerviertel auf Dauer zu ungemütlich werden, dann könnte sich die Szene anderswohin verlagern – etwa ins Grätzel um die Nordbahnstraße. Dass man die Rotlichtszene dauerhaft aus dem Viertel hinauswerfen könnte, hält nicht einmal die Polizei für realistisch. „Glauben Sie, man kann Diebstahl ausrotten?“, fragt Kraft.
In der Camouflage des Alltags stehen sie noch immer auf der Straße. Die junge Frau mit dem schwarzen, langen Haar, weiße Jacke, enge Jeans, beiläufig telefonierend. Die Wartende vom Max-Winter-Platz, direkt vor der Volksschule, dort, wo die Autos vorfahren können. Das blonde Mädchen auf der Wolfgang-Schmälzl-Gasse, das nicht einsteigen möchte, auch dann nicht, als die beiden Burgenländer aus dem Auto sie lautstark dazu auffordern.

Beiläufig, punktgenau. So beiläufig und doch punktgenau steht es sich im Stuwerviertel, dass beim Warten auf einen Bekannten an der Ausstellungsstraße ein silbernes Auto hält. Das Fenster wird heruntergekurbelt, der Fahrer gibt ungeduldig Handzeichen. „Komm her“, bedeuten sie. Blind und taub möchte man sein. Schließlich gibt der Freier auf, braust davon. Und sucht um die Ecke weiter.

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14 Kommentare
Gast: noranor
25.06.2010 07:02
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Hirnrissig

Das kommt davon, wenn man in eine Gegend zieht, die schon mehr als hundert Jahre als das bekannt ist, was es ist. Dann baut man Schulen, Kindergärten und Bethäuser hin. Und da frage ich mich schon, wer hier unrecht handelt? Die Politiker samt Behörden haben die letzten Jahrzehnte hirnrissig gehandelt, als sie dort Menschen zuziehen ließen und werden weiter hirnrissig handeln, indem sie versuchen, ein Grundbedürfnis des Mannes auszurotten.
Das ist zum Scheitern verurteilt!

Gast: sicherlichER
23.03.2009 09:15
0 0

langsam fahrende Autos

"Wenn man nicht im Spitz zwischen Lassallestraße und Ausstellungsstraße wohnt, hat man keinen Grund hierherzukommen, ..."

Fesch. Seit kurzem kenne ich eine junge Dame, die just dort wohnt und ganz sicher keinem horizontalem Gewerbe nachgeht. Da ich sie dort besuche, habe ich laut Presse als Nichtanrainer keinen Anspruch dort zu fahren? Und wie soll ich bitte im 3. Gang einen der raren Parkplätze erspäen?

Ich versteh schon, dass Prostitution ein Problem für Anrainer, umliegende Schulen und die Polizei ist, aber dass ich mich beim Abholen besagter Bekannten 5x Anhupen lassen muß, obwohl ich mit dem Auto ganz am Straßenrand in 2.Spur halte UND den Blinker aktiviert hab, ist ein Pflanz.

Gast: Crusader
22.03.2009 17:53
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Die Multikulti Zensoren der Presse langen wieder zu....


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Re: Die Multikulti Zensoren der Presse langen wieder zu....

und das ist gut so. der nazimüll, den sie hier ableichen, ist ja nicht mehr zu ertragen.

Antworten Antworten Gast: Crusader
23.03.2009 17:40
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Re: Re: Die Multikulti Zensoren der Presse langen wieder zu....

Alter Multikultiwinsler....
Gähn....

Gast: Atze
22.03.2009 17:22
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Stuwerviertel

Das ist das Viertel, wo keiner deutsch versteht und neben dem Straßenstrich auch ein Arbeiterstrich existiert. Morgens sitzen schon Männer mit Bierdose am Straßenrand und siebenjährige Mädchen gehen mit Kopftuch zur Schule.

Ein eigentlich von der Bausubstanz und Lage attraktives Viertel. Eigentlich.


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habe lange im Stuwerviertel gelebt,

das Problem ist wirklich virulent und viele Frauen die Alleine unterwegs sind, brauchen gute Nerven. Außerdem hat diese Form des Strichs wirklich die letztklassigste Kultur, und ca. 90% Illegale.

Gast: Nordbahnstraße
22.03.2009 13:29
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Nicht nach dem Floriani-Prinzip!

Da müsste eine gute Planung zugrunde gelegt werden: Zuerst das Ausweichquartier festlegen (vorher unbedingt das Einverständnis der dortigen Bewohner suchen!!), dann die Prostitution mit gezielten Maßnahmen (ständige Belästigung durch die Polizei etc.) dorthin drängen. Eine einfache Verjagung ohne neues Zielgebiet wäre nur eine (verwerfliche) Anwendung des Floriani-Prinzips!

Kito
22.03.2009 11:27
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Und genau dahin soll die neue WU kommen....

Ich wette um 5000 Euro, bis die neue WU eröffnet ist, wird das Problem der Prostitution nicht im Griff sein.
Da die WU dafür bekannt ist, eine Vielzahl an schönen Fräulein anzuziehen, gleichzeitig ein Lehrveranstaltungsangebot bereitzustellen, das zT bis 2130 Uhr läuft, bzw Lernzonen bis 2200 Uhr zur Verfügung zu stellen, wird es bestimmt zu häufigen "Verwechslungen" führen.
So macht ein ohnehin schon mühsames und frustrierendes Studium an der WU Wien noch um einen Ziegel weniger Spaß.
Ist das der Plan, um die Eintrittszahlen zu minimieren?
Nach dem üblichen WU-Motto "Beweise, daß Du es wirklich willst, indem Du alle Schikanen ignorierst"?

Ich denke eher nicht, klingt es doch mehr nach einer klassischen Verwaltungsbeamten-Idee. "Umfeldbedingungen bedenken, za wos?"

Antworten Gast: Alex
22.03.2009 13:56
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Und genau dahin soll die neue WU kommen....

Auch die neue WU wird an die U-Bahn angebunden sein, wenn man nicht ins Stuwerviertel muss, gibt es auch keinen Grund dort hinein zu gehen. Wo ist also das Problem? Klingt eher nach Frust von dir, läuft offenbar nicht so gut mit dem Studium, oder?

Gast: sedrv
22.03.2009 10:08
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Autofahren

welcher Mensch "fährt" im 1ten Gang durch die Gegend??


Antworten Gast: WhiteRabbit
26.03.2009 02:03
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Re: Autofahren

Kennen sie das Stuwerviertel? Wenn nicht, möchte ich ihnen versichern, dass es dort ausgesprochen schwierig ist mit einem Hunderter durch die Gassen zu brettern.
Meine Frau wohnte auch dort bevor ich sie kennenlernte. Übrigens keine Prostituierte. Auch wenn ich in den Prater gehe, suche ich dort einen Parkplatz und keine leichte Dame. Alles im ersten, maximal zweiten Gang.

Antworten Gast: Barionyx
26.03.2009 01:36
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Re: Autofahren

Warum im 1.-2. Gang fahren? Die Herren Freier könnten doch zu Fuss gehen oder schaffen sie das nimmer? Ausserdem fehlt da der Hinweis "Zufahrt nur für Anrainer" das würde schon einige abhalten dort nach Nutten zu suchen. Das Rotlichtviertel könnte man so langsam ausrotten.

Antworten Antworten Gast: noranor
25.06.2010 07:22
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Re: Re: Autofahren

Nix kann man ausrotten. Ich geh auch zu Fuß, da man da einfach mehr sieht. Nur Neulinge und die unverbesserlich Faulen, fahren mit dem Auto.