Probebohrungen für Konzerthalle im Augarten

Die Sängerknaben-Konzerthalle im Augarten nimmt Formen an. Erste Probebohrungen für das Bauprojekt stehen kurz bevor; Anrainer und Gegner kontern mit einem Widerstands-Camp und einer Parkbesetzung.

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(c) APA (Archipel Architektur)

Wien. Es wird ernst. Die ersten Bagger sollen am heutigen Dienstag in den Augarten rollen, um Probebohrungen für die geplante Sängerknaben-Konzerthalle mit 380Sitzplätzen am Augarten-Spitz durchzuführen. Das berichten Projektgegner, die am Montag spontan ein Widerstandscamp errichtet haben, um diese Probebohrungen zu verhindern. „Auch wenn die Baubewilligung auf Schiene ist, heißt das noch lange nicht, dass dieses Projekt gebaut wird“, so Raja Schwahn-Reichmann von der Bürgerinitiative „Josefinisches Erlustigungskomitee“ kämpferisch.

Damit spielt die Wienerin nicht nur auf den Widerstand ihrer Bürgerinitiative an: „Wir wissen noch nichts über die Finanzierung des Projektes.“ Es gebe Gerüchte, so Schwahn-Reichmann, dass die Wirtschaftskrise jenen Fonds, über den die Finanzierung des Projekts laufen soll, schwer getroffen habe: „Dieser Fonds soll um 30 Prozent geschrumpft sein. Da muss man fragen, wie es mit den Garantien (der Investoren, Anm.) aussieht, die damals gemacht wurden.“ Deshalb sei der Widerstand gegen die Verbauung des Augartens überhaupt nicht sinnlos: „Wir haben in der Zwischenzeit etwa 10.000 Unterschriften gesammelt, damit der Augarten mit der Konzerthalle nicht verbaut wird.“

Seitens der Wiener Sängerknaben werden Finanzprobleme dementiert: „Davon wissen wir hier im Haus nichts“, erklärt Sängerknaben-Sprecherin Anna Weingant der „Presse“. Dass die geplanten Probebohrungen direkt bevorstehen, bestätigt die Sängerknaben-Sprecherin aber indirekt: „Ich kann nicht sagen, ob das heute oder morgen passiert. Es müssen aber Sondierungsbohrungen durchgeführt werden, um zu sehen, wie der Untergrund für den Bau der Konzerthalle beschaffen ist.“ Nachsatz: „Wir wollen möglichst schnell bauen, um das Projekt voranzubringen. Immerhin haben wir bis jetzt sehr viel Geld und Arbeit in dieses Projekt investiert.“

Am Zeitplan soll sich laut Weingant nichts ändern: Heuer soll der Baubeginn erfolgen; 2011 könnte die Konzerthalle, die geschätzte zwölf Mio. Euro kosten und von der Pühringer Privatstiftung finanziert wird, zur Verfügung stehen. Dann sollen dort Konzerte der Sängerknaben stattfinden.

Ein Plan, den Schwahn-Reichmann verhindern will – mit dem zeitlich unbefristeten Widerstandscamp und prominenter Unterstützung. Künstler wie die Schriftsteller Robert Menasse und Doron Rabinovici sowie Viennale-Direktor Hans Hurch (er wollte ein Filmkulturzentrum errichten; „unterlag“ aber trotz Anrainerunterstützung den Sängerknaben und sucht einen neuen Standort) übernehmen Patenschaften für Bäume, die im Augarten für die Sängerknaben-Konzerthalle gefällt werden müssen.

Gleichzeitig wird der Konflikt auch politischer. Die Grünen protestieren am Dienstag am Augarten-Spitz gegen das Bauprojekt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2009)

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