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Fall Kampusch: Anklage gegen Ernst H. fix

15.03.2010 | 17:01 |  Von MANFRED SEEH (DiePresse.com)

Gegen Ernst H., den früheren Geschäftspartner des Entführers von Natascha Kampusch, wird ein Strafantrag eingebracht: Der Staatsanwalt wirft ihm vor, Entführer Wolfgang Priklopil „begünstigt“ zu haben.

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WIEN. Die erste und wohl auch einzige Anklage im Entführungsfall Natascha Kampusch wird in den nächsten Tagen von der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht: Ernst H. (45), der ehemals gute Bekannte und Geschäftspartner des Entführers Wolfgang Priklopil, wird sich wegen „Begünstigung“ vor einem Strafgericht verantworten müssen. Dies erfuhr die „Presse“. Er soll, so der Vorwurf (§ 299 Strafgesetzbuch), Wolfgang Priklopil „der Verfolgung (...) absichtlich zum Teil entzogen haben.“

Sowohl die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien als auch die (der OStA untergeordnete) Staatsanwaltschaft Wien, bestätigen diese Vorgangsweise. Konkret wird H. vorgeworfen, er habe den Entführer am 23. August 2006 getroffen und ins Auto einsteigen lassen, unmittelbar nachdem Natascha Kampusch nach achteinhalbjähriger Gefangenschaft die Flucht aus dem Verlies im niederösterreichischen Strasshof gelungen war. Bei diesem Treffen mit H. hatte Priklopil in stundenlanger Unterredung eine Art Lebensbeichte abgelegt. Danach nahm sich der Entführer das Leben, indem er sich vor einen Zug warf.

Erfundene Polizeikontrolle

Vor der Kampusch-Sonderkommission hatte H. zunächst hartnäckig angegeben, Priklopil habe um das Treffen gebeten, weil er alkoholisiert einer Polizeikontrolle davon gerast sei. Der passionierte BMW-Fahrer Priklopil habe um seinen geliebten Führerschein gebangt. Diese Version hielt einer groß angelegten Neuauflage der Kampusch-Ermittlungen nicht stand. Zu diesem nochmaligen Aufrollen des Falles war es auf Druck der Medien und aufgrund der Initiative der Kampusch-Evaluierungskommission unter Ex-Verfassungsgerichtshof-Präsident Ludwig Adamovich gekommen.

Eine Polizei-Soko unter Aufsicht des Leiters der Staatsanwaltschaft Graz, Thomas Mühlbacher (er war auf Geheiß des Justizministeriums den Wiener Behörden zugeteilt worden), arbeitete insgesamt knapp 10.000 Arbeitsstunden (242 Arbeitstage) an dem Fall.
Letztlich brach eben die von H. vorgetragene Version von der Alkoholkontrolle zusammen. Unglaubwürdig war sie allemal. Warum soll der Entführer unmittelbar nach der Flucht seines Opfers ausgerechnet um seinen Führerschein bangen?

Nach eindringlichen Konsultationen zwischen H., dessen Verteidiger Manfred Ainedter und den Behörden entschied sich H. Klartext zu reden. Wie der „Presse“ aus verlässlicher Quelle bestätigt wurde, habe es zuvor von Behördenseite Signale gegeben, dass H. – wenn er die Wahrheit über das Priklopil-Treffen enthülle – keine diesbezügliche strafrechtliche Verfolgung zu befürchten habe. Diesen Gefallen tat man ihm aber nicht. Dass H. auspackte, erwies sich für ihn als Bumerang.

Der Fall Kampusch: Ein Entführungsfall, der nicht zur Ruhe kommt

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Aber es hatte auch einen Vorteil: So ließ sich erklären, warum H. – von der Polizei mit dem Entführungsfall konfrontiert – in einer ersten Reaktion fragte: „Hat er sie umgebracht?“ Endlich konnte H. das offenkundige Wissen um den Kriminalfall rechtfertigen: Eben dadurch, dass ihn der Entführer eingeweiht habe. Eine Mittäterschaft von H. an der Entführung – er arbeitete mit Priklopil an der Revitalisierung von Wohnungen – wird von den Behörden aber ausgeschlossen. Priklopil gilt als Einzeltäter. Was H. zu verantworten hat, bezieht sich wohlgemerkt auf einen Zeitraum nach der Entführung. Das Delikt „Begünstigung“ wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bestraft. Der jeweilige Tagsatz richtet sich nach dem Einkommen des Verurteilten.

Pingpong-Spiel der Behörden

Bemerkenswert ist, dass der ursprünglich zuständige Wiener Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter die Sache verfolgt bzw. verfolgen muss. Er hatte den Fall längst ad acta gelegt. Später wurden dann, wie erwähnt, die Ermittlungen neu aufgerollt. Die Oberstaatsanwaltschaft zog den Fall an sich – und leitete ihn nun wieder an Kronawetter zurück. Mit dem Auftrag einen Strafantrag einzubringen. Bei der Staatsanwaltschaft Wien sieht man dies nüchtern und pragmatisch, Sprecher Gerhard Jarosch: „Das ist unser Job. Ober sticht Unter.“

Naturgemäß wenig erfreut zeigt sich H.'s Anwalt Manfred Ainedter. „Mein Mandant ist das Bauernopfer. Er hat den Tatbestand nicht erfüllt. Es fehlt an der Absichtlichkeit. H. hat Priklopil aus dem Auto aussteigen lassen. Das hätte er doch nicht getan, wenn er ihn verstecken hätte wollen.“

Bleibt die Frage, ob Natascha Kampusch als Zeugin geladen wird. Das hält sich die Verteidigung noch offen. Ainedter: „Theoretisch kann es sein, dass ich sie als Zeugin beantrage.“

(c) Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16. 3. 2010)

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36 Kommentare
 
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Gast: Lupin_The_Third
17.02.2011 16:33
0 0

Kampusch geht ein echt aufn Keks

ich verstehe das nicht wie kann man um so ein scheiß nur so ein übertriebenden rummel machen -.- es werden pro jahr bestimmt über tausende kinder entführt! und bei ihr mach man so ein rummel -.- andere menschen werden umgebracht vor ihren eltern oder die eltern sterben vor den augen -.- das ist viel schlimmer das was die welt auch erschüttert und nicht diese langweilige scheiße über Kampusch! Das arme Entführungsopfer.......tzz ja klar! ein mensch der sowas durchmacht ist normalerweise Physisch kaputt! vorallen wenn man ein kind ist!

Gast: fr sch
17.03.2010 14:55
0 0

...

die polizei war auch in vancouver dabei. wie erfreulich.

Gast: Gast
16.03.2010 11:04
1 0

Natascha Kampusch nervt

mir geht diese Dame schon sowas von auf den Nerv, echt!

die ganze geschichte stinkt sowieso bis zum himmel! und pro jahr hört man erneut mindestens 5x was von dieser mediengeilen person.

mir tut die dame nicht im geringsten leid.
punkt.

Antworten Gast: erl
16.03.2010 11:55
0 0

Re: Natascha Kampusch nervt

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu!

Antworten Antworten Gast: münchhausen
16.03.2010 13:20
0 0

Re: Re: Natascha Kampusch nervt

ich auch !

NeroRosso
16.03.2010 09:37
0 0

Das Interessante an dem Fall wird sein

ob Fr.Kampusch als Zeuge vorgeladen wird und was dann unter Eid gesagt wird.

Antworten Gast: geoopster Heike
16.03.2010 11:11
18 0

Sie hat schon mal unter Eid ausgesagt, Kasperl

beim Wabl-Prozess. Sie können Gift darauf nehmen, dass die Lügenkommission jeden Stammtischfurz und jedes erfundene Gerücht aus Madonna-EXKLUSIV bereits überprüft hat .... noch einmal .... und noch einmal.

Gast: matt03
16.03.2010 09:19
1 0

Typisch

Aus purem schlechten Gewissen weil man damals die Ermittlungen gehörig verbockt hat,versucht man jetzt einen eigentlich Unschuldigen unbedingt etwas ans Zeug zu flicken.Die Vorwürfe sind doch eigentlich lächerlich,wie hätte Er sich einem Freund gegenüber denn verhalten sollen?
Typisch Österreichisch

Antworten parapente
16.03.2010 09:38
0 0

Re: Typisch

Unschuldig?? Bist sicher?

Antworten Antworten Gast: matt03
16.03.2010 09:59
1 0

Re: Re: Typisch

So wie sich die Sache von anfang an dargestellt hat meine ich schon

Gast: Sheba
16.03.2010 08:57
0 0

Ja irgendwass muss ja rauskommen, wenn sich soviele solang bemühen.


enzo
16.03.2010 08:52
3 0

War schon überfällig

Denn min.eine Kampuschschlagzeile pro Monat gehört ja zu den journalistischen Glanzleistungen der heimischen Mediensümpfe.

Gast: siggi
16.03.2010 07:45
2 0

Eierdiebe

Wir brauchen mehr Staatsanwälte!
Wir brauchen viel mehr Richter!
Wir brauchen mehr Polizei!
Genehmigt doch endlich mehr Überstunden
um jeden Hühnerdieb und Kleinkimminellen
zu fangen!
Und erlaubt endlich die elektronische Fußfessel
damit die wirklichen Verbrecher ihre U-Haft
zu Hause ( VIllA mit POOL) verbringen !

Gast: penibler
16.03.2010 03:39
1 0

sehr fleissig!

10,000 Stunden in 242 Arbeitstagen ist schon eine tolle Leistung.

Antworten ichmeine
16.03.2010 07:01
0 0

kommt auf die Größe der Soko an

heutzutage gehört zu einer erfolgversprechenden Beamtenlaufbahn neben dem vorauseilenden Gehorsam auch die Fähigkeit, wahre Sachverhalte hinter Statistiken zu verschleiern

früher hieß es:
der Beamte ist 30 % der Dienstzeit krank
heute:
der Beamte steigert seinen überaus effizienten Output während seiner aktiven Außendienstzeit durch eine ausgewogene 30 %ige Phase persönlicher Evaluierungsmaßnahmen

10000 Stunden klingt gut, das Ergebnis ist mM karg

ab 6 Leute werden die 8 Stunden täglich unterschrittten

Gast: ökono-mist
16.03.2010 03:10
0 0

"Begünstigung" (auf Neudeutsch: Korruption...)


Wie muß man sich die "Begünstigung" im konkreten Fall vorstellen?

Hat H. denn neben den Geleisen der Nordbahn ein Schild mit der Aufschrift: "Freitod - heute besonders günstig!" aufgestellt?

(Ob es wirklich günstig war, den Freitod zu wählen, wird sich im gegenständlichen Fall wohl nicht mehr klären lassen...)

Achtung: Rechtlich nicht unbedingt relevante Ironie!

P. S.: Darüber hinaus besteht ja durchaus die Möglichkeit, daß dieses Verfahren Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen gegen mögliche weitere Täter ergibt. Vielleicht ist das ja sogar dessen eigentlicher Zweck? Was weiß denn schon unsereiner...

Gast: Politicus1
15.03.2010 22:44
2 0

und noch etwas:

warum bringt die PRESSE schon wieder ein Bild der Kampusch, wenn der H. angeklagt ist - und nicht sie??

Antworten Gast: xxx
16.03.2010 01:22
0 0

Re: und noch etwas:

...aus jahrzehntelanger gewohnheit :-)

Antworten biedermann
16.03.2010 00:19
0 0

offensichtlich

ist sie um einiges hübscher als er, ein wahrer blickfang für eine zeitung.

Antworten Antworten Gast: erl
16.03.2010 12:48
0 0

Re: offensichtlich

Was findest du an dieser Person hübsch?
Mach mal die Augen auf!


0 0

Re: Re: offensichtlich

Geh bitte...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: vit
16.03.2010 14:14
0 0

Re: Re: Re: offensichtlich

was hat dein inhaltsloses kommentar zu bedeuten?

Gast: Politicus1
15.03.2010 22:43
0 0

jetzt liegt's am Staatsanwalt!

ob die Anklage im Zuge des Verfahrens ausgedehnt wird....


dnt
15.03.2010 21:46
0 1

Verschwendung von Steuergeldern


Antworten Gast: ich
15.03.2010 21:59
2 1

dieser

würde man jede straftat in österreich so zer-thematisieren, gäbe es keine kriminellen, weil sie angst hätten jeden tag dasselbe in der zeitung zu lesen...

kann man endlich mal mit diesem fall abschliessen? unintressanter, jo sogar nerviger und aufdringlicher gehts nicht mehr

Gast: sheriff
15.03.2010 20:44
1 0

Beihilfe zum Selbstmord

H. hätte Priklopil mit Gewalt festhalten und der Polizei übergeben müssen! So will es das Gesetz!

 
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