Eislaufen auf eigene Gefahr

Die Alte Donau als riesiger Eislaufplatz gefällt vielen Wienern – die Stadt warnt allerdings davor. In den Bergen steigt die Lawinengefahr. Nach kurzem Tauwetter wird es wieder winterlich.

Trotz Warnung der Stadt wagen sich viele Wiener auf die Alte Donau (Archivbild).
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Trotz Warnung der Stadt wagen sich viele Wiener auf die Alte Donau (Archivbild).
Trotz Warnung der Stadt wagen sich viele Wiener auf die Alte Donau (Archivbild). – (c) APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Sie ist eines der deutlichsten Zeichen im Stadtbild dafür, dass es in Wien nun schon sehr viele Tage lang sehr kalt ist: die zugefrorene Alte Donau. Deren Anblick hat Seltenheitswert, nur alle paar Jahre friert sie – und mit ihr selbstredend auch kleinere Gewässer im Stadtgebiet – zu.

Auch wenn die unglaublichen Weiten der zugefrorenen Alten Donau viele Eisläufer – siehe vergangenes Wochenende – reizen: Offiziell warnt die Stadt davor, auf Gewässern wie der Alten oder Neuen Donau eislaufen zu gehen. Dies sei „ein gefährliches Vergnügen“, sagt Gerald Loew, Leiter der MA 45. Erst am Sonntag ist eine Frau auf der Alten Donau durch die Eisdecke gebrochen, sie konnte sich selbst befreien und erlitt eine leichte Unterkühlung.

 

Warme Strömung

Dass eislaufen auf Naturgewässern lebensgefährlich sein kann, liege, so Loew, auch daran, dass die Eisbildung auf Naturgewässern „sehr schwer einzuschätzen ist, da sie nicht nur von der Lufttemperatur abhängig ist“. Denn stehende Gewässer wie die Alte Donau werden auch durch Grundwasserzuflüsse gespeist. Unabhängig von der Lufttemperatur, also auch bei sehr kaltem Wetter, ist dieses Grundwasser durchschnittlich rund sieben Grad Celsius warm. Es strömt an den verschiedensten Stellen ein.

Durch die Erwärmung von unten kann die Eisdecke an vielen Stellen also auch im tiefsten Winter dünn sein. Die Gefahr, dass man einbricht – und zwar nicht nur an den bekannten heiklen Stellen wie unter Brücken oder bei Pfeilern – ist also groß.

Das freilich hält viele Wiener nicht davon ab, dort trotzdem eislaufen zu gehen. Ein Verbot – wie es etwa für das Schwimmen im Sommer bei Hochwassergefahr besteht – sei aber nicht angedacht, heißt es von der MA 45. Dieses könnte man ob der Größe der Wasserflächen auch gar nicht exekutieren. „Wir appellieren da an die Eigenverantwortung.“ Eine Überprüfung seitens der Stadt, an welchen Stellen die Eisdecke wie dick ist, erfolgt nicht.

Ebenfalls nur auf eigene Gefahr kann man derzeit übrigens auch eine noch viel größere Eisfläche nutzen: den Neusiedler See. Dort ist die Eisdecke, etwa auf Höhe Podersdorf, rund zehn Zentimeter dick, Zugänge gibt es an mehreren Stellen, bei den jeweiligen Strandbädern etwa in Neusiedl, Rust oder auch Podersdorf. Allerdings, so die Info am Eistelefon (für Podersdorf etwa 02177/22 27), ist der See teils schneebedeckt, immer wieder gibt es offene Stellen. In Mörbisch gibt es derzeit zu viele offene Stellen, eislaufen ist dort also nicht ratsam.

In den Bergen wiederum droht ob der anhaltend winterlichen Verhältnisse – so positiv diese für die Skigebiete sind – und der großen Menge an Neuschnee eine andere Gefahr: Lawinen. Oberhalb der Waldgrenze besteht im Bergland von Vorarlberg bis Niederösterreich derzeit fast überall erhebliche Lawinengefahr (Stufe drei von fünf). Eine Entspannung, sagt Meteorologe Josef Lukas von Ubimet, sei nicht in Sicht, im Gegenteil. Am Donnerstag könnte das prognostizierte Tauwetter, das auch auf 1000 Metern Höhe Plusgrade bringen könnte, die Lawinengefahr sogar noch weiter erhöhen.

 

Glatteisgefahr im Osten

Im Flachland, vor allem im Osten, wird sich das Tauwetter am Donnerstag in Form von Eisregen – und in der Folge spiegelglatten Straßen – bemerkbar machen. Der Winter ist damit aber noch nicht vorbei: Schon am Freitag zieht laut Ubimet die nächste Kaltfront durchs Land, die im Osten ab Samstag weiteren Schnee (aber auch immer wieder Sonnenschein) bringen dürfte. Im Süden dürfte es überhaupt recht sonnig werden.

Auch in der kommenden Woche dürfte es winterlich bleiben: „Aus heutiger Sicht dürfte die erste Wochenhälfte sehr kalt verlaufen“, sagt Lukas. (mpm/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2017)

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