Hunderte ungesicherte Überwachungskameras in Österreich

In Österreich gibt es mehr als 300 sogenannter "insecure cameras", die für jedermann übers Internet zugänglich sind. Datenschützer warnen.

Symbolbild
Schließen
Symbolbild
Symbolbild – APA/dpa/Matthias Balk

Ob Hotel, Geschäft, Bar oder Eissalon - in Österreich gibt es Hunderte ungesicherter Überwachungskameras, die für jedermann übers Internet zugänglich sind. Die russische Internetseite Insecam - steht für "insecure cameras" - listet für Österreich über 300 sogenannter IP-Cams auf. In etlichen Fällen zeigt sich ein nachlässiger Umgang mit IT-Sicherheit, der sogar Strafen nach sich ziehen könnte.

Auch wenn unter den Webcams einige eher unbedenkliche Panoramakameras von Skigebieten sind oder andere, die absichtlich aus Werbegründen zugänglich sind, lässt sich bei manchen offenen Kameras in Echtzeit in Geschäfte, Privatwohnungen oder Gärten blicken. Nicht alle Kameras sind immer online, auch könnte es sein, dass es sich bei einigen angeblichen Livestreams um Fakes handelt, die ein und dieselbe Sequenz in Dauerschleife wiederholen.

Besonders heikel sind aber Fälle mit identifizierbaren Personen. In einem Fall ist darüber hinaus sogar die Bankomatkassa eines Geschäfts zu sehen. Bei einer weiteren Überwachungskamera dürfte es sich um das Wartezimmer einer Arztpraxis handeln.

"Das Ganze hat zahllose problematische Aspekte", sagte dazu Datenschützer Hans Zeger von der Arge Daten im Gespräch mit der Austria Presseagentur. "Sollten Personen direkt oder indirekt erkennbar sein und sie das nicht wollen, liegt ein massiver Verstoß nach dem Datenschutzgesetz, ab Mai 2018 nach der Datenschutz-Grundverordnung vor." Betroffene haben nicht nur Anspruch auf Unterlassung, sondern unter Umständen auch auf Schadenersatz, warnt Zeger.

Extrem hohe Strafen ab Mai

Theoretisch sei ab Mai 2018 eine rechtswidrige oder sicherheitstechnisch nicht ausreichend abgesicherte Verarbeitung mit bis zu zehn Millionen Euro, bei Verletzung der Persönlichkeitsrechte mit bis zu 20 Millionen Euro Strafe bedroht. "Theoretisch, denn ich fürchte, es bleibt alles beim Alten, also Strafen zwischen Null Euro und Nichts", so Zeger. Grundsätzlich sind alle Überwachungskameras im Datenverarbeitungsregister anzumelden.

Viele der ungesicherten Kameras auf Insecam stammen übrigens vom schwedischen Hersteller Axis. In der Regel gewähren IP-Cams dann unbeabsichtigt Einblick, wenn das Standard-Passwort nicht geändert wurde oder überhaupt kein Passwort gesetzt wurde. IT-Sicherheitsexperten raten - wie auch bei WLAN-Routern - unbedingt ein eigenes Passwort zu wählen.

Weltweit sind es knapp 20.000 Kameras, die die Webseite auflistet, davon über 5.000 in den USA und um die 700 im Nachbarland Deutschland. Laut Medienberichten aus 2016 haben die Betreiber nach Beschwerden von Datenschützern einen Filter eingebaut, der private Kameras aus der Trefferliste entfernen soll, doch dieser funktioniert offenbar nicht immer.

(APA)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Hunderte ungesicherte Überwachungskameras in Österreich

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.