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Fahrverbote ohne Schilder? ÖAMTC ortet "Wildwuchs"

06.11.2009 | 08:22 |   (DiePresse.com)

Das neue Immissionsschutzgesetz soll Landeshauptleute bemächtigen, Fahrverbote in Städten einzuführen. Vor allem, dass diese laut Entwurf nicht beschildert werden sollen, sorgt für Unruhe.

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Die Novelle des Immissionsschutzgesetzes-Luft (IG-L) soll künftig Landeshauptleute bemächtigen, in den Bundesländern Umweltzonen - also Fahrverbote - in Städten mit hohen Schadstoffbelastungen einzuführen.

Die Novelle, die vor wenigen Tagen in Begutachtung gegangen ist, sorgt erwartungsgemäß für Aufregung bei den Interessenvertretern der Autofahrer. Der ÖAMTC schlägt in seiner Stellungnahme zum Entwurf Alarm: Ein völliges Durcheinander und "Wildwuchs verschiedenster Regelungen" in den Ländern wird befürchtet. Aber auch die zuständigen Ministerien (Umwelt und Verkehr) untereinander dürften bei den neuen Bestimmungen nicht einer Meinung sein.

Ankündigung in Landesgesetztblatt und Internet

Hintergrund der Aufregung: Von einer Beschilderung mit Verkehrszeichen soll - laut dem Entwurf des Umweltministeriums - Abstand genommen werden. Lediglich eine Ankündigung im Landesgesetzblatt oder im Internet sei vorgesehen.

"Viele Autofahrer könnten damit in eine Falle tappen", kritisierte ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Im Ernstfall könnte jede Fahrt eine vorherige Internetrecherche nötig machen.


Verkehrsressort verwundert

Im Umweltministerium hieß es dazu, die Kennzeichnung von Fahrverboten falle in die Zuständigkeit des Verkehrsressorts. Dort zeigte man sich im Büro von Ministerin Doris Bures (SPÖ) sehr verwundert. "Dieser Vorschlag kommt nicht von uns und gehört auch zu unseren Kritikpunkten am Entwurf", sagt Sprecherin Susanna Enk.

Mit der Novelle sei auch eine Anhebung der Organmandat-Strafen nach Verkehrsübertretungen aufgrund des IG-L - von 36 Euro auf 108 Euro - vorgesehen. Auch daran gab es Kritik sowohl vom ÖAMTC als auch vom Verkehrsministerium. Dem werde man nicht zustimmen, sagte Enk.


Vorbild Deutschland

Der Diskussion in Österreich geht die Einführung von Umweltzonen in mittlerweile 40 deutschen Städten seit dem Jahr 2008 voraus. In der deutschen Bundeshauptstadt Berlin etwa müssen alle Dieselfahrzeuge mit einer Plakette gekennzeichnet sein, die die Umweltschädlichkeit des Fahrzeuges ausweist. Besonders abgasarme und neue Fahrzeuge sind mit grün gekennzeichnet, schlechtere mit gelb oder rot, Autos mit besonders viel Emissionen erhalten gar keine. Je nach Plakette dürfen die Autos in die Umweltzonen einfahren oder eben nicht.

Der heimische Entwurf sieht vor, auch in Österreich rote, gelbe und grüne Plaketten einzuführen. "Allerdings werden sie eine andere Klassifizierung haben als die deutschen. Sie werden überdies nicht wechselseitig gültig sein", kritisiert Hoffer. Und auch innerhalb Österreichs drohe das Chaos.


ÖAMTC: 48 Prozent des Autobestandes betroffen

Umweltzonen werden eigentlich zur Bekämpfung von Feinstaub eingeführt und betreffen daher nur Dieselfahrzeuge einer bestimmten Schadstoffklasse. Die neue Gesetzesnovelle sehe aber auch Fahrverbote für Benziner ab der Abgasklasse Euro 2 (z. B. Mercedes C-Klasse, Baujahr 1993 bis 2001 und Audi A4, Baujahr 1994 bis 2001) vor. In Österreich sei geplant, alle Fahrzeuge, die Euro 2 und älter sind, sofort mit Fahrverboten zu belegen. "Das trifft auf einen Schlag 48 Prozent des Autobestandes in Österreich", rechnete Hoffer vor.

Die unterschiedlichen Regelungen rechtfertigt man im Umweltministerium damit, dass die Schadstoffprobleme regional sehr unterschiedlich seien. Mit der IG-Luft Novelle werde der Landeshauptmann ermächtigt, Umweltzonen einzuführen. Die Vorgaben vom Bund legen den Rahmen fest, innerhalb dessen sich die Länder bewegen können.

(APA)

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10 Kommentare
Gast: dewe
09.11.2009 15:36
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Schildbürgerstreich

Widerspricht sich das nicht mit der Verordnung, dass durch Schneefall bedeckte Bodenmarkierungen nicht gültig sind, die entsprechende Verkehrsordnung nicht zutrifft, zb. Richtungspfeile?
Wenn die Zeichen nicht vorhanden sind, müssen diese auch nicht eingehalten werden, oder?
In Deutschland gibt es ja immerhin Schilder.
Bei uns wird das höchstens ein Schildbürgerstreich...

Gast: I-pack's-net
06.11.2009 12:31
0 0

Schildbürgerstreich

"...rote, gelbe und grüne Plaketten...werden überdies nicht wechselseitig gültig sein".

sprich: wenn Dorf1 (z.B. Graz) eine Umweltzone einführt kann man damit nicht in die Umweltzone von Dorf2 (z.B. St. Pölten) einfahren.
Na, da wird es wohl ein bisserl eng werden auf unseren Scheiben...

:-)))))

Gast: ET
06.11.2009 11:47
0 0

Ein Beweis für eine kollektive Unfähigkeit!

Diese Gesetzesvorlage beweist einmal mehr, dass die Verantwortlichen für Österreich und die Österreicher jede vernünftige Basis verloren haben.

Diese Gesetzesvorlage ist aber typisch. Immerhin ein voller Schutz für den geschützen Bereich, der Bürger hat keine wirkliche Chance. So gesehen eine Vorgansgweise wie schon immer.

Die sind nur noch voll durchgeknallt, aber bei vollen eigene Kassen.

Ich werde keinen Beamten oder öff. Bediensteten mehr ernst nehmen. Eventuelle Scherzbescheide werden ab sofort ignoriert. Mal schauen was passiert.

Gast: kti
06.11.2009 11:38
0 0

Und dafür bekommt man auch Gehalt?

Vielleicht sollte man zu den "alten" Holzvergasermotoren zurückkommen. Die sind ja bekanntlich CO2 neutral - wie bei der Hausheizung. Ist ja auch nicht besser. Wer denkt sich so etwas eigentlich aus und bekommt dafür noch Gehalt? Gibt es nícht viel dringendere Probleme? Hier werden die Menschen wieder mal von den echten Problemen abgelenkt, das arbeitende Volk hinters Licht geführt.

Wirklich bringen würde eine neue Technologie für (Kraft)Fahrzeuge, die nicht mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren arbeitet.
Aber das unterstützt der Staat nicht, da viele Steuern wegfallen würden. In den Schubladen gäbe es ja genug...

.. und angenommen die oben angeführten 48% kaufen sich ein neues Auto, dann sind es nicht 48% weniger Emissionen, da die Kraftfahrzeuge wiederum Verbrennungsmotoren eingebaut haben...vielleicht 10-15% dessen, was wiederum 9,6% der Gesamtbelastung ausmacht
und trifft sowieso wieder die ärmere Bevölkerungsschicht.

Und warum werden riesige Fahrzeuge gebaut, die wiederum vielmehr an Sprit verbrauchen, weil sie dann das fast doppelte an Eigengewicht haben?

Und zu guter letzt: Wer 60 Liter Treibstoff tankt, erzeugt bei einem Mischverhältnis von 1:13 ungefähr 560kg Abgas, unabhängig der Kilometerleistung! Irgendwohin muss ja der Treibstoff hin, oder?


demedici
06.11.2009 10:09
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Fahrverbot für alle Euro 2 Fahrzeuge, wegen der Umwelt...

.... und die Autoindustrie jubelt. Da wäre ja selbst Opel nicht mehr pleite...., und die Steuereinnahmen aus MWSt. und NOVA, der Haushalt ist gerettet und man kann weiter Milliarden beim Fenster rauswerfen, eine geile Lösung.

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Noch nie war die Natur in so gutem Zustand

Seit den 70er jahren gibt es enorme Verbesserungen, die Flüsse und Seen sind sauber, es gibts keinen Smog mehr, sogar in Linz kann man die Luft wieder atmen. Der saure Regen ist süß geworden.

Es reicht jetzt mal!
Die wahren Umweltprobleme sind in den Schwellenländern USA, Indien und China - dort gehört JETZT angesetzt.

In den Industrienationen können minimale Verbesserungen nur mehr überproportionalen Belastungen und Schikanen erzielt werden.

Darum NEIN zu solchen Unfug, keine Parteien wählen die die Klimaschmuß-Welle reiten. Oder wie hier den Feinstaubschmäh.

Gast: rwmeilen
06.11.2009 09:53
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Das ist derselbe Unsinn wie die Umweltzone selbst

Gegen Ende 2001 war der Gotthardtunnel für zwei Monate gesperrt. Der sonst lebhafte Nord/Süd-Transitverkehr durch die Schweiz mit allein schon mehr als 4000 LKW pro Tag brach überregional völlig zusammen. Die mittlere Belastung mit Stickstoffmonoxid (NO) sank dadurch um deutlich mehr als die Hälfte(!), die von Stickstoffdioxid (NO2) noch um fast einen Drittel(!).

Doch selbst in diesem Extremfall waren bei korrekter und nachprüfbarer Auswertung keine tieferen Feinstaubwerte an der Autobahn nachweisbar. Was ist also von dem gegenüber ideologischem Kleinkram wie Umweltzonen und Tempobeschränkungen zu erwarten?

carullus
06.11.2009 09:24
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Eine orderntliche Kennzeichnung vor Ort ...

... ist unabdingbar. Zwar fingiert der Gesetzgeber gerne, dass das BGBl. von allen gelesen & gekannt wird, aber es ist absolut unzumutbar das zB auf straßenpolizeiliche Verordnungen des Landesgesetzgebers anzuwenden.

carullus
06.11.2009 09:28
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Re: Eine orderntliche Kennzeichnung vor Ort ...

Zu schnell geklickt...

Bei Geschwindigkeitsbeschränkungen ist die allgemein anerkannte und in der StVO vorgesehene Kundmachung nun einmal das Verkehrszeichen. Schon die Kurzparkzonenregelung in Wien ist unter dem Kundmachungsaspekt bedenklich; für Ortsfremde ist häufig nicht erkennbar ob hier gepakrt werden darf, bzw wie lange, und ob kostenpflichtig oder nicht. Das ist ein Rechtsschutzdefizit. Böse Zungen könnten behaupten es diene der Erhöhung der Einnahmen des Stadtsäckels.

Vielleicht hat die IG-L Novelle ja ähnliche Intentionen.

Entropix
06.11.2009 09:06
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da nachweisbar

die Raumheizung der Hauptverursacher ist, gehe ich davon aus, dass der Landeshauptmann dann auch ein Heizverbot unter dem Titel "Frieren für die Umwelt" ausspricht!

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