SP-Gesundheitsminister Alois Stöger will die "Pille danach" rezeptfrei abgeben, doch die Pharmaindustrie stellt keinen Antrag. Nun will Stöger den Wirkstoff möglichst rasch per Verordnung freigeben. Das könnte aber noch mehrere Monate dauern.
Wie der "Standard" (Freitagausgabe) berichtet, wollen sich die Pharmaunternehmen Kwizda und Sanova für ihre beiden auf dem österreichischen Markt verfügbaren Produkte nicht um eine Rezeptpflicht-Befreiung bemühen. Kraft seines Amtes braucht Stöger die Anträge der Firmen aber gar nicht. "Ich finde einen Weg, der schnell geht. Wenn ich den Verordnungsentwurf schon hätte, hätte ich ihn schon unterschrieben. Das ist eine reine Abwicklungssache", so Stöger.
De facto hat der Minister die Möglichkeit, den Wirkstoff Levonorgestrel per Verordnung als Notfallverhütungsmittel freizugeben. Dabei fällt jedoch eine weitere Begutachtung durch Obersten Sanitätsrat und Rezeptpflichtkommission an, wie Stöger-Sprecherin Sigrid Rosenberger gegenüber DiePresse.com erklärt. Letztlich liegt die Entscheidung aber beim Minister. "Bis die Verordnung gültig ist, dauert es aber bestimmt noch mehrere Monate", so Rosenberger.
Kritik vonseiten der Opposition
Die Opposition reagierte mit Kritik: Die Grünen, weil Stögers Vorgehen ihrer Meinung nach zu zögerlich ist. Die FPÖ, weil Stöger "jedes Gespür für ungeborenes Leben vermissen" lasse. Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen, warf Stöger vor, dass nun bald ein halbes Jahr verstrichen sei und es noch nicht einmal den Entwurf für eine entsprechende Verordnung gebe.
FPÖ-Ärztesprecher Andreas Karlsböck sah ihn wegen des Festhaltens an dem Vorhaben "außer Rand und Band". Stöger lasse jegliches Gespür für ungeborenes Leben vermissen. Die geplante Freigabe des Pillen-Wirkstoffes Levonorgestrel sei ein Anschlag auf die Gesundheit der betroffenen Mädchen und Frauen.
Vonseiten des Koalitionspartners gab es zu Stögers Vorstoß keine Stellungnahme. Stögers VP-Vorgänger haben sich nicht für eine Rezeptfreistellung eingesetzt.
(APA/beba)
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