Spielepionier Ferdinand de Cassan gestorben

Er machte das klassische Brettspiel und Autorenspiele einem breiten Publikum zugänglich und organisierte unter anderem das Wiener Spielefest.

Ferdinand de Cassan in einem Archivbild aus dem Jahr 2006
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Ferdinand de Cassan in einem Archivbild aus dem Jahr 2006
Ferdinand de Cassan in einem Archivbild aus dem Jahr 2006 – (c) Harald Hofmeister

Der Spielepionier Ferdinand de Cassan ist tot. Wie einer Parte auf der Website der Familie Cassan zu entnehmen ist, ist er bereits am 10. März verstorben. 1949 in Mistelbach geboren, avancierte er zu einem der wichtigsten Vertreter der österreichischen Spieleszene, zunächst 1976 mit einem Artikel über Spiele und Puzzles, in der Folge auch als Organisator und Förderer. Hauptberuflich betreute der studierte Ökonom eine Baumschule, doch seine Leidenschaft gehörte dem Spielen. In Österreich wurde er unter anderem bekannt als Organisator des Wiener Spielefests, das 1984 das erste Mal abgehalten wurde, aber auch als gefragter Experte zum Thema Spieletrends.

Wer sich in Österreich intensiver mit Brett- und Kartenspielen beschäftigt hat, kam am Namen Ferdinand de Cassan nicht vorbei. So gründete er nicht nur den „Spielekreis“, bei dem sich passionierte Spieler alle paar Wochen zum gemeinsamen Spielen diverser Brettspiele trafen. Mehr als 40 Jahre lang gab er gemeinsam mit seiner Frau Dagmar auch das Spielejournal Win heraus.

Mit der ebenfalls von ihm gegründeten „IG Spiele“ macht er das klassische Brettspiel - vor allem aber die moderneren Formen davon, wie sogenannte Autorenspiele – auch für ein breiteres Publikum populär.  100 bis 200 Spiele, erinnerte er sich im Gespräch mit der „Presse“ im Jahr 2015, konnten die Besucher beim ersten Spielefest 1984  ausprobieren. „Damals hat auch niemand bei sich zu Hause einen Spieleabend organisiert. Heute ist das üblich.“

Hatte man als Journalist eine Frage zur Geschichte der Brettspiele, zu Spieletrends oder auch zu einem konkreten Spiel, war de Cassan der beste Ansprechpartner, der gern sehr ausführlich über wegweisende Spiele wie „Trivial Pursuit“ oder „Der Siedler von Catan“ sprach.

70.000 Besucher an drei Tagen

Das Spielefest, stets an einem Wochenende im November ausgetragen, wuchs im Laufe der Jahre zu Österreichs größter Spielemesse, die bis zu 70.000 Besucher anzog: Tausende Spiele konnten dort ausprobiert werden, zudem waren die wichtigsten Spieleverlage mit Ständen präsent. Auch in anderen Bundesländern gibt es kleinere Spielefeste, die de Cassan mit einem Team aus ehrenamtlichen Helfern – darunter seiner Frau Dagmar - organisierte.

2016 musste das Spielefest im Austria Center wegen fehlender Finanzierung pausieren (in den Bundesländern fand es aber statt). Die Reed Messe veranstaltete daraufhin ein neues Spielefestival namens „spielespass“ in der Messe Wien, das de Cassan durchaus kritisch sah: „Ja, es hat nun stattgefunden und das Ergebnis war ernüchternd: nur zwei Tage, nur wenige Spieleverlage, noch weniger Spiele und magere 15.000 Besucher. Das war kein Neustart, keine Version 2.0 und kein Jungbrunnen für das Spielefest!“ schrieb er auf der Website des Spielefests, spielfest.at. Für 2017 wünsche er sich, so schrieb er weiter, wieder ein richtiges Spielefest in Wien.

(red.)

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