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Niederösterreich: Radhelmpflicht nicht auf Straße

30.09.2009 | 18:56 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Die Helmpflicht soll nur dort gelten, wo die Straßenverkehrsordnung nicht zum Tragen kommt. Verkehrsexperten empfinden die Aktion als thematisch falsch, populistisch und als Bärendienst für die Förderung des Radverkehrs.

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St.Pölten. Landeshauptmann Erwin Pröll wünscht sich in Niederösterreich eine Radhelmpflicht für Kinder unter 15 Jahren. Es ist davon auszugehen, dass die VP-Mehrheit bei der Landtagssitzung heute, Donnerstag, diesem Wunsch entspricht – und dass wie bei der Skihelmpflicht andere Länder nachziehen.

Sachlich begründbar sei der Wunsch jedoch nicht, sagen Experten, die die Aktion als thematisch falsch, populistisch und als Bärendienst für die Förderung des Radverkehrs empfinden. „Niemand hat etwas gegen das Tragen von Helmen, nur würde eine gesetzliche Verpflichtung das zarte Pflänzlein Radverkehr in NÖ umbringen“, ätzt Hans Doppel von der Wiener Radlobby „Argus“. Doppel geht davon aus, dass die unbequeme Vorschrift viele Eltern und Kinder davon abhalten werde, überhaupt das Rad zu benützen.

Im Ausland finden sich entsprechende Beispiele. In Australien, wo der Radverkehr einen ähnlich geringen Anteil am Verkehrsaufkommen wie in Österreich hat, hat die Radhelmpflicht dessen Anteil noch einmal um 30 Prozent reduziert.

Norwegen, wo die Radhelmpflicht 2007 bereits kurz vor der Umsetzung war, ist deshalb in letzter Sekunde zurückgerudert. Der Tenor der verantwortlichen Politiker damals lautete: Einen derartigen Rückgang des Radverkehrs in Zeiten wie diesen (Stichwort Klimaschutz) bewusst in Kauf zu nehmen sei verantwortungslos. Im schwedischen Malmö machte man die Erfahrung, dass die Radhelmpflicht für Kinder auch auf die Verletzungen keine Auswirkungen hatte. So gestand der verantwortliche Radverkehrskoordinator Leif Jönsson im Sommer 2009 zähneknirschend ein: „Wir können keine Veränderung in der Unfallstatistik sehen.“

 

Eingeschränkte Gültigkeit

Abgesehen davon ist der NÖ-Vorstoß örtlich sehr begrenzt gültig. Die Helmpflicht soll nämlich nur dort gelten, wo die Straßenverkehrsordnung nicht zum Tragen kommt. Gültig wäre die Verpflichtung also an Sportstätten und Spielplätzen, Schulhöfen, nicht aber auf der Straße. Darum, so Pröll, müsse sich Verkehrsministerin Bures kümmern. Eine entsprechende Initiative ist jedoch nicht in Sicht. Unterstützung bekamen die Radaktivisten nun von Wissenschaftlern des Instituts für Verkehrswesen der Boku. Der Sinn einer Radhelmpflicht sei in der Wissenschaft höchst umstritten, heißt es in einem E-Mail an wichtige Landesbeamte. Weiters wiesen die Forscher darauf hin, dass sich Autofahrer helmtragenden Radfahrern gegenüber rücksichtsloser verhalten, als das bei Nichtbehelmten der Fall sei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2009)

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9 Kommentare
Gast: felczak
01.10.2009 21:06
0 0

ARGUS schließt mit einem klaren NEIN zur Radhelmpflicht in Österreich!

Mehr über die Radhelmpflicht auf: http://www.argus.or.at/

Hier der Link zur ÖAMTC-Presseaussendung "Gesetzliche Fahrradhelmpflicht nur als äußerstes Mittel"
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20060819_OTS0023

Gast: Ruei
01.10.2009 14:13
1 0

Sogar der ÖAMTC

Sogar der ÖAMTC ist gegen eine Radhelmpflicht - und das will was heißen!

Gast: Furiiewii
01.10.2009 14:00
1 0

Reiner Unfug

Eine solche Regelung is reiner Unfug. Abgesehen davon, dass die niederösterreichische Regelung - typisch österreichisch - ein Kompromiss ist, der eh weitestgehendirrelevant ist, ist Helmpflicht für Radfahrer nicht nur sinnlos, sondern sogar kontraproduktiv.

Helmpflicht führt zu weniger Radverkehr, und weniger Radverkehr erhöht das Risiko für den einzelnen Radfahrer. Nachgewiesen in zahlreichen Studien. Aber den ÖVP-Granden wird das wurscht sein, die fahren BMW statt KTM. So wie überhaupt die Helmpflicht nur von denen gefordert wird, die selbst nie Rad fahren, und halt die Radfahrer ein bisserl schikanieren wollen.

Gast: Aaron
01.10.2009 11:39
1 0

Katastrophe

Vor 3 Jahren wurde im "Lebensministerium" unter tatkräftiger Mithilfe von NÖ der "Masterplan Fahrrad" geboren, der eine Verdoppelung des mickrigen Radverkehrsanteils innerhalb von 5 Jahren zum Ziel hatte.

Bisher ist zur Erreichung dieses Zieles nichts relevantes passiert, jetzt ist man offenbar gewillt, in die Gegenrichtung zu gehen, und strebt mit der Radhelmpflicht eine Halbierung an. Die Rechnung wird aufgehen.

Zwar ist die dztige "Sportverordnung" noch nicht unbedingt relevant für den Alltagsverkehr, aber als Signal und Tendenz fatal.

In Ländern, wo Radverkehr eine echte Bedeutung hat (zb Holland), ist die Helmtragequote minimal. Die Phantasie, dass man zum Radfahren eine Verkleidung braucht, sollte unter religiöse Fragen diskutiert werden: manche Leute färben sich die Haare grün, andere setzen sich Kopftücher auf, andere Radhelme. Solange sie nicht andere mit dieser Idee beglücken wollen, it's ok.

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Originell!


Gast: joh03
01.10.2009 08:57
2 0

Der Sinn liegt darin.....

Der wirkliche Sinn und Hintergrund liegt darin, dass dies eigentlich eine Forderung einer bestimmten Versicherungsgesellschaft mit NÖ im Namen ist, und diese für Versicherungsfälle in den obig genannten Plätzen nicht gerne zahlen wollen(obwohl in den Versicherungsbedingungen dokumentiert). Mit diesem Passus im Landesgesetz fallen dann alle Kinder im Anlassfall ( obwohl "freiwillig" versichert ) um und die Versicherung braucht nicht zahlen , hat aber ein riesiges Körbergeld bei Schülern eingestreift. Man muss nur die Hintergründe für diese Aktion kennen.
Im übrigen ist ein derartiges Ansinnen total unsinnig und genauso wie von allen anderen Experten genannt abzulehnen.

Antworten texx
01.10.2009 11:10
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Re: Der Sinn liegt darin.....

das klingt alles sehr schlüssig, aber soweit ich weiß ist es egal, ob man bei unfällen eine helm trägt, oder nicht, da es ja nicht ausdrücklich in den agb steht.

Antworten Gast: Fahrradbote
01.10.2009 10:31
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Re: Der Sinn liegt darin.....

Danke für die Aufklärung! So erscheint die ganze Sache in einem etwas anderen Licht.
Und wieder sieht man, wie unwichtig eigentlich unsere Kinder für die Politik sind.
Hauptsache man kann abkassieren.
Deutlich zu erkennen ist hier auch die Verflechtung der Wirtschaft mit der Politik.

Die Frage "cui bono" trifft hier wieder einmal den Nagel auf den Kopf.

MfG

Gast: Fahrradbote
30.09.2009 21:45
2 0

Wer kontrolliert...

die Kinder z.B. am Feldweg? Wird da eine eigene Feldweg-SOKO geschaffen?
Bald werden wir auch die Radarboxen im Wald und Feldweg finden. Und zu guter Letzt werden die Fahrräder bis 24" auf max. 15km/h runtergedrosselt. Und der Katalysator im Popsch darf natürlich auf keinen Fall fehlen,-die Nitrogase müssen ja gefiltert werden, sonst steigen die CO²-Werte in der Luft.

MfG