21.11.2009 16:28 | Meine Presse Merkliste0

Vortrag: „Jüdischer Irving“ vor Fans

28.05.2009 | 18:04 |   (Die Presse)

Der umstrittene US-Wissenschaftler Norman Finkelstein sprach – nach Verlegung des Vortragsortes – am Mittwochabend in Wien.

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Wien(som). „We love you, Professor Finkelstein“, akklamiert ein Mann in weißem Hemd am Ende des Vortrags voller Begeisterung. Finkelstein versucht zu lächeln. Mit einem derart emotionalen Bekenntnis scheint der stoische Sprecher nicht gerechnet zu haben.

Zum zweiten Mal ist der „jüdische David Irving“ – so würden ihn Gegner nennen, sagt Finkelstein – nach Wien gekommen. 2001, nachdem sein Buch „Die Holocaust-Industrie“ im Piper-Verlag erschienen war, protestierten Aktivisten während seines Vortrags, weil sie Finkelsteins Buch nicht für provokant, sondern für verharmlosend und antisemitisch hielten: Der Princeton-Absolvent wirft jüdischen Institutionen vor, sich mit dem Shoah-Leid quasi nachträglich zu bereichern.

Am Mittwochabend sprach Finkelstein – diesmal ungestört – vor 200 Zuhörern über die israelische Invasion in Gaza. Im Vorfeld hatte der Veranstalter – offiziell: der Peruaner Manuel Arispe (unterstützt von den Frauen in Schwarz und zahlreichen Nahost-Freundschaftsvereinen wie der Österreichisch-Arabischen Gesellschaft) – allerdings ein Raumproblem zu lösen: Die Universität Wien hatte nach einem offenen Brief von „Aktion gegen den Antisemitismus“ und Israelitischer Kultusgemeinde („proisraelische Lobby“ nennt es der Begrüßungsredner) den bereits gebuchten Hörsaal wieder entzogen.

 

Lauter Applaus im Hotel „Modul“

Im Hotel „Modul“ herrscht Jubelstimmung, als der Autor durch die Reihen des Konferenzsaals schreitet, das Podium erklimmt und etwas steif hinter dem Sprecherpult zu stehen kommt. Es ist ein betonter lauter Applaus, er gilt einem Provokateur: einem Juden, der gegen den von ihm selbst so genannten „jüdischen Mainstream“ die Stimme erhebt.

Finkelstein – seine leise, fast gebrochene Stimme steht in sonderbarem Kontrast zu seinem starren Blick – beginnt seine Rede mit Privatem: Er sei Jude, Sohn von polnischen Holocaust-Überlebenden. Nur ein biografischer Ausritt? Wohl kaum. Dass der Jude Finkelstein als „Tabubrecher“ in jüdisch-israelischen Angelegenheiten auftritt, machte ihn in der Vergangenheit (nicht nur, aber auch) bei Rechtsextremen beliebt. Danach steht Israel drei Stunden lang auf der Anklagebank: Für Finkelstein gibt es keine palästinensischen Terrorakte, nur brutale israelische Angreifer; Gaza ist für ihn ein „Massaker“; er zitiert Verurteilungen Israels durch Menschenrechts-NGOs, internationale Kritik am Vorgehen der Palästinenser verschweigt er.

Neues, altes Fazit: Der Judenstaat würde durch Instrumentalisierung der Shoah jegliche Kritik an seiner Politik unterbinden. „Wir sollten den Nazi-Holocaust draußen lassen“, sagt Finkelstein, der das Gegenteil davon tut: Die Bombardierungen von Moscheen im Gazastreifen seien eine „Kristallnacht”; der Krieg ein „systematisches Massaker an Wehrlosen“.

Als nach dem Vortrag ein älterer Herr einige kritische Fragen stellt, ist es mit der Geduld des Publikums schnell vorbei. „Halt den Mund“, heißt es. Wie man als Österreicher die Lage im Nahen Osten kommentieren kann, ohne als Antisemit abgestempelt zu werden, will ein junger Mann wissen. „Du solltest deine Meinung ausdrücken“, rät der Vortragende, er wisse aber: „Es ist nicht einfach.“ Gestern reiste Finkelstein weiter nach Kairo. Kritische Fragen dürften sich auch dort in Grenzen halten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2009)

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14 Kommentare
Gast: .....
29.05.2009 17:57
0 0

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Nun, er vertritt eine Einzelmeinung. Ob sie gut ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Es ist jedoch gar nicht hoch genug zu bewerten, dass IRGENDJEMAND so etwas ausspricht, schließlich hat die gesamte westliche Welt einen Maulkorb wenns um dieses Thema geht.
Nicht auszudenken in wievielen Punkten man in Österreich angeklagt würde, wenn man die selben Worte benutzte.
Aber: Ich halte viele seiner Thesen für nicht haltbar...
Es geht nur um die Freiheit sagen zu dürfen was man möchte. Wenn man beim Druckkochtopf das Ventil nicht öffnet, dann platzt er irgendwann.

17und4
29.05.2009 10:28
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man stelle sich vor, diesen Vortrag hätte jemand

bei der Olympia gehalten?!

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der darf das ...

wenn ein österreichischer schüler solche fragen aufwerfen würde, droht ihm wahrscheinlich ein schulverweis

seltsame welt

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Finkelstein

drückt in seinem Vortrag genau das aus, was ich schon seit Jahren in der Presse anpranger, meine Kommentare gelöscht wurden und mir gar der Zugang zu gewissen Online - Printdiensten verwehrt wurde, obwohl auch ich kein Antisemitist bin, sondern mich kritisch mit dem Judentum und Israel auseinander setze.

Antworten Gast: N:N
29.05.2009 05:53
0 0

Re: Finkelstein

"Als nach dem Vortrag ein älterer Herr einige kritische Fragen stellt, ist es mit der Geduld des Publikums schnell vorbei. „Halt den Mund“, heißt es."

Gast: 77777
28.05.2009 19:04
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kein guter Artikel


da ich auch bei dem Vortrag war, kann ich sagen dass Finkelstein sicher keine "leise, fast gebrochene Stimme" hat, sondern eine sehr laute und deutliche. finkelstein hat auch nicht die Kritik an den Palästinensern "verschwiegen", sondern auf die Antwort eines Fragenden, sich zu den palästinensischen Taten (Qassam Raketen) geäußert, indem er sagte dass die Palästinenser keine Wahl hatten. ob einem diese Meinung gefällt oder nicht , geschwiegen hat er aufjedenfall nicht.

Antworten Gast: gast
29.05.2009 10:25
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Re: kein guter Artikel

ich war bei diesem vortrag nicht, aber habe finkelstein schon bei anderer gelegenheit referieren gehört: er hat eine extrem leise stimme, und ehrlich gesagt hatte ich immer den eindruck der typ ist schwer auf drogen/medikamenten oder was auch immer. er wirkt wie ferngesteuert und etwas spooky. abgesehen davon find ich ihn inhaltlich SEHR jenseitig und problematisch.

Antworten Antworten Gast: 77777
29.05.2009 20:19
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Re: Re: kein guter Artikel

also ich bleib dabei! ich fand ihn sogar ziemlich locker also ich hätte ihn mir steifer vorgestellt. er hat auch öfters zwischendurch gelacht und Witze gerissen also überhaupt kein steifer "auf drogen"mäßiger typ. inhaltlich würde ich alles was er sagte unterschreiben.

P.S er referierte über den palästinensisch-israelischen Konflikt und über den Gaza Massaker ende letzten Jahres. also problematisch war hier nichts!

Antworten Antworten Antworten Gast: GAst
08.06.2009 14:52
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Re: Re: Re: kein guter Artikel

"Gaza Massaker"

end of discussion

Antworten Antworten Gast: pffffffffft
29.05.2009 12:38
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Re: Re: kein guter Artikel

wenn man ihn leider nicht ins rechte eck schieben kann, so muss er auf drogen sein......


Antworten Gast: Hubertus
29.05.2009 01:30
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Re: kein guter Artikel

Das ist ja für die Juden das Dumme. Bei Leuten mit einer Biographie wie Finkelstein aber auch früher bei Bruno Kreisky kann die Faschismuskeule nicht eingesetzt werden, da beide Angehörige in den Konzentrationslagern verloren haben.

Antworten Antworten Gast: pour le merite
29.05.2009 13:21
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Re: Re: kein guter Artikel

Welche, wann und wo?

Antworten Antworten Antworten Gast: 77777
29.05.2009 20:20
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Re: Re: Re: kein guter Artikel

finkelstein hat auf beiden Seiten (mütterlich + väterlich) alle seine Verwandten verloren.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: conenorm
08.06.2009 20:46
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Re: Re: Re: Re: kein guter Artikel

Um die Verwandten tut es mir leid.
Was Finkelstein betrifft - na ja, ich
habe ja von Kapos in KZs und von
Mitgliedern der Judenraete in den
Ghettos gehoert, also einer mehr
spielt keine Rolle.

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