Herbert Anderl, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, ist seit seiner Bestellung im Dezember 2008 nur selten in der Öffentlichkeit aufgetreten. Vor Kurzem aber – im Rahmen der Österreichischen Sicherheitstage – stellte er sich einer internen Diskussion mit seinem Vorvorgänger Michael Sika. Dabei ging es auch um die Frage, welche polizeilichen Großprojekte der vergangenen Jahre im Sand stecken geblieben sind. Sowohl Sika als auch Anderl waren sich einig, dass das Violent Crime Linkage Analysis System (Viclas) bisher nicht den erwünschten Erfolg gebracht habe.
Tatsächlich ist es um die in Teilbereichen 1997 und schließlich im Jahr 2000 in Österreich eingeführte internationale Datenbank gegen Serientäter in den vergangenen Jahren ruhig geworden. Vor zehn Jahre hoffte man noch, vor allem Sexualstraftätern damit leichter auf die Spur zu kommen. „Die Viclas-Datenbank ist leider zurückgeblieben“, gestand Sika. Anderl bestätigte, dass Viclas „aufgrund der Komplexität der Eingabe nie so richtig angelaufen ist“.
Neuer Anlauf für Viclas
In den ersten Jahren mussten nicht weniger als 268 spezielle Fragen zu einer Tat erfasst werden. Das wurde später auf 168 Fragen heruntergeschraubt. Dennoch bedeutet die Eingabe der Daten einen enormen Zeitaufwand für die Kriminalbeamten. Die Datenbank soll einzelne Fälle vergleichen und Parallelen zu anderen Straftaten feststellen.
Nun ist aber aus dem Bundeskriminalamt (BK) zu erfahren, dass ein neuer Anlauf genommen wird, um Viclas Leben einzuhauchen. Die Eingabekriterien wurden neuerlich reformiert, erklärte am Freitag ein Sprecher der „Presse“. Für jene Akten, die in die Datenbank eingespeichert werden, sind speziell geschulte BK-Mitarbeiter aus dem kriminalpsychologischen Dienst zuständig. Laut BK wurden in den vergangenen drei Monaten bisher 1200 Sachverhalte in die Datenbank eingegeben.
Ein weiterer Punkt, mit dem sich Anderl unzufrieden zeigt, ist das digitale Funknetz. Die Möglichkeit eines bundesländerübergreifenden und abhörsicheren einheitlichen Funksystems für alle Blaulichtorganisationen (Rettung, Feuerwehr, Polizei) war ein großes Projekt von Ex-Innenminister Ernst Strasser (VP). Einst unter dem Namen „Adonis“ gestartet, sollte der Vollausbau 2005 beendet sein. Doch die Vision überlebte zahlreiche Kabinettsmitarbeiter, drei Innenminister und ist nach wie vor Thema von Rechnungshofberichten und Untersuchungsausschüssen. Die Kosten für den Digitalfunk schnellten von Jahr zu Jahr exorbitant in die Höhe. Bis dato ist das System laut Anderl lediglich in Wien, Tirol, Teilen Niederösterreichs und in den Städten Salzburg und Klagenfurt umgesetzt. Der Vollausbau soll Ende 2010 oder 2011 beendet sein – freilich nach derzeitigem Stand.
„Alles ein bisserl langsam“
„Das geht alles ein bisserl langsam“, musste Anderl eingestehen. Und: „Das Projekt macht zwar Fortschritte, mir als Verantwortlichem für die Sicherheit in Österreich aber zu wenig.“
Zuletzt bemängelte Sika noch die lange Dauer bei der Schaffung einer Ausbildungsakademie für Exekutivbeamte. Der Grundstein für die Sicherheitsakademie in Traiskirchen (NÖ) wurde 1999 vom damaligen Innenminister Karl Schlögl (SP) gelegt. „Durch die Semperit-Pleite konnte dort das Gesamtvorhaben nicht mehr finanziert und umgesetzt werden“, erklärte Sika. Jetzt erst sei in Wiener Neustadt jenes Projekt realisiert worden, das eigentlich für Traiskirchen angedacht war.
An der dortigen FH wird neben einem Bakkalaureat (Polizeiliche Führung) jetzt auch ein Masterlehrgang (Strategisches Sicherheitsmanagement) angeboten.
■Viclas. Die ursprünglich in Kanada entwickelte Datenbank soll Serienstraftäter entlarven. Die heimische Polizei war nie besonders glücklich damit, die Eingabekritierien sind kompliziert und zeitaufwendig. Jetzt wurde das Viclas-System stark vereinfacht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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