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Europol: Gefälschte Medikamente in Apotheken

22.10.2009 | 18:05 |  KLAUS STÖGER (Die Presse)

Europol-Bericht zur organisierten Kriminalität: Produktpiraterie und Menschenhandel nehmen zu, kriminelle Firmen drängen stärker in die legale Wirtschaft.

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Saalfelden.Düstere Trends zeigt der gestern, Donnerstag, veröffentlichte aktuelle Europol-Bericht zur organisierten Kriminalität in Europa. Denn erstmals stellten die Behörden fest, dass gefälschte Medikamente nicht nur über das Internet angeboten werden, sondern auch den Weg in Apotheken finden. Gerald Hesztera, ranghoher österreichischer Europol-Offizier im Hauptquartier in Den Haag, berichtete bei den Österreichischen Sicherheitstagen in Saalfelden: „Dabei handelte es sich nicht um ein falsches Potenzmittel, wie es häufig über das Internet zu beziehen ist, sondern um ein Krebsmedikament.“ Gesundheitsinspektoren konnten in einem nordwesteuropäischen Staat das Arzneimittel noch rechtzeitig, bevor es an Krebspatienten abgegeben wurde, aus dem Verkehr ziehen.

Rudolf Unterköfler, Ermittler für Wirtschaftsdelikte im heimischen Bundeskriminalamt, sagt, dass man „Ende 2007 knapp 30.000 gefälschte Pillen eines Potenzmittels aus dem Verkehr gezogen“ habe. Hinweise darauf, dass der von Europol aufgezeigte Apothekenfall auch in Österreich möglich wäre, gibt es derzeit keine.

Der Europol-Bericht wagt auch die Prognose, wonach die Produktpiraterie stark im Steigen sei. Der Schaden, der weltweit jährlich durch gefälschte Markenartikel entsteht, wird auf 140 Milliarden Euro geschätzt. „Zehn Euro für ein gefälschtes Lacoste-Hemd sind zehn Euro für die organisierte Kriminalität“, so Hesztera. Größte Umschlagplätze für derartige Lieferungen, die vor allem per Container aus Asien kommen, sind die Häfen Rotterdam (Niederlande) und Constan?a in Rumänien, der wichtigste EU-Hafen am Schwarzen Meer. Die rumänische Hafenstadt etabliert sich auch immer stärker als Markt für Kokain. Während in Rotterdam, wo jährlich 10,6 Millionen Container angeliefert werden, ein ausgeklügeltes Computersystem Zoll und Polizei bei der Erkennung von verdächtigen Gütern unterstützt, gibt es in diesem Bereich in Rumänien laut Europol noch Nachholbedarf.

Umschlagplatz für Drogen, die letztendlich in Österreich ebenso ihre Endabnehmer finden, ist auch Rotterdam. Als Zentren organisierter Kriminalität werden weiters Häfen auf der iberischen Halbinsel immer bedeutender. Da die Kokainproduktion in Kolumbien immer mehr unter staatlichen Druck gerät, werde es künftig vermehrt Drogenanbaugebiete in Afrika geben. Es sei bereits jetzt bemerkbar, dass westafrikanische Staaten als Transitländer für Lieferungen von Südamerika nach Europa benutzt werden. Das zunehmende Delikt des Menschenhandels werde meist über das Baltikum und Bulgarien abgewickelt. Hier spielt auch der Handel mit Kindern eine enorme Rolle, die dann in vielen westeuropäischen Staaten als Bettler auf die Straße geschickt werden. Bulgarien sei zudem weiterhin ein Zentrum für die Fälschung von Euro-Noten.

 

Kriminelles „Franchise“-System

Europol stellt außerdem fest, dass Firmen mit kriminellem Hintergrund verstärkt in die legale Wirtschaft drängen. Gewinne aus kriminellen Geschäften müssen legal angelegt werden. So erkannten die Experten, dass Ruinen wie leer stehende Fabriken oder Häuser in zahlreichen Ländern billig gekauft und mit illegalen Arbeitern und auf kriminelle Weise beschafften Baumaterialien renoviert werden. Danach bieten die „Investoren“ die Immobilie sehr teuer an. „Das dient zur Geldwäsche“, so Hesztera.

Auch der Mehrwertsteuerbetrug durch den Handel mit Emissionszertifikaten ist laut EU-Polizeibehörde stark im Steigen. Es sei auch keine Seltenheit, dass organisierte Gruppierungen Experten „kaufen“, die dann gezielt die Politik infiltrieren, Polizei und Richter denunzieren, aber auch versuchen, Druck auf Medien auszuüben. Ebenfalls ein neuer Trend: Etablierte kriminelle Organisationen geben anderen, kleineren Gruppierungen nicht selten in einer Art Franchise-System ihren „Markennamen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2009)

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8 Kommentare
Gast: ASVG-Sklave
23.10.2009 19:55
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Medien und Monopole lügen wie gedruckt

nur um ihre Vormachtstellung zu verteidigen. Zyankali im Aspirin? Wenn erforderlich, erzählen sie uns auch dieses Gschichterl.

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Gefälschte Medikamente in Apotheken

dass die apotheker mafia hier mitmacht?!
hmm... schwer zu glauben aber durchaus moeglich! wie zahlen nachwievor HORRENDE preise fuer alles, deppensteuer inkl.

Antworten Gast: frage
23.10.2009 10:09
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Re: Gefälschte Medikamente in Apotheken

womit vergleichen Sie diese "horrenden" preise? mit wurstsemmeln, handtaschen, lippenstiften?

oder mit internetpreisen? - viel glück, sie würden's brauchen!

der einzige zulässige vergleich ist der mit anderen ländern - bitte nennen Sie zahlen, wenn Sie schon jammern! und bitte auch berücksichtigen: in vielen ländern gibt's keine umsatzsteuer auf medikamente.

Antworten Gast: gast
23.10.2009 09:57
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Re: Gefälschte Medikamente in Apotheken

BITTE GENAUER LESEN:

NICHT IN ÖSTERREICHISCHEN APOTHEKEN!

Gast: gast
22.10.2009 20:32
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kriminell

ich find's ja auch kriminell, was da im untergrund passiert.

nur leider ist der legale weg der markenbekleidung moralisch oft kaum weniger kriminell. denn leider werden auch kostspielige markenprodukte meist unter denselben miserablen arbeitsbedingungen in fernost erzeugt wie billigprodukte.

ich wär eher bereit, hohe preise für produkte zu bezahlen, die unter sozial gerechten bedingungen z.b. in europa gefertigt werden (ich weiß bloß nicht, woher man wissen soll, welche das sind!). und ich denke, dass da die fälschungsproblematik auch nicht so groß wär.

Antworten Gast: Aha
23.10.2009 07:56
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Re: kriminell

sie haben zwar recht, aber zwischen gefälschter bekleidung und medikamenten muß man schon auch einen unterschied machen. andererseits sind textilien aus fernost oft viel gefährlicher als man denkt. chemikalien in der kleidung, verpackung und container.

Antworten Antworten Gast: gast
23.10.2009 10:04
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Re: Re: kriminell

Ja, natürlich.

Was Medikamente aus apotheken betrifft mache ich mir hier in österreich keine sorgen. die vertriebswege sind sehr geradlinig - hersteller - apo oder im normalfall hersteller - pharma-großhandel - apo. darauf kann man vertrauen.

im internethandel muss man aber jederzeit mit fälschungen rechnen, schließlich ist der vertrieb selbst oft illegal - wie soll man da auf legale herstellung hoffen? mit allen denkbaren konsequenzen: keine wirkung, zu starke wirkung, falscher wirkstoff, verunreinigungen - alles möglich von placebo bis vergiftung. finger weg!

Gast: Seele
22.10.2009 20:29
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Mutige Journalisten

Das ist ja echt der "Wahnsinn"!!!
Da weiß man gar nicht was man dazu sagen soll???!!!
Versagen schon alle Politiker in diesen Ländern????

Wenn es schon so mutige Journalisten und Reporter gibt, die sich getrauen das aufzudecken und sogar öffentlich zu machen, müssten doch die Politiker längst Bescheid wissen?????!!!!

Man kann gespannt sein, was und wie jetzt die Politik im JEWEILIGEN Land reagiert.

Ob Reporter sich "mundtot" machen lassen, oder weiterhin so mutig und ausdauernd auf der Spur bleiben...

Danke Klaus Stöger.