22.11.2009 04:19 | Meine Presse Merkliste0

Kaprun: Verfahren gegen vier Gutachter eingestellt

04.11.2009 | 20:19 |   (DiePresse.com)

Vier Gutachter der Brandkatastrophe wurden beschuldigt, wichtige Tatsachen falsch dargestellt haben. Die Justiz sieht dafür keine Beweise, steht aber selbst in der Kritik.

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Die Staatsanwaltschaft Linz hat nun das Verfahren gegen die vier Hauptgutachter im Kaprun-Strafprozess eingestellt. Die beiden deutschen Sachverständigen Hans-Joachim Keim und Bernhard Schrettenbrunner hatten am 16. April 2008 die vier Gutachter des Kaprun-Prozesses angezeigt und ihnen vorgeworfen, wichtige Tatsachen nicht berücksichtigt oder falsch dargestellt zu haben.

"Es konnte kein Nachweis erbracht werden, dass die Gutachten vorsätzlich falsch erstellt wurden", sagte der Pressesprecher der Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Linz, Friedrich Hintersteininger. Auch die Frage nach einer Wiederaufnahme des Strafverfahrens stellt sich derzeit nicht", sagte Hintersteininger.

Streit um Brandverursacher

Ausführlich hatten sich Keim und Schrettenbrunner in ihrer Anzeige an die Staatsanwaltschaft Salzburg mit dem Heizstrahler auseinandergesetzt, der als Verursacher der Brandkatastrophe vom 11. November 2000 gilt. Bei dem Feuer im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn bei Kaprun kamen 155 Menschen ums Leben. Der Heizlüfter habe laut Gebrauchsanweisung überhaupt nicht in Fahrzeuge eingebaut werden dürfen. Andere Beweismittel und Ölspuren seien während des Ermittlungsverfahrens verschwunden; auch hätten die Sachverständigen den Gerichten in zwei Instanzen "aus technischer Sicht vollkommen falsche Darstellungen über Konstruktion, Produktion und Material der Heizlüftergehäuse vorgelegt".

Bei den Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft gegen den Heizungs-Hersteller "Fakir", für die Keim als Gutachter tätig war, ist die Bewertung der Beweisergebnisse etwas anders gewesen als die der österreichischen Kollegen. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hatte dann auch das Ermittlungsverfahren gegen den Heizlüfterhersteller im September 2007 mangels Tatverdachts eingestellt.

Deutsche Gutachter nicht erstaunt

Ohne Erstaunen haben die beiden deutschen Gutachter Hans-Joachim Keim und Bernhard Schrettenbrunner die Nachricht zur Kenntnis genommen. "Bei Betrachten vom Vor-Ermittlungsverfahren habe man auch nichts anderes erwarten können", so die beiden Sachverständigen, die die vier Gutachter angezeigt hatten. Sie kündigten am Abend an, sämtliche Rechtsmittel gegen diese Entscheidung einbringen.

Sie hätten stets bemängelt, dass die Staatsanwaltschaft die Gutachter nicht vernommen hätte, sondern dass diese "Selbstauskunft gemacht haben. Es wurden überhaupt keine strafrechtlich relevanten Fragen gestellt", bekrittelten die beiden Deutschen. Bei dieser Befragung der Gutachter wurden keine Fragen gestellt, sondern jeder Gutachter hat aus seiner Sicht mögliche Vorhaltungen lediglich erläutert.

"Es war vorauszusehen, dass die Ermittlungsergebnisse der deutschen Behörden und unsere aus dem Gerichtsakt nachgewiesenen Fakten großzügig übergangen wurden." Daraus folge, dass unter keinen Umständen ein Gerichtsverfahren gegen die Gutachter eröffnet werden dürfe, "denn es könnte ja die Wahrheit und die gewissenlosen Hintermänner ans Tageslicht kommen, die die vorhersehbare, vermeidbare Katastrophe billigend in Kauf genommen haben, und (dass) bei einer Verurteilung die Wiederaufnahme der Causa Kaprun unweigerlich erfolgen muss", so Keim und Schrettenbrunner.

(APA)

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14 Kommentare
Gast: Hanken
11.11.2009 00:59
0 0

Ergenekon?

Worst Case beiseite, das Menschen Fehler machen (vorschriftswidriges Einbauen des Lüfters...usw.; äußerst detailreich Im Spiegel vom 09.11, Nr. 42/09, beschrieben) ist zu einem gewissen Teil nicht vermeidbar, "normal" wenn man so will.

Aber die Schikanen gegen den alten Gutachter Muhr, die drei Gutachter und der Richter - dieses Verhalten darf es doch nicht geben.

Abgesehen davon ist die österreichische Justiz nachhaltig geschädigt. Zwei der drei Gutachter, Prader und Geishofer, schlechtachten derweil weiter.

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Gast: asbachuralt
10.11.2009 13:02
0 0

WER, BITTE SAGT, DASS.....

....das, was Keim und Schrettenbrunner behaupten, richtig ist? Haben die beiden die Wahrheit für sich gepachtet oder sind sie Hellseher?

Allein schon die Behauptung, dass die 4 Gutachter nicht einvernommen worden seien, ist ebenso eine glatte Lüge wie die Behauptung, dass keine strafrechtlich relevanten Fragen gestellt worden sein sollen - waren Keim und Schrettenbrunner bei den Befragungen anwesend? Oder woher wollen sie das wissen?

Tatsache ist, dass 2 der SV im Juni und 2 im Juli von der Staatsanwaltschaft Linz eingehendst einvernommen wurden - allein an dieser Falschbehauptung sieht man, wie hier seitens mancher Profilierungsneurotiker manipuliert wird, nur um mit allen Mitteln eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen zu können.

Das Unglück von Kaprun war, genauso wie die Zugskatastrophe von Eschede (ist übrigens NICHT in Österreich!) im Jahre 1998 mit 101 Toten, nach der niemand verurteilt worden war, eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände, die in diesem Ausmaß kein Mensch vorhersehen hatte können!

Antworten Gast: Logik?
10.11.2009 23:56
0 0

Re: WER, BITTE SAGT, DASS.....

Wenn der Artikel des Spiegel Nr. 46 vom 09.11.2009 im Kern stimmt, dann gute Nacht. Das ist kein Fehler ein System, das ist ein System gegen das System.

Gast: Peter Jelinek
09.11.2009 22:06
0 0

Kaprun 2000

Nach der Lektüre des SPIEGEL vom 09. 11. 09
bin ich gespannt auf die Resonanz in der
österreichischen Öffentlichkeit. Weiter möchte
ich mich hierzu nicht äußern, da ich Ihrer Justiz
zutraue, eine vollinhaltliche Meinungsäußerung
als Justizbeleidigung zu verfolgen.

Antworten Gast: asbachuralt
10.11.2009 16:12
0 0

Re: Kaprun 2000

"Ihrer Justitz"?

Das klingt, als wären Sie Deutscher?!

Ach ja - wie war das mit dem Zugsunglück von Eschede - schon vergessen?

romolaner
05.11.2009 09:07
2 0

Überall wo unsere letztklassigen Beamten

mit im Boot sind ,GIBT ES NUR FREISPRÜCHE-oder EINSTELLUNGEN ....

DA HAT NIEMAND SCHULD..................(na ja -die Fahrgäste vielleicht).

Aber wehe den,der einen Strafzettel nicht gleich bezahlt-DEN PFÄNDEN WIR-ODER SPERREN IHN GLEICH EIN-den wo sama den.....

Antworten Gast: ASVG-Sklave
05.11.2009 09:29
0 0

Re: Überall wo unsere letztklassigen Beamten

genau so ist es: Bei Strafzetteln überschlägt sich der Justizapparat vor Eifer und kommt voll in Fahrt: Bis zum Häfen. Dafür unterbrechen die Bullen sogar ihr Frühstück vor dem Fernseher im Wachzimmer, um diese wichtige Amtshandlung zu vollstrecken. Andererseits 155 Tote in Kaprun. Was kümmert das die Justiz? Pech gehabt.

Gast: Dr. med. Jus
05.11.2009 07:54
1 0

Verkalktes Rechtssystem

Na dann bin ich ja beruhigt. Es wurde die Vorsätzlichkeit nicht nachgewiesen. Man hat also als Gutachter kein Problem, wenn man schon ein wenig verkalkt ist, - oder so tut, nicht auf dem Stand des aktuellen Technikwissen ist, oder sich einfach irrte, oder so tut, denn wer soll das Gegenteil beweisen? Unser Rechtssystem braucht eine Generalüberholung an Haupt und Gliedern.

OGHaHa
04.11.2009 23:00
0 0

Endloses Herumprozessieren bringt nichts.

Wurde auch in Dtschld. so gehandhabt. Wie ist die rechtliche Abwicklung des ICE Unglücks von Eschede ausgegangen?
--- Nachlesen in Wikipedia!
Genauso, die die angeklagt wurden, gelten als Unschuldig. Die Hinterbliebenen wurden einvernehmlich abgefunden. Das Unglück kann auch mit noch so langer Suche, aufgrund der Schwierigkeit der Sachlage, nach menschlichem Versagen ( wäre das Maximum als Ergebnis) nicht ungeschehen gemacht werden.
Konsequenzen werden im Hinblick auf dem enormen Schaden solcher Ereignisse sowieso nach dem Stand der Technik und gesellschaftlicher Handhabung gezogen.

parapente
05.11.2009 09:20
0 0

Re: Endloses Herumprozessieren bringt nichts.

Wenn ein Auto so einen Unfall verursacht, ist der Halter schuldig.
Warum soll es beim ICE ander sein?

Antworten Gast: mkj
05.11.2009 08:35
0 0

Re: Endloses Herumprozessieren bringt nichts.

Der typische Österreicher lenkt von einer Sache, die unangenehm zu werden droht, am besten mit irgendeinem Vergleich ab.
Das erstickt alles und jeden gleich im Keim, läßt keinen Raum mehr zum diskutieren, ist hochgradig unsachlich, aber eben typisch.

Re: Re: Endloses Herumprozessieren bringt nichts.

treffende Feststellung.

Gast: Gast Jurisdr.
04.11.2009 22:25
0 0

Interessante Fallstudie

Man beachte bei der Aussage der StA den Begründungssatz: "Es konnte kein Nachweis erbracht werden, dass die Gutachten vorsätzlich falsch erstellt wurden", sagte .....
Wenn man nun das Wort "vorsätzlich" streicht, könnte durchaus "Nichtwissen" oder "keine Kenntnis vom Stand der Technik" usw. eine Wiederaufnahme zwingend erforderlich machen. Unter Umständen könnte dies auch durch eine Privatklage gegen einen oder mehrere Gutachter dies auslösen, und die österreichische Rechtssprechung würde dann sehr dumm in der Öffentlichkeit dastehen. Die StA wäre besser beraten gewesen, sich unabhängige Techniker(Gutachter) aus anderen euorp. Staaten hierzu mit einer Stellungnahme einzuladen. Es könnte durchaus ein europ. Rechtsfall daraus werden.........
Eine Blockade ist nicht sinnvoll, die österr. Justiz sollte ihr Gesicht wahren.

Antworten Gast: asbachuralt
10.11.2009 13:44
0 0

Re: Interessante Fallstudie

wenn man das Wort "vorsätzlich" streicht, heißt das noch lange nicht, das deswegen die Gutachten falsch sein sollen.

Wer, bitte, sagt, dass das, was Keim und Schrettenbrunner behaupten, richtig ist? Nach dem Motto, "weil¿s in den Medien steht, wird¿s schon stimmen"?

Ganz abgesehen davon ist der Vorwurf eines VORSÄTZLICH falschen Gutachtens nichts anderes als eine durch nichts belegte bzw. nachgewiesene, lächerliche Behauptung und de facto nichts anderes als Verleumdung, üble Nachrede und Rufschädigung!

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