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Kampf um Geheimakte Kampusch

05.06.2009 | 19:07 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Der Entführungsfall "Natascha Kampusch" wird möglicherweise nie restlos geklärt; die Frage nach Hintermännern könnte für immer offen bleiben. "Aus Gründen des Opferschutzes" bekommt die Polizei das Protokoll nicht.

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Der Entführungsfall „Natascha Kampusch“ wird möglicherweise nie restlos geklärt; die zentrale Frage nach etwaigen Hintermännern könnte für immer offen bleiben.

Dreh- und Angelpunkt der Ende 2008 wieder aufgenommenen Ermittlungen ist das Original-Einvernahmeprotokoll des Entführungsopfers. Dieses streng geheime Schriftstück bekommen nicht einmal die Beamten der Kampusch-Sonderkommission in die Hand. Es bleibt im Tresor der Staatsanwaltschaft Wien. „Aus Gründen des Opferschutzes“, wie es offiziell heißt.

Nicht nur die Polizei – auch die sechsköpfige Kampusch-Evaluierungskommission (Leitung: Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident Ludwig Adamovich) macht Druck. „Mit dem Hinweis auf die in umfassendem Aufklärungsinteresse unabdingbare Notwendigkeit einer abschließenden Kontextbeurteilung sollte seitens der operativen Verantwortung des Bundeskriminalamtes auf eine Einsichtnahme in diese Unterlagen bestanden werden.“ So heißt es auf Seite fünf des jüngst vorgelegten elfseitigen Berichts der Kommission. Dort ist auch von „nach wie vor offenen personenbezogenen Verdachtsmomenten“ die Rede. Noch immer ausstehende „wesentliche Befragungen“ würden ergiebiger ausfallen, wenn die „Möglichkeiten beweismäßig fundierter Vorhalte“ gut aufbereitet werden – soll heißen: Wenn die Beamten die Opferaussagen gut einstudieren und in Zusammenhang mit bisherigen Erkenntnissen bringen, würden die weiteren Einvernahmen von Zeugen oder Verdächtigen eher Früchte tragen.

Um den Druck auf die Staatsanwaltschaft zu erhöhen, stellte die Soko nun ein offizielles Ansuchen auf Einsichtnahme in die Protokolle. Ein wiederholtes „Nein“ zum Wunsch der Ermittler könnte diese in eine Position versetzen, die niemand haben will: Die Soko (operative Leitung: Oberst Franz Kröll) könnte sich zurücklehnen und sagen: Wir wollen ja ermitteln, aber man lässt uns nicht.

Derzeit wird daher seitens der Anklage überlegt, einen hochrangigen Behördenvertreter als Vermittler einzuschalten, der das Protokoll lesen darf und sich mit der Polizei abspricht. Offiziell wird das nicht bestätigt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, weist nur daraufhin, dass seine Behörde „nicht vorhabe“, die heiklen Papiere aus der Hand zu geben.

Warum ist man so „stur“? Zur Erinnerung: Die heute 21-Jährige war achteinhalb Jahre in einem Verlies gefangen, ehe ihr am 23.August 2006 die Flucht gelang; ihr Entführer Wolfgang Priklopil warf sich vor einen Zug. Also warum der strikte Aktenverschluss? Weil man fürchtet, dass die Unterlagen, sobald sie zur Polizei wandern, sehr rasch ihren Weg „in eine Illustrierte“ finden, wie ein Staatsanwalt, der nicht genannt werden will, erklärt. Fazit: Zumindest in Sachen Opferschutz misstraut die Anklagebehörde den von ihr beauftragten Ermittlern.

Rechtlich gedeckt ist der (bisherige) Geheimhaltungskurs der Anklage sehr wohl. In der Strafprozessordnung heißt es, dass Akteneinsicht dann nicht gewährt werden muss, wenn dem „überwiegende öffentliche oder private Interessen entgegenstehen“.

Wer durfte die Niederschrift bisher lesen? Außer Kampusch selbst mindestens drei Personen: der nach der Flucht von Kampusch zuständige U-Richter, der Staatsanwalt und auch ein Polizeivertreter, nämlich der seinerzeitige Chefermittler. Gretchenfrage: Was steht drinnen? „Jedenfalls nichts in Richtung Mittäter“, wird beteuert. Aber wie die Adamovich-Kommission schon vornehm formulierte: Es geht darum, „ein möglichst umfassendes Mosaik aus Beweissplittern zu komplettieren“.

Auf einen Blick

Machtkampf. Die Soko des Bundeskriminalamts, die nach etwaigen Hintermännern oder Mittätern im Entführungsfall „Natascha Kampusch“ forschen soll, bekommt noch immer keinen Einblick in das beim Staatsanwalt liegende Einvernahmeprotokoll von Natascha Kampusch. Dies wird mit „Opferschutz“ begründet. Nun soll ein hoher Anklagevertreter als Vermittler eingeschaltet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2009)

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Mehr aus dem Web

8 Kommentare
Gast: Predator
08.06.2009 00:07
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Kinder gehen in Österreich für eine Haidensumme öffentlicher Gelder vor die Hunde

Mit Kampusch lies sich viel Geld verdienen - für die "integren" psychologischen "Experten" Max Freidrich und Berger. Die haben natürlich auch nur die offizielle Version gekannt und Anzeigepflichtiges gegen Andere als den Herrn Prikopil hat es nichts gegeben - Genau und morgen landen die Marsmenschen mit Raumschiff Enterprise.

Und Jugendamt, Kinderschutzgruppe, Kinderschutzzentrum, Pflegschaftsgericht und wie der Tod und Teufel, welcher vom Steuerzahler lebt, sonst noch heissen mag schauen monatelang zu, wie im Falle Luca (und es ist ja nicht der erste derartig gestaltet - vor Jahren trug dieses Zudecken einer gewissen Fr. DSA Pinteris sogar den Auftieg zur obersten Kinderschützerin des Landes ein) ein Kleinkind grausamst zu Tode mißhandelt wird.

In Amstetten hilft das Jugendamt dem Inzestverbrecher Fritzl wegen handschriftlicher satanistischer "Bekennerschreiben" bei der Adoption seiner Kinder/Enkelkinder.

Am Pöstlingberg in Oberösterreich holen die "Kindeswohlprofis" vom Jugendamt dann nach Jahren doch die inzwischen teils irreparabel geschädigten Kinder von der schwerst geisteskranken Mutter weg, nachdem knapp davor der Amtstierarzt die Haustiere aus ihrem Leid mit dieser Frau erlöst hat. Und jetzt klagt die arme Psychpathin, inzwischen natürlich wieder auf freiem Fuß, den Staat und somit den Steuerzahler auf Haftentschädigung.

Gast: Observer
07.06.2009 14:05
0 0

Aufgedeckt?

Franz Fuchs knackt einen Bundesheercode am Commodre 64, kann nebenbei noch Elektronik und Chemie zum Bombenbauen und dann hängt er sich ohne Arme auf?

Im Falle Luca kann man über ein Jahr nicht richtig sagen, ob die Mutter und Behörden eine (Teil)Schuld treffen könnte?

Man lese das Buch Lucona und wundere sich über gar nichts mehr in unserem Rechtsstaat!

Beim Seilbahnunglück Kaprun gibts - wie so oft in Österreich, war Heinrich Gross nicht auch ein "geschätzter Anfertiger" solcher - ein Gerichtsgutachten - scheinbar absichtlich gefälscht. Im selben Salzburg hat ein Psychogerichtsgutachter namens Bachler als Monopolist mit gefälschten Gutachten und einer Privatfirma namens TAF schon lange seine Schäfchen in diesem Korruptionstango im Trockenen.

Im Falle Fritzl in Amstetten baut ein Bösewicht einen 80 Quadratmeter Atombunker, in welchem er jahrelang seine erwachsene eigene Tochter mißbraucht, die dort drei Kinder gebiert. Herr Fritzl meldet diese Kinder dann beim Jugendamt mit einem "satanistischen" Bekennerschreiben der Tochter ganz ungezwungen an.

Man denke auch an den Schifirmenkonkurs im Rahmen der BAWAG - ob da nicht eine Firma durch Machinationen in den Konkurs getrieben wurde?

Und man denke an Freidrich, Berger, Sirny und die Ungereimtheiten im Falle Kampusch und es wird einem sofort klar, dass hier die Wahrheit nie ans Tageslicht kommen wird.

...könnte das Opfer-Image verändern


"Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch, sagte dazu der Nachrichtenagentur APA, es gebe "berechtigte Interessen von Frau Kampusch, dass bestimmte Sachen einfach nicht an die Öffentlichkeit kommen"."

Wie meinte die unvorsichtige Polizistin, die den Erstkontakt hatte, in den ORF Nachrichten sinngemäß: "Da war mehr... das war freiwillig..."

und aus!

Re: ...könnte das Opfer-Image verändern

freiwillig? na sicher! jeder will doch jahrelang eingesperrt und missbraucht werden! sind sie wirklich so bescheuert oder haben sie nur a kranke phantasie?

sogar mir ist stockholm syndrom ein begriff. ich hoffe das auch der polizei sowas bekannt ist.

Gast: martin s
06.06.2009 03:15
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na da wirds ja wieder mal

höchste zeit für natascha, sich wichtig ins orf-studio zu setzen und betroffen zu schauen. allerdings könnte ja SIE die VOLLE wahrheit sagen - tut Sie aber nicht, dann könnte Sie ja auch nimmer betroffen sein...

Gast: Hinterfrager
05.06.2009 23:41
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Opferschutz?

Also sagen wir mal, wir fragen die Kampusch (das Opfer lt. 2 Milionen Sieten Zeitungsberichten) ob es ihr recht ist, dass die Polizei das liest. Dann brauchen sich Wiener Staatsanwälte nicht gar so vehement vor ihren Tressor stellen.

Das Nächste ist, die ganze Sache stinkt wie vieles wo Kinder und Justiz sowie Psychologen involviert sind, bis zum Himmel. Die offizielle Version der Geschichte vermittelt durch "Star"psycho Max Friedrich und diesem unnötogen Berger ist unglaubwürdig bis zum geht nicht mehr.

Also was ist die Wahrheit und wer hängt mal wieder wie mit drinnen?

Hirnverbrannt und Kreuzfidel

Willkommen in der Polizeiposse 'Kamma net'

Bericht hergeben: Damma net
Fall reslos aufloesen: Woimma net
100% professionell arbeiten: Kemma net

Erinnert doch irgendwie schon sehr an den Doutroux Fall in Belgien, da wurde doch genauso alles jahrelang verzoegert. verschmlampt und nie ganz aufgeklaert.

Ritueller Missbrauch

Welche hoch gestellten Persönlichkeiten werden hier gedeckt?