St.Pölten. Landeshauptmann Erwin Pröll wünscht sich in Niederösterreich eine Radhelmpflicht für Kinder unter 15 Jahren. Es ist davon auszugehen, dass die VP-Mehrheit bei der Landtagssitzung heute, Donnerstag, diesem Wunsch entspricht – und dass wie bei der Skihelmpflicht andere Länder nachziehen.
Sachlich begründbar sei der Wunsch jedoch nicht, sagen Experten, die die Aktion als thematisch falsch, populistisch und als Bärendienst für die Förderung des Radverkehrs empfinden. „Niemand hat etwas gegen das Tragen von Helmen, nur würde eine gesetzliche Verpflichtung das zarte Pflänzlein Radverkehr in NÖ umbringen“, ätzt Hans Doppel von der Wiener Radlobby „Argus“. Doppel geht davon aus, dass die unbequeme Vorschrift viele Eltern und Kinder davon abhalten werde, überhaupt das Rad zu benützen.
Im Ausland finden sich entsprechende Beispiele. In Australien, wo der Radverkehr einen ähnlich geringen Anteil am Verkehrsaufkommen wie in Österreich hat, hat die Radhelmpflicht dessen Anteil noch einmal um 30 Prozent reduziert.
Norwegen, wo die Radhelmpflicht 2007 bereits kurz vor der Umsetzung war, ist deshalb in letzter Sekunde zurückgerudert. Der Tenor der verantwortlichen Politiker damals lautete: Einen derartigen Rückgang des Radverkehrs in Zeiten wie diesen (Stichwort Klimaschutz) bewusst in Kauf zu nehmen sei verantwortungslos. Im schwedischen Malmö machte man die Erfahrung, dass die Radhelmpflicht für Kinder auch auf die Verletzungen keine Auswirkungen hatte. So gestand der verantwortliche Radverkehrskoordinator Leif Jönsson im Sommer 2009 zähneknirschend ein: „Wir können keine Veränderung in der Unfallstatistik sehen.“
Eingeschränkte Gültigkeit
Abgesehen davon ist der NÖ-Vorstoß örtlich sehr begrenzt gültig. Die Helmpflicht soll nämlich nur dort gelten, wo die Straßenverkehrsordnung nicht zum Tragen kommt. Gültig wäre die Verpflichtung also an Sportstätten und Spielplätzen, Schulhöfen, nicht aber auf der Straße. Darum, so Pröll, müsse sich Verkehrsministerin Bures kümmern. Eine entsprechende Initiative ist jedoch nicht in Sicht. Unterstützung bekamen die Radaktivisten nun von Wissenschaftlern des Instituts für Verkehrswesen der Boku. Der Sinn einer Radhelmpflicht sei in der Wissenschaft höchst umstritten, heißt es in einem E-Mail an wichtige Landesbeamte. Weiters wiesen die Forscher darauf hin, dass sich Autofahrer helmtragenden Radfahrern gegenüber rücksichtsloser verhalten, als das bei Nichtbehelmten der Fall sei.