SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas hat den in manchen muslimischen Familien bestehenden Kopftuchzwang kritisiert - ein Verbot kann sie sich aber nicht vorstellen. Gegenüber der Gratis-Zeitung "Heute" betonte sie, dass dies rechtlich gar nicht möglich sei. Allerdings will Rudas über Bildungsangebote mehr Aufklärung erreichen: "Ziel muss sein, die Kopftücher abzuwerfen."
Eine Diskussion über ein Kopftuchverbot sei trotz aller Kritik "völlig unnötig", betonte Rudas gegenüber der APA, "das geht auch gar nicht". Trotzdem will sie als "emanzipierte Frau" junge Mädchen dazu bringen, dieses "Symbol der Ungleichbehandlung" abzunehmen. Funktionieren solle das über Bildungsangebote wie das Kindergartenjahr, sowie die ganztägige Schule. Dort müssten junge Muslimas "zur Selbstbestimmung erzogen werden. "
"Auch die Aufklärung in Europa hat nicht von einem Tag auf den anderen funktioniert", so die SP-Bundesgeschäftsführerin, die auch anmerkt, dass das Kopftuch in Istanbul bei weitem nicht so präsent sei, wie in Österreich. Beim von der SPÖ gestarteten Projekt "Österreich 2020" soll das Thema Kopftuchzwang "definitiv" behandelt werden. Laut Rudas muss man dabei auch gar nicht erst um Positionen ringen, die Kritik sei keine neue Position.
Populistisches Fahrwasser
"Mit ihren Äußerungen zum muslimischen Kopftuch begibt sich Laura Rudas ins populistische Fahrwasser, das bei schwindendem Wertebewusstsein und sozialer Unsicherheit auf ein Wir-Gefühl durch Abgrenzung setzt", hieß es in der Reaktion der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ). Die SPÖ-Politikerin müsse sich auch die Frage gefallen lassen, wie sie es denn mit der Trennung von Staat und Religion halte, wenn sie sich einfach anmaße, ein Urteil über das Kopftuch zu fällen. "Die Interpretation von Religion ist Sache der anerkannten Religionsgemeinschaften und nicht von Politikern. Und in der Glaubenspraxis von Musliminnen ist das Kopftuch nicht wegzudiskutieren", so die Glaubensgemeinschaft.
FPÖ: Durchsichtiges Manöver
Die FPÖ sieht in den Aussagen von Rudas ein "substanzloses und sehr durchsichtiges Manöver" vor der heranrückenden Wien-Wahl. Laut BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner werde der SPÖ der "Mut wieder einmal fehlen", ein Kopftuchverbot umzusetzen. Sirvan Ekici, Integrationssprecherin der Wiener ÖVP, interpretierte Rudas' Kritik am Kopftuchzwang dahingehend, dass sich die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin ein Verbot vorstellen kann und meinte: "Wieder einmal spricht man aufseiten der SPÖ mit gespaltener Zunge." Ekici begrüßte allerdings die "Einsicht", dass vor allem in Wien in Sachen Integration Aufholbedarf gegeben sei.
(APA/Red.)

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