Antike Vergnügungsmeile in Carnuntum entdeckt

Ohne eine einzige Grabung kamen ein Amphitheater sowie eine von Tavernen, SchnellImbiss-Stuben und Souvenirgeschäften gesäumte Straße zum Vorschein.

Im Bild: Ein Rendering des neu entdeckten Amphitheaters aus Holz.
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Im Bild: Ein Rendering des neu entdeckten Amphitheaters aus Holz.
Im – Ein Rendering des neu entdeckten Amphitheaters aus Holz. / Bild: APA/LBI ARCHPRO, 7 REASONS

Im Zuge der Untersuchung des antiken römischen Militärlagers Carnuntum im heutigen Niederösterreich haben Forscher mit modernen archäologischen Prospektionsmethoden einen kompletten neuen Stadtteil entdeckt. Bei dem aufsehenerregenden Fund handelt es sich um eine Vergnügungsmeile aus der frühen Zeit der einstigen Donaumetropole, erklärte der Archäologe Wolfgang Neubauer.

Bei den Erkundungen mit Magnetometern und Bodenradarsystemen stießen die Wissenschafter des Ludwig Boltzmann Instituts in Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf die überraschenden Strukturen. Solche Methoden ermöglichen es, Mauern bis in eine Tiefe von drei Metern sichtbar zu machen. Ohne eine einzige Grabung kam so unter anderem ein großteils aus Holz erbautes Amphitheater für ungefähr 13.000 Zuschauer sowie eine von Tavernen, SchnellImbiss-Stuben und Souvenirgeschäften gesäumte Straße, die zur Arena führte, zum Vorschein.

Ähnlichkeit mit römischer Siedlungen wie Pompeji

"Diese Entdeckungen sind absolut überraschend", sagte Neubauer, der die Ergebnisse am Donnerstag zusammen mit der niederösterreichischen Landesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) und dem wissenschaftlichen Leiter der Römerstadt Carnuntum, Franz Humer, vor Ort präsentierte. Ähnliche Bauwerke kenne man zwar schon von Überbleibseln anderer römischer Siedlungen, wie etwa in Pompeji. Eine solche Infrastruktur jetzt aber in Carnuntum so geballt zu finden, sei erstaunlich.

Die Geschäfte befanden sich alle auf nur einer Seite der Straße und waren alle darauf ausgerichtet. "Vorne waren überall Verkaufslokale", sagte Neubauer. Das konnten die Wissenschafter aus den hochauflösenden Radardaten rekonstruieren. Der gesamte antike Freizeitbetrieb lag außerhalb der damaligen Siedlung, was verdeutlicht, dass diese Geschäfte in Verbindung mit dem vermutlich ersten Amphitheater in Carnuntum genutzt wurden.

Brot für die Spiele

"Besonders wichtig war dort auch ein großer Getreidespeicher. Daneben lag ein Gebäude mit sehr komischen Strukturen", so der Archäologe. Dort fanden die Forscher starke magnetische Anomalien. Neubauer: "Das heißt, da ist massiv mit Feuer gearbeitet worden. Es befand sich dort also ein großer Backofen." Offenbar schätzten die zahlreichen Besucher der beliebten Gladiatorenspiele frisch gebackenes Brot.

 

 Im Bild: Ein Rendering des Speichergebäudes und des Ofens im Tavernenbereich
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 Im Bild: Ein Rendering des Speichergebäudes und des Ofens im Tavernenbereich
Im Bild: Ein Rendering des Speichergebäudes und des Ofens im Tavernenbereich – APA/LBI ARCHPRO, 7 REASONS

"Das zeigt, dass wir hier ein eigenes Stadtviertel haben, dessen wirtschaftliche Grundlage die Spektakel im Amphitheater waren", sagte der LBI ArchPro-Leiter, der mit seinem Team die Entwicklung der modernen archäologischen Methoden federführend vorangetrieben hat. Die neu entdeckte Infrastruktur, die auch einen frei stehenden Tempel neben der Arena umfasste, wurde vermutlich um das 2. und 3. Jahrhundert genutzt.

Amphitheater musste der Stadtmauer weichen

Sicher ist, dass dieses Amphitheater der später errichteten Stadtmauer weichen musste, die dann direkt durch die Überreste der Arena führte. Wann die Mauer erbaut wurde, wisse man noch nicht genau. "Auf jeden Fall hat man dafür bestehende Strukturen entfernt", so Neubauer. Die bis dahin vermutlich eher gewachsene Stadt wurde also nach einem wahrscheinlich in Rom erarbeiteten Plan ausgebaut. Neubauer: "So etwas war nur auf kaiserlichen Befehl möglich."

Die Ausmaße des ersten Amphitheaters belegen aber auch die große Bedeutung Carnuntums davor. Angesichts der neuen Entdeckungen war der Ort vermutlich schon damals deutlich größer als angenommen. Der Stellenwert der Arena zeige sich wiederum darin, dass das neue, hauptsächlich aus Stein erbaute Amphitheater, dessen Mauerreste heute noch zu sehen sind, rasch wieder neu erbaut wurde und der Freizeitbetrieb quasi nahtlos weiterging. "Das dürfte damit zusammenhängen, dass immer wieder große Truppenkontingente in Carnuntum für die Feldzüge gegen die Barbaren im Norden zusammengezogen wurden", sagte Neubauer.

All das ist ein erneuter Beleg dafür, wie wichtig "Brot und Spiele" auch an der Außengrenze des Reichs waren. Ausgerichtet und bezahlt wurden die Spektakel von einflussreichen Leuten, die politische Ämter angestrebt haben. "Das war damals 'Part of the game'", sagte Neubauer.

Archäologisch abgegrast sei die einstige Metropole aber auch nach dem groß angelegten, im Auftrag des Landes Niederösterreich durchgeführten Forschungsprojekts "ArchPro Carnuntum" keineswegs. In den zahlreichen Daten verstecken sich laut Neubauer voraussichtlich noch weitere Überraschungen.

 

(APA)

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