Eingepfercht zwischen Obst- und Gemüsekisten wurden 64 Kurden von der Türkei nach Österreich geschleppt. Auf der Südautobahn (A2) bei der Raststation Zöbern war in der Nacht auf Samstag Endstation für den "menschenunwürdigen und gesundheitsgefährdenden" Transport, wie ihn Heinz Zimper von der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen bezeichnete. Drei mutmaßliche Schlepper wurden festgenommen, berichtete Bundeskriminalamts-Sprecher Alexander Marakovits. Die 64 Männer, die 24 Stunden in dem Kühltransport ausharren mussten, haben mittlerweile um Asyl angesucht.
Die beiden Lkw wurden nach länger vorangehenden Ermittlungen, basierend auf einer Information an die Polizei, auf der Südautobahn (A2) in der Steiermark entdeckt und verfolgt. Bei der Raststation Zöbern (Bezirk Neunkirchen) in Niederösterreich erfolgte dann der Zugriff. Die Schwerfahrzeuge wurden abgeleitet, beim Öffnen der Container entdeckten die Beamten des Bundeskriminalamtes aus dem Bereich der Ausgleichsmaßnahmen (AGM) sowie des Landeskriminalamts Steiermark die zwischen Obst- und Gemüsekisten eingepferchten Kurden.
10.000 Euro für Fahrt nach Deutschland
Mit Kisten wurde eine Art Hohlraum gebaut, die Geschleppten seien gut versteckt gewesen, sagte Marakovits. Sie sollen für die Fahrt bis zu 10.000 Euro bezahlt haben. Die Lastwagen seien schlecht belüftet und viel zu kühl gewesen. Zur Aufrechthaltung der Tarnung als Obst-und Gemüsetransporter wurde die von außen erkennbare Temperatur entsprechend hinuntergefahren. Die Notdurft mussten die Geschleppten in Plastikflaschen verrichten.
Die Fahrt hat ursprünglich in Istanbul begonnen, dort wurden die Migranten auf die beiden Lkw aufgeteilt. Ziel sollte zunächst einmal der Großgrünmarkt in Inzersdorf in Wien-Liesing sein. Österreich war jedoch nur Transitland, tatsächlich sollten die Männer nach Deutschland gebracht werden.
Geschleppte in Traiskirchen
Nach ihrer Entdeckung wurden die Geschleppten vom Roten Kreuz und der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen mit Nahrungsmitteln und Decken versorgt und anschließend notdürftig in einer Polizeidienststelle untergebracht. Den Männern ging es am Sonntag gesundheitlich gut. Sie suchten um Asyl an und wurden in die Bundesbetreuungsstelle Traiskirchen gebracht.
Gegen die drei mutmaßlichen Schlepper im Alter von 30 bis 50 wurde von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt Haftbefehl erlassen. Auch am Sonntag liefen intensive Ermittlungen, um an die Hintermänner der Festgenommenen zu kommen. Wie die Migranten an die Schlepperbande geraten waren, war noch unklar.
(APA)
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