Adoption durch homosexuelle Paare: Nur ein einziger Antrag

Seit Jahresbeginn dürfen auch homosexuelle Paare Kinder adoptieren, in ganz Österreich gab es aber nur einen Antrag. Grundsätzlich sind die Wartelisten sehr lang.

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(c) imago/Ralph Peters (imago stock&people)

Seit Jahresbeginn können sich homosexuelle Paare um eine Adoption bemühen. Doch wurde - soweit bekannt - bisher lediglich ein einziger Antrag eingebracht, und zwar in Kärnten. Dabei würde es mehr Interesse geben, abschreckend erscheint jedoch vielen, dass es zwar lange Wartelisten, aber nur wenige Kinder gibt, die neue Eltern bekommen.

"In Kärnten absolviert derzeit ein gleichgeschlechtliches Paar das Auswahlverfahren für Adoptivwerber", gab Christine Gaschler-Andreasch, stellvertretende Abteilungsleiterin für Soziales, Jugend und Familie des Landes Kärnten bekannt. Zu welchem Zeitpunkt das erste homosexuelle Paar in Kärnten eine realistische Chance auf ein Kind haben wird, könne man nicht sagen. Von den Zuständigen gebe es aber immer das größte Bemühen, die bestmöglichen Eltern für das betreffende Kind zu finden.

Das Verfahren, bis es tatsächlich zur Vermittlung eines Kindes kommt, dauert durchschnittlich vier bis sechs Jahre: "In dieser Zeit haben sich die Werber öfters bereits anders orientiert, eventuell eine Pflegeelternschaft übernommen." Keine Zahlen liegen über ausschließlich im Ausland durchgeführten Adoptionen vor. Homosexuelle Werber für eine Pflegeelternschaft hat es bisher in Kärnten noch nicht gegeben.

Vorbereitungskurse in Wien

In Wien hat die Aufhebung des Adoptionsverbots für homosexuelle Paare bisher zu keinen neuen Anträgen geführt. "Es ist nicht so, dass uns die Türen eingerannt werden", sagte Helena Planicka, Geschäftsführerin des Vereins "Eltern für Kinder Österreich". Insgesamt standen 2015 40 neue Adoptivwerber 17 zur Adoption freigegebenen Kindern gegenüber. Derzeit besuchen zwei schwule Paare sowie ein lesbisches Paar aus Wien und eines aus Niederösterreich die Vorbereitungskurse des Vereins.

Zu den Kriterien, ob jemand infrage kommt, zählen unter anderem ein sicheres Einkommen und das Bestehen eines Netzwerkes, das sich bei Bedarf ebenfalls um das Kind kümmern kann. Persönlichkeit und Partnerschaft werden ebenfalls überprüft, erklärte Planicka. In den Vorbereitungskursen wird auch geklärt, ob sich Eltern vorstellen können, ein Kind zu adoptieren, das möglicherweise gesundheitliche Schäden beispielsweise durch eine Alkoholkrankheit der Mutter hat.

Planicka rechnet nicht damit, dass es in Zukunft besonders viele Adoptionen durch Schwule und Lesben geben wird. Nicht weil diese ausgegrenzt würden, sondern weil die Zahl der zur Adoption freigegeben Kinder im langjährigen Vergleich rückläufig ist.

Als Einzelpersonen durften homosexuelle Frauen und Männer schon bisher ein Kind im Inland adoptieren. In der Praxis haben Singles aber kaum Chancen auf eine Adoption. Seit rund 20 Jahren steht homosexuellen Paaren in Österreich bereits die Pflegeelternschaft offen. Dass nun gleichgeschlechtliche Paare ihre Pflegekinder einfach adoptieren, ist allerdings nicht möglich, da es zur Adoption immer die Freigabe der leiblichen Eltern braucht.

Salzburg: Chance auf ein Kind ist gering

Egal ob hetero- oder homosexuell: Adoptionswillige Paare müssen sich in Salzburg in Geduld üben. "Wir haben sehr lange Wartelisten, das wird ganz offen kommuniziert. Die Chance auf ein Kind ist in Salzburg relativ gering. Viele Paare stellen deswegen keinen Antrag - unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung", sagte Roland Ellmer, Referatsleiter in der Kinder- und Jugendhilfe des Landes.

Seit dem 1. Jänner habe im Bundesland Salzburg noch kein einziges schwules oder lesbisches Paar einen Adoptionsantrag gestellt. Im Schnitt würden zwei bis fünf Kinder im Jahr zur Adoption frei gegeben. Ganz anders aber die Situation bei Pflegeeltern: Hier sei der Bedarf in Salzburg durchaus hoch. Derzeit würden im Bundesland etwa vier bis fünf homosexuelle Paare Kinder auf Zeit betreuen.

 

(APA/Red.)

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