Wien. Bei allem Wandel, den die Arbeitswelt junger Menschen in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, bleibt eines konstant: Am wichtigsten ist Jugendlichen bei der Berufswahl nach wie vor – die gute Bezahlung. Darüber hinaus sehnen sich die 14- bis 18-Jährigen vor allem nach einem sicheren Arbeitsplatz, Spaß im Beruf und sympathischen Kollegen.
Hoffnung darauf, dass diese Wünsche tatsächlich Realität werden, hätten nur wenige Jugendliche, sagt Beate Großegger. Die Forscherin vom Wiener Institut für Jugendkulturforschung hat soeben die Erkenntnisse mehrerer aktueller Studien zum Thema „Jugend und Arbeitsmarkt“ zusammengefasst. Auf Basis von Befragungen und direkten Gesprächen mit 14- bis 18-Jährigen auf verschiedenen Bildungswegen kommt Großegger zum Schluss, dass das Wort Karriere heute vor allem mit einem verknüpft ist: Sorgen.
„Während die Erwachsenen über die Krise diskutieren, sind die Jugendlichen, die am erst Beginn ihres Erwerbslebens stehen, verunsichert“, so Großegger. Viele hätten die Forderung des Arbeitsmarkts nach großer Flexibilität bei Karriere- und Lebensplanung übernommen – dabei sei ihnen aber die Orientierung abhandengekommen. „Vor allem Jugendliche mit niedrigerer Bildung wissen nicht, was sie im Berufsleben erwartet, wissen nicht, was sie wirklich wollen.“ Wichtig wäre in diesem Zusammenhang, von öffentlicher Seite mehr Angebote zur Berufsorientierung anzubieten, sagt Großegger.
Bereit zum lebenslangen Lernen
Das Bild, dass man einen Beruf erlernt und diesen ein Leben lang ausübt, hat für die jungen Menschen, die heute aus der Schule kommen, ausgedient. Gerade einmal ein Drittel der Jugendlichen möchte sein Erwerbsleben lang in einem Beruf verbleiben.
Das stellt keinen ausschließlich negativen Trend dar: „Umgekehrt heißt das, dass sich ein Großteil zu lebenslangem Lernen bekennt.“ Mehr als jede Generation zuvor sei diese bereit, sich während ihres gesamten Berufslebens weiterzubilden. „Den einen Traumberuf gibt es nicht mehr“, so Großegger: Die Jugendlichen seien bereit, im Lauf der Zeit in verschiedensten Branchen zu arbeiten. Solange diese gewissen Kriterien entsprechen: Neben den genannten sind Karrieremöglichkeiten und Freizeit wichtig.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2009)


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