Rauchverbot in Lokalen: Befürworter formieren sich

Eine "Facebook"-Initiative plädiert für ein ausnahmsloses Verbot in Lokalen. Innerhalb weniger Tage sind ihr über 20.000 Unterstützer beigetreten. Gesundheitsdaten sprechen dafür.

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Wien (tk/mpm). Es ist ein Gesetz mit vielen Ausnahmen – und eines, das von Wirten und Gästen knapp ein Jahr nach Einführung immer noch gern ignoriert wird: das Rauchverbot in der Gastronomie. Im Onlinenetzwerk „Facebook“ hat sich nun die Initiative „Rauchverbot in Lokalen“ formiert, die ein Volksbegehren für ein ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie erreichen will. Innerhalb weniger Tage sind ihr über 20.000 Unterstützer beigetreten.

Wie viele davon tatsächlich den Weg zum Magistrat schaffen, um dort eine Unterstützungserklärung zu unterschreiben, wird sich weisen – knapp über 8000 wären notwendig, um überhaupt eine Eintragungswoche für ein Volksbegehren beantragen zu können.


In Bayern ist Anfang Dezember ein Pro-Rauchverbot-Volksbegehren, das ebenfalls über soziale Netzwerke beworben wurde, äußerst erfolgreich verlaufen: 1,3 Millionen Bayern haben unterschrieben und erreicht, dass 2010 alle Wahlberechtigten über ein striktes Rauchverbot abstimmen werden. Wie in den meisten deutschen Bundesländern war in Bayern das Rauchverbot nach Protesten der Wirte gelockert worden. In diesem Sinn plädiert auch die heimische Gastronomie für ein Beibehalten der „österreichischen Lösung“.

Befürworter eines konsequenten Rauchverbots können sich indessen auf immer mehr Studien stützen, die belegen, wie Antitabakmaßnahmen wirken.


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Schnell weniger Herzinfarkte


So war Italien eines der ersten Länder mit strikten Verboten: Seit Jänner 2005 ist das Rauchen in Lokalen, Büros und öffentlichen Räumen untersagt; und das Verbot wird – entgegen der Prognosen etlicher „Italienkenner“ – weitgehend befolgt. Mit Erfolg: Schon im Oktober 2005 ergab eine Studie einen Rückgang der Fälle von akuten Herzinfarkten. Von Februar bis Juni 2004 wurden 922 Menschen unter 60 Jahren mit Herzinfarkt in Spitälern aufgenommen, von Februar bis Juni 2005 waren es nur 832.


So schnell könne das Verbot nicht wirken, meinten Kritiker, doch etliche – größer angelegte – Studien haben dieses Ergebnis bestätigt. Im Herbst 2009 erschien im „Journal of the American College of Cardiology“ eine „Metaanalyse“, die kritische Auswertung etlicher Analysen: Nach Einführung eines Rauchverbots an öffentlichen Orten sinke die Zahl der Herzinfarkte pro Jahr um 26 Prozent. Dass vor allem bei jüngeren Menschen die Herzinfarktrate gesunken sei, liege daran, dass diese „mehr in Clubs, Restaurants und Bars gehen, in denen geraucht wurde“, erklärte Studienleiter David Meyers.


Die Verbote haben gewiss auch dazu beigetragen, dass die Krebssterblichkeit in Europa innerhalb von zehn Jahren stark gesunken ist: bei Männern um neun, bei Frauen um acht Prozent. Die Autoren der im November 2009 in den „Annals of Oncology“ erschienenen Studie betonen, dass in Populationen, deren Tabakkonsum gestiegen ist – vor allem bei Frauen –, der Trend bei Lungenkrebs gegenläufig ist. So schnell wie bei Herz-Kreislauf-Krankheiten wird ein Erfolg von Rauchverboten hier nicht sichtbar, weil Krebs im Durchschnitt länger braucht, um manifest zu werden. Den Weg von durch Substanzen im Rauch ausgelösten DNA-Schäden bis zum Krebs versteht man indessen immer besser. „Eine fixierte Mutation auf 15 gerauchte Zigaretten“, erklärten unlängst die Autoren einer „Nature“-Studie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29. 12. 2009)

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