Schmerzpatient baute Cannabis an: Schuldspruch

Der 57-Jährige wurde zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt. Der Angeklagte spricht von "Hexenjagd".

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Am Landesgericht Salzburg wurde am Mittwoch ein 57-jähriger Schmerzpatient zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt. Der Mann soll zumindest ab März 2012 Cannabis in unbekannter Menge gegen seine Schmerzen angebaut, konsumiert und in einigen wenigen Fällen auch an Leidensgenossen weitergegeben haben. Der Flachgauer muss zudem die Verfahrenskosten tragen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der ehemalige Lkw-Fahrer hatte sich im Jahr 2004 bei der Arbeit am Fuß verletzt. Was zunächst wie eine Verstauchung aussah, entpuppte sich als schwerer Knorpel- und Bänderschaden. Es folgten drei Operationen und lange Krankenhausaufenthalte, dem Mann wurde ein Sprunggelenksimplantat eingesetzt. Schließlich wurde er in die Invaliditätspension geschickt.

"Cannabis wirkte"

Gegen die Schmerzen bekam er damals Morphium verschrieben, welches er laut eigenen Angaben nicht vertrug. 2008 begann er darum mit Cannabis zu experimentieren. Und die Pflanze - als Sud für Tee, extrahiert als Öl zum Schmieren und manchmal auch geraucht - habe sofort positive Wirkung gezeigt. "Das Cannabis wirkte schmerz- und entzündungshemmend. Hätte ich das Morphium weiter genommen, wäre ich heute ein Pflegefall", sagte er am Mittwoch.

2012 geriet er allerdings mit dem Suchtmittelgesetz in Konflikt. "Mir war klar, dass das verboten ist. Aber es hat mir einfach geholfen." Im September 2015 begann nach mehreren Anzeigen der Prozess gegen den Mann. "Ich bin zum Anbau von Cannabis gezwungen", sagte er damals. Das von der Krankenkasse bezahlte Ersatzmedikament Sativex habe nur bedingt geholfen. "Das hat eine Zeit lang gewirkt, dann aber nicht mehr." Der Prozess wurde in der Folge zur Einholung von Gutachten mehrfach vertagt.

"Studien belegen schmerzlindernde Wirkung"

Es gebe genügend Studien, welche die schmerzlindernde Wirkung von Cannabinoiden belegen, sagte am Mittwoch der Gutachter Christian Lampl, ehemaliger Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft, vor Gericht. Zudem habe der Angeklagte schlüssige Angaben gemacht. "Einen großen Spielraum innerhalb der schulmedizinischen Schmerzbehandlung hätte es bei ihm kaum mehr gegeben." Auch die beschränkte Wirkung von Sativex beim Angeklagten hielt Lampl für denkbar. "Eine Gewöhnung der Rezeptoren und eine Dosis-Steigerung ist möglich."

Darum habe er ja auch gleich mehrere Sorten angebaut, sagte der Angeklagte. "Ich sitze zwischen zwei Sesseln. Die Ärzte sagen das eine, die Justiz das andere." Und der 57-Jährige machte am Mittwoch aus seinen Unmut keinen Hehl. "Das ist ärger als eine Hexenjagd im Mittelalter. Ich habe nie etwas Schlechtes gemacht und auch nie Suchtgift am Schwarzmarkt angeboten." In Deutschland dürfe man Cannabis für medizinische Zwecke legal daheim anbauen. "Das wird auch bei uns kommen." Zugleich forderte er von der Justiz das bei ihm konfiszierte Suchtgift und die Utensilien für den Anbau zurück. "Es wäre schade, wenn Sie es verbrennen. Zeigen Sie ein Herz", meinte er zum Richter.

Kein "entschuldigender Notstand"

Der äußerte zwar Verständnis für die Situation des 57-Jährigen, sprach den Mann aber im Sinne der Anklage schuldig. Denn der Anbau und der Konsum von THC-hältigem Cannabis sei in Österreich nun einmal strafbar. Einen "entschuldigenden Notstand" erkannte der Richter nicht. "Dazu muss man zuvor alles tun, was legal möglich ist. Es hätte die Möglichkeit einer Mischtherapie gegeben, die Sie aber ablehnen", sagte er zum Angeklagten. Sprich: Der ehemalige Lkw-Fahrer hätte zuvor eine sogenannte multimodale Therapie - eine Kombination aus mehreren Medikamenten, aber auch mit Psychotherapie oder Hypnose - ausprobieren müssen.

Eine solche hatte der Angeklagte, der am Mittwoch ohne Verteidigung erschien - "Das kann ich mir nicht mehr leisten" -, allerdings stets vehement abgelehnt. "Ich mache mir doch meinen Körper nicht kaputt", meinte er und kündigte Berufung gegen das Urteil an.

(APA)

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