Umsatzeinbrüche im Tourismus

21.01.2010 | 18:17 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Wiens Tourismus verzeichnete im Krisenjahr 2009 einen deutlichen Umsatzeinbruch, weil Hotels auf Dumpingpreise setzten. 2010 soll es wieder bergauf gehen.

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WIEN. Die Rekordserie ist gebrochen. Nach sechs Jahren, in denen Wien als europäische Touristenmetropole Jahr für Jahr einen neuen Nächtigungsrekord aufgestellt hat, ist diese Serie im Krisenjahr 2009 abgerissen. Laut der seit Donnerstag vorliegenden Jahresbilanz verzeichneten die Wiener Hotels 9,8 Millionen Gästenächtigungen, was einem Rückgang von 3,8 Prozent (im Vergleich zum Rekordjahr 2008) entspricht. Auf den ersten Blick sehen diese Zahlen nicht dramatisch aus. Auf den zweiten Blick zeigt sich: Wer gekommen ist, hat radikal gespart – mit 384 Millionen Euro haben die Touristen im Vorjahr um 14,1 Prozent weniger ausgegeben als 2008. Eine Ursache: Dumpingpreise bei den Wiener Hotels, womit sich die Branche auf dünnes Eis begibt. Zwar konnte dadurch die Auslastung im Krisenjahr erhöht werden, es besteht aber die Gefahr, die Preise damit längerfristig zu ruinieren, wie in der Branche oft gewarnt wurde. Der Grund: Die Gäste würden bei ihrem nächsten Besuch dieselben Preise erwarten und den großen Preissprung auf das ursprüngliche Niveau nicht mehr akzeptieren – was zu Stornierungen führen könnte.

 

Die Japaner kommen

Trotzdem stellt sich die Frage: Weshalb sind die Gästezahlen mitten in der Krise nicht massiv eingebrochen? Wegen der Touristen aus Asien. Nachdem einer der Hauptmärkte für den Wiener Tourismus in den vergangenen Jahren geschwächelt hat, entdecken die Japaner wieder ihre Liebe für Lipizzaner, Walzer und Schloss Schönbrunn – 2009 stieg die Zahl der Japaner um acht Prozent. Dazu kommen deutliche Zuwachsraten bei den Gästen aus Südkorea, Südostasien, Taiwan und Indien (insgesamt eine halbe Million Nächtigungen). Auch für die Griechen wird die Walzerstadt Wien immer interessanter: Plus sechs Prozent bei den Nächtigungen im Jahr 2009.

Dieses Wachstum konnte den Rückgang der Nächtigungszahlen nicht verhindern, aber doch bremsen. Denn die wichtigsten Märkte Deutschland (2,07 Mio. Nächtigungen), Österreich (1,97 Mio.), Italien (560.000 Nächtigungen) und USA (508.000 Nächtigungen) liegen im Bereich von zwei Prozent im Minus.

 

Trendumkehr zeichnet sich ab

Was die Branche für 2010 positiv stimmt: Die Stadt will noch nicht von einer Trendumkehr reden, aber die Zahlen für den Dezember 2009 zeigen es. Die neun wichtigsten Tourismusmärkte weisen (im Vergleich zum Dezember 2008) wieder Steigerungen auf, die zum Teil deutlich ausfallen. Am markantesten ist der Ansturm der Italiener (+22 Prozent), Spanier (+15 Prozent) und Russen (+10 Prozent).

In der Tourismuswerbung wird die traditionelle Linie beibehalten: Ausgehend von den Kernbausteinen (Imperiales Erbe, Musik & Kunst, Genuss, Metropole zwischen Stadt und Grünraum) wird die Strategie für das jeweilige Land abgestimmt. Wobei sich 2010 eine weitere Gelegenheit bietet, Wien als Reiseziel für Kulturreisende zu forcieren: Gustav Mahlers 150. Geburtstag, zu dem bereits eine Internetseite eingerichtet wurde.

www.mahler.wien.info

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2010)

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3 Kommentare
Gast: Schweizer
24.01.2010 03:17
0

Urlauber

WIEN zaehlt wohl zu den schoensten Staedten
Europas und solche Kommentare kann ich ueberhaupt nicht verstehen.

Ihr solltet Stolz sein in so einer Stadt zu Leben.

Die angesprochenen Probleme gibt es in jeder Grossstadt. oder glaubt Ihr das London, Berlin,Rom etc nicht auch Auslaenderprobleme haben.

Wer möchte auch schon in...

...klein Istanbul Urlaub machen? Nur jene, welche untertauchen und das Land dann nicht mehr verlassen!

Antworten Gast: Gümüldür
22.01.2010 11:54
1

Re: Wer möchte auch schon in...

Wer Istanbul sehen will, fährt gleich ins Originale und nicht in eine minderwertige Kopie. Ergo dessen: Gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl.

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