Wien. Die Krise bewirkt offenbar Wunder: Während die wirtschaftlichen Grundlagen vieler Menschen bedroht sind, erklären sich immer mehr Österreicher für glücklich. Dies geht zumindest aus einer neuen Umfrage des Linzer market-Instituts hervor. „Mein Glück nimmt eher zu“, sagt knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) auf die Frage, ob sein (oder ihr) persönliches Glück in letzter Zeit eher zu oder abgenommen habe.
Lediglich 19 Prozent, also knapp ein Fünftel, sagen dagegen, das Glück nehme ab. Ein Glück für die Glücksforscher, die damit Hochkonjunktur haben. Herbert Laszlo, zum Beispiel, der Bücher zum Thema Glück geschrieben hat, das „Institut für experimentelle Glücksforschung“ leitet und als eigenes Ziel (und Glück?) die Schaffung einer Privatuni für Glücksforschung sieht. Laszlo kann den vermeintlichen Widerspruch, dass sich Menschen in der Wirtschaftskrise glücklicher fühlen, einfach erklären: „Es gibt derzeit einen Paradigmenwechsel vom Geld zum Glück – und das spiegelt sich auch in Umfragen wider.“
In wirtschaftlich guten Zeiten würden die Menschen arbeiten, „bis ihnen die Zunge heraushängt“. Denn man wolle die Hochkonjunktur nutzen, um gutes Geld zu verdienen. „Aber in der Krise wird dies hinterfragt und man überlegt, wie man glücklich sein kann, ohne viel Geld zu haben.“ Etwa, indem man jetzt das tue, was man persönlich immer tun wollte. „Da wird gemalt und getanzt. Oder der frühere Direktor serviert in einem Lokal Bier, weil ihm dies schon immer Spaß gemacht hat.“
Dieser Befund korreliert mit weiteren Umfrageergebnissen: Demnach wurden als Gründe zum Glücklichsein zwar in erster Linie Gesundheit angegeben (86%), aber an zweiter Stelle folgt schon „eine Tätigkeit, die einen wirklich ausfüllt“ (66%), ex aequo mit „eine gute langjährige Beziehung“. Und an vierter Stelle kommt mit 64 Prozent die „Freude an kleinen Dingen“. Gutes Wetter und Sonnenschein wird übrigens von immerhin 56 Prozent der Österreicher als Glücksfaktor gesehen.
Dass die Gesundheit an erster Stelle genannt wird, wundert den Glücksforscher aber doch: „Auch kranke Menschen können glücklich sein. Dass Gesundheit so wichtig ist, ist meiner Meinung nach überbewertet.“ Was sicher glücklich mache, sei die Beziehungspflege, Gesellschaft und Tätigkeiten, die Spaß machen.
Die bisherigen Glücksindikatoren liegen der Umfrage zufolge deutlich abgeschlagen (siehe Grafik): Etwa ein Lottogewinn, der nur von 37Prozent der Befragten als wichtig für das Glück erachtet wird, oder hohes Gehalt, das 28Prozent der Befragten angeben. Und auch Reichtum liegt mit 19Prozent schon weit hinten.
Unterschiedlich fallen die Antworten auch je nach Alter der Befragten aus. So ist etwa für 73 Prozent der unter 29-Jährigen das Thema „Freunde“ besonders wichtig, um sich glücklich zu fühlen (durchschnittlich wird diese Antwort nur von 59Prozent der Befragten gegeben). Besonders drastisch ist der Unterschied bei der Frage, wie wichtig eine neue Partnerschaft ist. Während 59 Prozent der Jugendlichen an das Glückspotenzial, das in einer neuen Partnerschaft liegt, glauben, sind dies im Durchschnitt der Österreicher nur 29Prozent.
Aufs Land, mit Kindern
Werner Beutelmeyer, Chef des Linzer market-Instituts, zieht als Resümee für ein Glücksrezept: „Man nehme eine gute Ausbildung, ziehe aufs Land und lebe dort mit Kindern unter 14 Jahren unter einem Dach.“ Und das in Oberösterreich – denn dort gibt es die höchste Glückszunahme.
Detail am Rande: Auch wenn Geld nicht (mehr) glücklich macht – ein bisschen finanzieller Rückhalt kann offenbar nicht schaden. Bei Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen und bei den selbstständig Erwerbstätigen vermindern die Sorgen die Glücksgefühle – so die Umfrage.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2009)

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