WIEN. Österreich wird immer mehr zum Paradies für Einbrecher. Die am Dienstag vom Bundeskriminalamt (BK) veröffentlichten Zahlen werden selbst dort als „bedenklich“ eingestuft. Demnach stieg die Zahl der Einbrüche in Wohnungen in den ersten drei Monaten 2009 und im Vergleich zum Vorjahr um 16,6 Prozent auf 3600. Die Einbrüche in Einfamilienhäuser erreichten mit 2599 registrierten Fällen (plus 37,7 Prozent) ebenfalls Höchstwerte.
Das größte Problem gibt es in Wien. Hier werden knapp 30 Wohnungen pro Tag aufgebrochen – von Jänner bis März waren es 2812. Das bedeutet ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2008. Ein noch schlimmeres Bild ergibt der Blick auf die Einfamilienhäuser. Hier weist die Statistik einen Zuwachs von 58,3Prozent auf insgesamt 790 angezeigte Fälle aus.
Ähnlich ist die Situation im benachbarten Niederösterreich, wo es einen Anstieg um 17,9 Prozent bei Einbrüchen in Wohnungen und um 37,9 Prozent bei jenen in Einfamilienhäuser gab. Als besonders gefährdet gelten Siedlungen an den Autobahnen A1 und A2. Grund: Die Kriminellen können im hochrangigen Verkehrsnetz mit ihrer Beute rasch flüchten.
Befragt man Polizeiexperten, warum der Trend seit einigen Monaten derart steil nach oben zeigt, stößt man auf Ratlosigkeit. In der Bevölkerung wird für viele Kriminalfälle die Schengen-Erweiterung verantwortlich gemacht. BK-Offizier Gerald Tatzgern sieht das anders: „Die Schengen-Öffnung ist kein Grund für die hohen Einbruchszahlen.“ Dennoch zeigt die Statistik, dass es in Grenznähe (Wien, Niederösterreich und Burgenland) ein Plus an Einbrüchen in Wohnungen und Häuser gibt. In Salzburg, Tirol und Kärnten hingegen sind zumindest die Wohnungseinbrüche zurückgegangen.
Die Polizei setzt angesichts dieser Zahlen auf zwei Maßnahmen: Prävention und Schwerpunktaktionen. Zumindest ein Trend lässt sich erkennen. „Die Kriminellen treten nicht mehr in großen Gruppen auf, sondern kommen eher als Duo oder Trio“, berichtet Tatzgern. Täter, die vor allem in Ostösterreich auf Beutezug gehen, stammen nach wie vor aus Südosteuropa und dem Kaukasus. Profi-Einbrecher sind fast nie darunter, ebenso selten stößt die Polizei auf gebürtige Österreicher.
Versicherung: Höhere Prämien?
Diese aktuelle Tendenz scheint jedoch nur die Fortführung dessen, was Opferschutzorganisationen bereits im Vorjahr innerhalb der Bevölkerung wahrgenommen haben. Der Weiße Ring etwa verzeichnete von 2007 auf 2008 einen deutlichen Anstieg der Opferkontakte, nämlich von ursprünglich 10.000 auf 18.000.
Ein großer Teil davon, nämlich genau 20 Prozent, betraf Eigentumsdelikte. Allerdings, so der Weiße Ring, sei bei der Interpretation dieser Zahlen auch Vorsicht geboten. Aus ihnen gehe nämlich nicht eindeutig hervor, ob es tatsächlich mehr Verbrechensopfer gibt, oder ob einfach nur das Angebot des Weißen Rings bekannter ist als vorher.
Der Anstieg bei Wohnungseinbrüchen macht auch den Versicherungen schwer zu schaffen. Die Generali vermeldete am Dienstag, dass der Schadensaufwand bei Einbrüchen im ersten Quartal 2009 um 50 Prozent auf 7,4 Mio. Euro gestiegen ist.
Ähnlich verläuft die Entwicklung bei der Wiener Städtischen Versicherung. „Bei uns ist die Zahl der Einbrüche um 20 bis 25 Prozent gestiegen“, sagt der zuständige Städtische-Manager Wolfgang Reisinger. „Das ist ein neuer Rekord. Im Vorjahr lag der Anstieg bei zehn Prozent.“ Auf Prämienerhöhungen wollen die Gesellschaften vorerst verzichten, man werde aber die weitere Entwicklung abwarten.
Rudolf Mittendorfer, Fachgruppenobmann der Wiener Versicherungsmakler, ist dennoch überzeugt, dass es mittel- bis langfristig Prämienerhöhungen geben wird. „Derzeit profitieren die Kunden vom intensiven Wettbewerb in der Versicherungsbranche. Doch wenn die Schäden weiter so stark steigen, wird man um Prämienanpassungen nicht herumkommen“, meint Mittendorfer. Er rät daher, möglichst langfristige Verträge abzuschließen, um sich das jetzige Prämienniveau zu sichern.
Rabatte mit Risiko
Umgekehrt gewähren die meisten Versicherungen beim Einbau einer Alarmanlage oder einer Sicherheitstür Prämienrabatte von bis zu 20 Prozent. Allerdings rät der Inhaber eines großen österreichischen Sicherheitsfachmarktes im Gespräch mit der „Presse“ ausdrücklich von solchen Lösungen ab. Denn: „Besteht nur der geringste Zweifel daran, dass etwa die Alarmanlage beim Einbruch nicht eingeschaltet war, versuchen die Versicherungen sofort, sich schadlos zu halten.“
Inkludiert ist in allen Versicherungsverträgen seit Kurzem auch eine psychologische Betreuung nach einem Einbruch. Im Regelfall werden maximal drei Beratungen von 300 Euro pro versicherter Person ersetzt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2009)

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