AC/DC oder Vögel: Konzert in Wels wackelt

01.02.2010 | 18:33 |  GEORGIA MEINHART (Die Presse)

Eine Brutkolonie wäre durch das Konzert gefährdet, der Naturschutzlandesrat will keine Bewilligung erteilen. Der Obmann des Naturschutzbundes befürchtet einen nicht wieder gutzumachenden Schaden.

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LINZ. Am Dienstag kehrt der Welser Bürgermeister Peter Koits von einer Dienstreise zurück – unangenehme Neuigkeiten erwarten ihn. Während er der ecuadorianischen Partnerstadt von Wels, Chichigalpa, einen Besuch abstattete, vergrößerte sich die Gegnerschaft bezüglich des geplanten AC/DC-Konzerts auf dem Welser Flugplatz.

Dort brüten rund um den Konzerttermin vom 22. Mai seltene und gefährdete Vogelarten. Im Landtag brachten sich nun grün-blaue Allianzen gegen die Veranstaltung in Stellung, Naturschützer mobilisieren ihre Anhängerschaft und die Junge VP der Landeshauptstadt Linz nützt den Schlagabtausch für den Versuch, den Welsern ihren lukrativen AC/DC-Coup abspenstig zu machen.

Nun gibt es auch noch Spekulationen, der für die Bodenbrüter ungünstige Konzerttermin komme der Welser Stadtführung aus einem anderen Grund nicht ungelegen: „Wollte man einen Termin nennen, der am besten geeignet ist, die Flora und Fauna am Flugplatz zu zerstören, wäre es dieser, an dem das Konzert stattfinden soll“, sagt Josef Limberger, der Obmann des Naturschutzbundes Oberösterreich, zur „Presse“. Er befürchtet einen nicht wieder gutzumachenden Schaden für das ornithologisch wertvolle Gebiet.

 

Umwidmung des Geländes

Würden die sensiblen Bodenbrüter erst einmal vertrieben, gebe es keinen Grund für die Unterschutzstellung mehr, die bereits vergangenes Jahr beim zuständigen Landesrat Manfred Haimbuchner (FP) eingelangt ist. Diese Vermutung werde auch gestützt durch die Tatsache, dass die Stadt Wels schon seit Jahren vergeblich versucht, zusammen mit der Grundstückseigentümerin, der Bundesimmobiliengesellschaft, einen Teil des Flugplatzes in ein Betriebsbaugebiet umzuwidmen. Bisher scheiterten diese Versuche am Widerstand des Fliegerklubs „Weiße Möwe“, der seit 60 Jahren einen äußerst günstigen Pachtvertrag für das Areal besitzt – kündbar frühestens 2032.

Obwohl man dem Verein im Gegenzug für eine Umwidmung eines Teils des Geländes neue Infrastruktur (Tankstelle, Hangar, Piste) für rund sieben Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte, entschied sich die Mehrheit der anwesenden Mitglieder bei der Abstimmung gegen eine Verkleinerung ihres Flugplatzes. Die Naturschützer vermuten, dass nach dem Konzert ein neuerlicher Anlauf in diese Richtung folgen könnte. Haimbuchner hat indes signalisiert, dass es die benötigte Ausnahmegenehmigung für das Konzert nicht geben werde, wenn Wels nicht bereit sei, Standortalternativen zu prüfen. Die Haltung der Stadt sei „nicht verständlich und bedenklich für einen Rechtsstaat“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2010)

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7 Kommentare
Gast: Flowchi
10.09.2010 09:52
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gibt es noch bodenbrüter

weiß jemand ob es den bodenbrütern geschadet hat?
man hat ja leider nie mehr etwas davon gehört.
Konzert war übrigens geil!

vermutlich wurden mehr brathähnchen gegessen als bodenbrüter getötet. life is life! egal ob hähnchen oder vogel!

Gast: DrS
02.02.2010 09:42
0

aus Wels !

Die Infos in diesem Artikel sind zwar großteils veraltet, die Zuständigkeit für das Konzert wurde nämlich vom Land zur Stadt übertragen!

Freilich geht es aber nur um den Erhalt des Flieger-Paradieses für den Fliegerclub, nicht um Tierschutz oder Naturschutz.
Die Tierschützer haben sich jedioch - ohne es zu merken - zu willfährigen Fliegerclub-Mitstreitern machen lassen, am Ende werden sie die Kasperl sein, und der Fliegerclub kann nach wie vor für 700 Euro pro Jahr mehr als 1.000.000 m² Grund pachten.

Der Fliegerclub kann für 700 Euro pro Jahr mehr als 1.000.000 m² Grund pachten !!

Der kleine Mann zahlt den paar reichen Flieger-Baronen die für die Allgemeinheit entgangenen Millionen sowieso wieder über noch höhere Steuern und Abgaben. Das ist etwas, dagegen sollte sich der sozialistische (Noch-)Bürgermeister von Wels tatsl einsetzen.

Antworten Gast: Brachvogel
04.02.2010 16:02
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Re: aus Wels !

Die Naturschützer sind gern "die Kasperl", wenn es gelingt, die Brachvogel-Brutkolonie und den dort bestehenden Rest der Welser Heide mit mehreren besonders schützenswerten Tier- und Pflanzenarten dauerhaft - zumindest aber bis 2032 - zu erhalten.

"Highway to Hell" wird den Vögeln schon nicht schaden ;-))


Antworten Gast: Brachvogel
04.02.2010 18:00
0

Re: wird nicht schaden???

80 000 dort herumtrampelnde Fans sind für die Bodenbrütern sicher todsicher! ;- ((

Gast: Lorelei
01.02.2010 20:25
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Chuzpe

Wohl eine Nummer zu groß für ein Provinzdorf.

Antworten Gast: Naseweis
01.02.2010 21:49
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Re: Chuzpe

Na, das mit dem Michael-Jackson-Memorial hat ja wohl im Kuhdorf Wien auch nicht geklappt....

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