Logistik

Warum Brüssel jetzt die Post prüft

In Langenzersdorf soll eines der größten Postlogistikzentren Österreichs entstehen. Eine Bürgerinitiative hat ihm den Kampf angesagt: Nun prüfen die Volksanwaltschaft und die EU.

Bisambergs Bürgermeister, Günther Trettenhahn, wehrt sich dagegen, dass hier das neue Postverteilerzentrum Langenzersdorf gebaut werden soll.
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Bisambergs Bürgermeister, Günther Trettenhahn, wehrt sich dagegen, dass hier das neue Postverteilerzentrum Langenzersdorf gebaut werden soll.
Bisambergs Bürgermeister, Günther Trettenhahn, wehrt sich dagegen, dass hier das neue Postverteilerzentrum Langenzersdorf gebaut werden soll. – (c) Akos Burg

Langenzersdorf. Zuerst war es nur ein Streit zwischen zwei benachbarten niederösterreichischen ÖVP-Bürgermeistern. Mittlerweile sind die EU und die Volksanwaltschaft in die Meinungsverschiedenheit involviert.

Der Grund des Streits: Die Post will in Langenzersdorf ein neues, riesiges Verteilerzentrum bauen. Weil Wien und Umgebung stark wachsen und der Onlinehandel boomt, brauche es eine neue Infrastruktur für die Paketzustellung, heißt es von der Post. Darum hat man nun ein zehn Hektar großes, ehemaliges Verbund-Grundstück an der Donauuferbahn Höhe Kraftwerk Korneuburg erstanden. Dort soll das neue Logistikzentrum um 50 Millionen Euro errichtet werden – dazu braucht es vorher allerdings noch eine Umwidmung der Fläche.

Andreas Arbesser, ÖVP-Bürgermeister von Langenzersdorf, befürwortet den Plan: „Das Gebiet rund um Wien wächst, es wird sowieso gebaut. Dazu bringt das neue Zentrum Arbeitsplätze, die wir dringend brauchen“, sagt er zur „Presse. Die Fläche sei dazu auch vorher schon Industriegebiet gewesen, er verstehe die Aufregung nicht. Ein weiterer Grund, warum Arbesser das Logistikzentrum auf seinem Gemeindegebiet wohl haben will: Es würde ihm durchaus beträchtliche zusätzliche Kommunalabgaben bringen – nämlich rund 300.000 Euro pro Jahr. Das ist für die 7800-Einwohner-Gemeinde viel Geld.

 

1650 Fahrten mehr pro Tag

Sein Partei- und Bürgermeisterkollege aus Bisamberg, Günther Trettenhahn, teilt seine Begeisterung nicht. Er bekommt bei Umsetzung des Projekts kein Geld, dafür viel Lärm. „Künftig soll es rund 1650 zusätzliche Fahrten pro Tag geben“, sagt er. Die Region sei aber Feinstaub-Sanierungsgebiet, eine derartige zusätzliche Umweltbelastung sei kontraproduktiv – dazu komme weiters eine starke Lichtbelastung. „Außerdem sichert das Zentrum keine Arbeitsplätze, weil die meisten nur verlagert werden. Das Argument, dass das schon jetzt Industriegebiet ist, lasse ich nicht gelten: Bisher waren das leise Wassertanks und nicht Hunderte Autos pro Tag“, sagt er. „Das ist ein Unterschied.“

Und dann gibt es da noch – wie bei jedem Großprojekt – eine Bürgerinitiative, die sich heftig wehrt. Im betroffenen Gebiet wohnen derzeit rund 50 Kinder und 200 Erwachsene, die gegen das Projekt mobilmachen. Mehr als 2500 Unterschriften wurden gesammelt – mit denen wurde beim Land Niederösterreich interveniert, das für die nötige Widmung zuständig ist. Die Entscheidung darüber wird allerdings auf Basis der Untersuchungen und Empfehlungen der Gemeinde Langenzersdorf getroffen. Und diese hat die zusätzliche Verkehrsbelastung als „nicht erheblich“ eingestuft. Außerdem verlangt die Bürgerinitiative eine strategische Umweltprüfung – die wollte man bisher nicht durchführen. Seitens des Landes Niederösterreich wird nun noch einmal geprüft. Parallel dazu widmet sich aber schon die Volksanwaltschaft dem Projekt – und im Speziellen auch dem Vorgehen des Landes in dieser Causa.

Dazu brachte die Bürgerinitiative eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission ein – mit Erfolg, nun wird geprüft. „Nur bei einem geringen Prozentsatz der eingebrachten Beschwerden leitet die EU-Kommission ein Prüfverfahren wie in diesem Fall ein“, sagt die Sprecherin der Bürgerinitiative, Brigitte Etzelsdorfer. Das, meint sie, gebe ihnen recht.

 

Post bleibt bei ihren Plänen

Die Post bleibt bisher gelassen. Man nehme die Bedenken ernst und tue alles, um diese zu zerstreuen. Um eine Erhöhung der Lärmbelastung zu vermeiden, wolle man Schallschutzwände bauen. Generell seien die Routen außerdem so gewählt, dass sie den gegebenen Verkehr in der Region berücksichtigen und zusätzliche Verkehrsbelastungen vermieden werden. Ortskerne seien davon daher nicht betroffen. Und was den Feinstaub betrifft: Der CO2-Ausstoß der Autos sei zwar nicht zu vermeiden, dafür soll das Logistikzentrum aber selbst CO2-neutral werden. Immerhin habe man vor, der Vorzeigebetrieb der Region zu werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2017)

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