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Heer-Grenzeinsatz geht weiter und weiter und weiter

19.11.2009 | 18:32 |  MARTIN FRITZL UND GEORG RENNER (Die Presse)

Das positive Image der Soldaten in der Grenzregion in NÖ und im Burgenland war entscheidend für Verlängerung. Diese ist aber nicht unumstritten: Große Skepsis gibt es beispielsweise im Bundesheer.

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WieN.Auch 2010 werden Soldaten des Bundesheeres in der Grenzregion Niederösterreichs und des Burgenlandes patrouillieren. Wie die „Presse“ aus informierten Kreisen des Innenministeriums erfahren konnte, plant Ressortchefin Maria Fekter, eine Verlängerung des Assistenzeinsatzes zu beantragen. Ausschlaggebend dafür ist die große Zustimmung bei der Bevölkerung: Sowohl im Burgenland als auch in Niederösterreich hat sich laut Umfragen eine große Mehrheit für einen weiteren Einsatz der Soldaten ausgesprochen.

Die Verlängerung ist aber nicht unumstritten. Große Skepsis gibt es beispielsweise im Bundesheer: Zwar unterstützt Verteidigungsminister Norbert Darabos als Burgenländer und Bewohner der Grenzregion den Einsatz, in Offizierskreisen wird aber auf die hohen Kosten und den geringen Nutzen der Aktion verwiesen. Rund 22 Millionen Euro kostet der Einsatz jährlich – Geld, das das Bundesheer für andere Aufgaben besser nutzen könnte.

 

Rechtliche Bedenken

Es gibt aber auch rechtliche Bedenken: Für Verfassungsrechtler ist der gesamte Einsatz des Bundesheeres an der Grenze ein „Etikettenschwindel“: „Mit einem Assistenzeinsatz hat das Ganze schon seit Jahren nichts mehr zu tun“, sagt etwa der Wiener Rechtsprofessor Bernd-Christian Funk. Ein solcher sei nämlich nur eine bloß vorübergehende Hilfeleistung des Bundesheeres.

Davon kann inzwischen aber keine Rede mehr sein: Der Assistenzeinsatz läuft seit 1990. Insgesamt waren rund 335.000 Soldaten an der Grenze in Niederösterreich und dem Burgenland stationiert, bis 2007 wurden dabei 90.000 illegale Grenzgänger aufgegriffen.

Mit dem Wegfall der Schengen-Außengrenze und den damit verbundenen Kontrollen hat sich auch die Aufgabe des Heeres geändert: Seit zwei Jahren stehen bis zu 1500 scharf bewaffnete Soldaten im Hinterland diesseits der Grenze, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen – was diese sichtlich goutiert, wie die vom Ministerium in Auftrag gegebenen Umfragen zeigen. Doch während die Umfragen veröffentlicht wurden, bleibt ein Evaluierungsbericht geheim.

 

Bericht bleibt geheim

Ob dieser nachweist, dass der Einsatz in puncto Kriminalitätsbekämpfung nichts bringt? Besondere Befugnisse haben die Soldaten nämlich nicht – sie können Straftaten nur so wie jeder andere Staatsbürger melden. Was auch zur Folge hat, dass niemand gegen die Rechtswidrigkeit des Einsatzes auch rechtlich vorgehen könnte. Das könnte lediglich eine Mehrheit im Parlament per Ministeranklage – was angesichts der Unterstützung des Einsatzes seitens der Koalition aber unrealistisch ist.

Vielmehr denkt man dort noch über eine Ausweitung nach: In Eisenstadt hat die SPÖ verlangt, dass auch in der Landeshauptstadt Soldaten nach Einbrechern Ausschau halten sollen. Nach massiven Protesten aller anderen Parteien wurde dieser Plan vorläufig verworfen, das Innenministerium will eine solche Variante aber prüfen. Für Verfassungsrechtler Funk wäre ein Einsatz des Heeres in Eisenstadt verfassungswidrig – wie freilich der gesamte Assistenzeinsatz.
Meinung Seite 31

AUF EINEN BLICK

Seit 1990 leistet das Bundesheer an der Grenze zu Tschechien, der Slowakei und Ungarn einen Assistenzeinsatz. Dessen ursprünglicher Sinn war es, illegale Einwanderer und Flüchtlinge abzufangen. Rund 90.000 derartige Grenzgänger haben die – stets scharf bewaffneten – Soldaten bis Dezember 2007 angehalten und der Exekutive übergeben.

Seit 2007 die Schengen-Außengrenze weggefallen ist und Grenzkontrollen unmöglich wurden, patrouillieren die Soldaten nur noch im Hinterland, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken – was jährlich rund 22 Millionen Euro kostet. Besondere Befugnisse haben die Soldaten dabei nicht, sie können Kriminelle nur – wie jeder Bürger – der Polizei melden.

Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) den Einsatz wieder verlängern wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2009)

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12 Kommentare
Gast: rekrut7
22.11.2009 16:44
0 0

schande

untere Republik ist eine Schande, die Wehrdiener zu zwingen sich an der Grenze bei jedem Wetter umzubringen!!! Das ist keine Demokratie, kein Eureopa und schon gar kein nomales Land diese Scheiss 'Nazi-Republik-Austria'!!!

Gast: Staatsbürger
20.11.2009 13:02
1 1

immer noch gscheiter

als der Tschad-Einsatz.

Antworten carullus
23.11.2009 10:54
0 0

Dorthin...

... gehen aber nur (in der Regel entsprechend motivierte) Freiwillige. Im Burgenland werden GWDs für die Landespolitik instrumentalisiert.

1 0

"Das positive Image der Soldaten in der Grenzregion in NÖ und im Burgenland war entscheidend für Verlängerung."

Österreich ist eines der wenigen Länder weltweit in denen bewaffnete Soldaten mitten im Frieden Streife gehen müssen. Man kennt solche Bilder sonst nur aus diversen Bananrepubliken oder Staaten in denen Bürgerkrieg herrscht bzw. eine Minderheit die Mehrheit niederhalten muss...

Es stellt sich die Frage: Wie schaffen andere Länder es, dass die öffentliche Sicherheit und das Gesetzt gewährleistet ist ohne das Militär mit Sturmgewehren und Kriegsausrüstung patroilliert?i

parapente
20.11.2009 10:00
1 0

Typisch für österr. Gutmenschen:

Da stehen bewaffnete Soldaten in der Gegend - und haben keine Befugnisse!
Das dürfte einzigartig sein.

Antworten carullus
23.11.2009 10:55
0 0

Nein

Es ist einfach nicht vorgesehen, dass Soldaten in Uniform, bewaffnet, im Inland patrullieren. Man stelle sich vor, Bayern würde die Bundeswehr an die öst. Grenze schicken.

Erinnerung an das Duracell-Häschen: Hält entscheidend länger und länger und länger und länger...

Typisch Österreichisch: Kommt man bei Entscheidungen zu keiner Lösung - meist bedingt durch politischen Einfluss - so vereinbart man ein "vorübergehendes" - meist unnötig oder kontraproduktives - Provisorium.
Und dieses hält entscheidend länger und länger und länger...

2 0

das heer ist präsent

wenn ich ins burgenland fahre, sehe ich mindestens in einer ortschaft patrouillen.

das kann man von der polizei in meiner stadt nicht sagen. in ca 20 jahren habe ich zwei patrouillen gesehen.

mfg
mc

Gast: Neusiedl
20.11.2009 06:54
0 0

Ja, die Gasthäuser brauchen den Umsatz!

Dies und der lächerliche Versuch der Roten Wählerstimmen zu fangen sind die einzigen Gründe für diesen nutzlosen und dafür umso teureren Unsinn.

Antworten Gast: antiburgenlaender
22.11.2009 16:55
0 0

Re: Ja, die Gasthäuser brauchen den Umsatz!

Sie haben recht, dieser Einsatz bringt nur Geld in die einzige Gegned Oesterreichs die man nicht als zivilisiert bezeichenen kann!

Gast: abschaffer
20.11.2009 00:12
0 0

abschaffen

Als jemand der selbst gedient hat an der Grenze: Schafft den Grenzeinsatz endlich ab!

Antworten Gast: abschaffer2
22.11.2009 16:53
0 0

Re: abschaffen

ich auch Grenzschutzveteran,
fuer mich war das der 3 Weltkrieg!