Wien (awe). Die steigende Kriminalität in Österreich ist nicht mehr mit dem Argument erklärbar, es handle sich um ein vorübergehendes Phänomen. Am Montag veröffentlichte das Bundeskriminalamt die Statistik für das erste Halbjahr 2009. Demnach ist die Zahl der angezeigten Strafdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent gestiegen. Auffällig an der Statistik ist auch, dass sich die Gesamtbelastung durch die Kriminalität von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich entwickelt. Während etwa Tirol und das Burgenland nennenswerte Rückgänge verzeichneten und andere Bundesländer zumindest stagnieren, ist die Kriminalität in Wien regelrecht explodiert. Oder in anderen Worten: Ohne Wien, wo 12.749 der zusätzlichen 13.678 Straftaten registriert wurden, wäre die Kriminalität auf Bundesebene rückläufig.
Besonders starke Anstiege verzeichnete das Bundeskriminalamt bei den Einbrüchen in Wohnungen (um 8,7 Prozent auf 6536 Fälle) und Häuser (39,8 Prozent, 4248 Fälle). In Wien stiegen diese beiden Kategorien um 14,1 bzw. 64,7 Prozent.
Fragwürdige Zahlenspiele
Eine der wenigen guten Nachrichten über die jüngste Entwicklung ist, dass die Kriminalität unter Jugendlichen deutlich zurückgegangen ist. In der Gruppe der unter Zehnjährigen um 4,8 Prozent, in jener der Zehn- bis 14-Jährigen um 19 Prozent. Bei den 14- bis 18-Jährigen sank die Zahl der registrierten Anzeigen immerhin noch um 10,8 Prozent.
Für den Laien einmal mehr unverständlich ist die zum Teil fragwürdige Zählweise, die immer wieder dazu herangezogen wird, die Zahlen zu beschönigen. Das Wiener Landespolizeikommando erklärt den enormen Anstieg etwa damit, dass im Rahmen einer einzigen Amtshandlung 6102 Fälle von Internetbetrug zur Anzeige kamen. Umgekehrt wurde diese eine Amtshandlung aber auch gerne dazu benutzt, um – wieder mit einer einzigen Amtshandlung – 6102 Fälle zu klären; was die Aufklärungsquote in Wien mit einem Schlag um 2,53 Prozentpunkte auf im Bundesschnitt (dieser liegt bei 39 Prozent) immer noch magere 30,61 Prozent steigert. In Vorarlberg beträgt die Aufklärungsquote beachtliche 56 Prozent.
Der Monat mit der stärksten Kriminalitätsbelastung war in Wien übrigens mit 24.210 Anzeigen der April. Im Jänner war es mit 17.411 Fällen am ruhigsten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2009)


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