Terrorprozess: 27-Jähriger weist Schuld von sich

In Salzburg stand ein Mann aus Marokko vor Gericht. Er soll zur Vorbereitung weiterer IS-Anschläg rekrutiert worden sein. Der Prozess wurde vertagt.

Salzburg. Am 20. November 2015 flog der Marokkaner Abid T. (27) von seinem Heimatland nach Istanbul (Türkei) um danach gemeinsam mit Syrien- und Afghanistan-Flüchtlingen vom türkischen Festland auf die griechische Insel Lesbos überzusetzen. Via Balkanroute landete T. in einem Salzburger Flüchtlingslager. Am Montag begann im streng gesicherten Landesgericht Salzburg ein Terrorprozess gegen T.

T. habe sich unter den Flüchtlingsstrom gemischt, um unerkannt in den Westen reisen zu können, so die Anklage. Der Beschuldigte sei von Hintermännern der Terrormiliz IS als Verstärkung für jene Terrorzelle rekrutiert worden, die bei der Anschlagsserie von Paris (13. November 2015, 130 Tote) versucht hatte, mit Sprengstoffwesten in das Stade de France vorzudringen. T. sei zur Vorbereitung weiterer Anschläge auserkoren gewesen. Zwei Männer dieser Zelle waren im Sommer 2016 von Salzburg nach Paris ausgeliefert worden. Diese beiden Männer waren ebenfalls als Flüchtlinge getarnt eingereist. Sie hatten wiederum Kontakt mit zwei eigentlichen Paris-Attentätern gehabt. Zwei weitere Männer ebendieser Zelle sitzen derzeit in Salzburg mehrjährige Haftstrafen ab.

„Alles nicht wahr“, sagte T. nun sinngemäß. Konnte aber nicht erklären, warum er sein Handy einem der beiden Ausgelieferten zwecks Datenabgleich überlassen hatte. Und warum etwa sein Handy-Password „Jihad“ gelautet hatte.

„Er wollte nur auswandern“

Verteidiger Wolfgang Blaschitz: „Er hat davon geträumt, aus Marokko auszuwandern. Er wollte nach Belgien. Dort hat er einen Bruder.“ Tatsächlich hatte es T. als Einziger der fünf Verdächtigen nach Belgien geschafft. Dort wurde er inhaftiert und nach Österreich ausgeliefert.

Die Verhandlung wurde am Montagnachmittag auf unbestimmte Zeit vertagt. Es sollen zwei weitere Zeugen einvernommen, wofür ein Rechtshilfeersuchen notwendig ist, teilte Gerichtssprecher Peter Egger mit. Die für Dienstag anberaumte Verhandlung findet daher nicht statt.

(m. s./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2017)

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