Wien. Einige Kasernen in der Stadt sind so ziemlich der Traum jedes Raumplaners: Inmitten ansonsten dicht bebauter Gebiete bieten sie dank üppiger Exerzier-, Sport- und Parkplätze und dünner Bebauung genügend Platz für architektonische Projekte aller Art.
Kein Wunder also, dass sich für die neuste bald zu habende Immobilie des Verteidigungsministeriums, das Heereslogistikzentrum im Wiener Arsenal, schnell ein potenzieller Käufer finden hat lassen: Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) will das 11,5 Hektar große Werkstätten- und Lagerareal adaptieren, um das Arsenal als Projekt- und Forschungsstandort entwickeln zu können.
Arsenal als Zukunftsviertel?
Wenn das Geschäft zustandekommt, fällt der BIG ein Gebiet zu, das doppelt so groß wie der Stadtpark ist – und bis 2019 dank einer Verlängerung der U2 über einen eigenen U-Bahn-Anschluss verfügen soll. Zu diesem Zeitpunkt wird auch der neue Wiener Hauptbahnhof (der jetzige Südbahnhof) in unmittelbarer Nachbarschaft des Arsenals stehen, zusammen mit mehreren neuen Verkehrswegen wie einem geplanten Anschluss an die A23, die Südosttangente.
Damit könnte die Übernahme des Heeresareals im Arsenal eine lohnende Investition für die BIG werden – über den Kaufpreis wird noch verhandelt. Im Arsenal gehört der BIG bereits eine Reihe anderer Gebäude wie das Gebäude der Holzforschung Austria; außerdem organisiert die Gesellschaft die Übersiedlung von mehreren Labors der Technischen Universität Wien in dieses Areal.
„Das Arsenal ist eines der letzten zentrumsnahen Gebiete, die noch über Entwicklungspotenzial verfügen“, erklärt Ernst Eichinger, Sprecher der BIG. Eichinger ist freilich auch Sprecher der Sibeg, einer gemeinsamen Gesellschaft des Verteidigungsministeriums und der BIG, die den Verkauf von insgesamt 140 Bundesheerliegenschaften in ganz Österreich abwickelt, der durch die 2005 beschlossene Heeresreform notwendig wurde (siehe Artikel unten).
Freilich sind nicht alle Liegenschaften des Heeres so gefragt, dass sie sofort Abnehmer finden: In Wien ist im Zuge der Reform erst eine Liegenschaft veräußert worden – ein Offizierskasino in der Maroltingergasse.
Mehrere große Immobilien harren hingegen noch ihres Verkaufs: Am schwierigsten anzubringen dürfte davon die ehemalige Tegetthoff-Marinekaserne an der Stadtgrenze zu Klosterneuburg sein. Darüber hinaus versucht die Sivbeg derzeit ein Amtsgebäude des Heeres in der Vorgartenstraße sowie einen Teil des Areals der Theodor-Körner-Kaserne zu veräußern– bisher mit mäßigem Erfolg.
Stiftskaserne: „Nicht so schön“
Mehr Interesse von Stadtplanern und Lokalpolitikern besteht freilich an einer anderen Kaserne, von der sich aber das Bundesheer wiederum nicht trennen will: Schon 2006 hat der Bezirksvorsteher des siebenten Bezirks, Thomas Blimlinger (Grüne), vorgeschlagen, die Stiftskaserne zwischen Siebenstern-, Stiftgasse und Mariahilfer Straße für Fußgänger zu öffnen und so eine Naherhohlungszone in deren Innenhof zu schaffen, ähnlich jener im benachbarten Museumsquartier – eine Idee, mit der Blimlinger beim Bundesheer abblitzte – was sich bis heute nicht geändert hat.
Zum einen sei der Flakturm im Innenhof der Stiftskaserne – er beinhaltet ein Datenzentrum des Verteidigungsministeriums – äußerlich desolat und müsse ständig restauriert werden, wodurch eine zivile Nutzung des Hofs unmöglich sei, sagt Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Außerdem sei der Hof der Stiftskaserne gar nicht so schön, wie das viele glauben würden – von einem stadtplanerischen Traum sei man dort weit entfernt.
■Das Verteidigungsministerium hat angekündigt, das Heereslogistikzentrum 2010 aus dem Arsenal im dritten Bezirk zurückzuziehen. Die Zentralwerkstatt soll abgesiedelt, das rund 116.000 Quadratmeter große Areal verkauft werden.
■Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) signalisiert Interesse an der Liegenschaft. Sie will das Arsenal – bis 2019 wird die U2 dorthin verlängert – als Technik- und Wissenschaftskomptenzzentrum entwickeln.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2009)


Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Buskashi in Afghanistan: Polo-Spiel mit toter Ziege
Reuters Die Fotos eines Jahrzehnts
Welt der Rekorde Bikini-Parade und Massen-Umarmung











