Briefbomben: Staatsanwalt gegen neue Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft in Graz spricht sich gegen eine Wiederaufnahme der Briefbomben-Ermittlungen aus. Maria Loley hat nun Gelegenheit darauf zu reagieren.

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(c) APA (Harald Schneider)

WIEN/GRAZ. Hatte Briefbomben-Attentäter Franz Fuchs Mitwisser? Diese Frage beschäftigt seit wenigen Tagen wieder Staatsanwaltschaft und Gerichte in Graz. Hintergrund ist ein Antrag der Ex-Flüchtlingsbetreuerin Maria Loley, die laut „Profil“ bei der Grazer Staatsanwaltschaft einen Antrag zur Fortführung der Briefbomben-Ermittlungen gestellt hatte. Der Grund: „Ich mache das nicht, weil ich es irgendwie interessant finde, sondern weil ich die ganze Zeit unter der Unwahrheit gelitten habe, dass Fuchs ein Einzeltäter gewesen sein soll“, so Loley, die ein Opfer der Briefbomben-Serie wurde – ebenso wie Mahmourd Abou-Roumie (Gemeindearzt von Stronsdorf), der ebenfalls von einer Briefbombe verletzt wurde, und der am Montag erklärte, er zweifle genauso wie Loley an der Einzeltäter-Theorie.

„Wir haben dem Landesgericht unsere Stellungnahme übermittelt. Nun entscheidet ein Richtersenat“, erklärte dazu Manfred Kammerer, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Graz, der „Presse“. Konkret wird (nach der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft) Maria Loley die Möglichkeit gegeben, darauf zu reagieren. Danach entscheidet der Richtersenat über eine etwaige Wiederaufnahme der Briefbomben-Ermittlungen.

Derzeit sieht die Staatsanwaltschaft keinen Grund, die Ermittlungen wieder aufzunehmen – was sich in deren 55 Seiten dicker Stellungnahme niedergeschlagen hat:
•Historisches Wissen. Die Behauptung, Fuchs hätte nicht über das historische Wissen verfügt, um die Bekennerschreiben der „Bajuwarischen Befreiungsarmee“ verfassen zu können, hält Kammerer für falsch: „Wir haben in seinem Computer ein vorbereitetes Bekennerschreiben gefunden.“ Außerdem hätte die Einvernahme durch den damaligen Untersuchungsrichter Erik Nauta eindeutig den Beweis erbracht, dass Fuchs über dieses spezielle historische Wissen verfügt hätte.
•Unschuldige in Haft. Flüchtlingsbetreuerin Loley stützt sich auf Angaben des früheren Sonderermittlers Rudolf Huber, der seit Monaten für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen kämpft. Dazu Kammerer: Das Verfahren gegen einen Verdächtigen, den Huber in den Zusammenhang mit den Anschlägen bringt, sei damals eingestellt worden. Die Sonderkommission, die „im Nebel Beschuldigte gesucht hat“, so Kammerer, hätte zwar Verdächtige gefunden: „Die sind aber unschuldig in U-Haft gesessen“, so Kammerer. Nachsatz: „Herr Huber hat nicht mehr diesen Überblick über das Verfahren, den wir haben.“

Bis die Entscheidung der Richter vorliegt, wird es dauern. Kammerer: „Man muss den Akt (75 Bände, Anm.) ausheben, unseren Hinweisen nachgehen und Belegstellen prüfen, ob die Vorwürfe von Huber stimmen. Und das wird dauern.“

Auf einen Blick

Franz Fuchs ein Einzeltäter? Flüchtlingshelferin Maria Loley, die 1995 Opfer eines Briefbomben-Anschlags wurde, hat vor Kurzem einen Antrag zur Wiederaufnahme der Briefbomben-Ermittlungen eingebracht. Die Staatsanwaltschaft sieht Fuchs als Einzeltäter und spricht sich nun gegen weitere Briefbomben-Ermittlungen aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2009)

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