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„Asyl oder nicht, Hauptsache eine Antwort“

23.03.2010 | 18:18 |  ANIA HAAR (Die Presse)

Vanes Sprotiva wartet seit fünf Jahren auf die Entscheidung, ob er in Österreich bleiben darf. Im Kosovo gehört er zur Minderheit der Gorana, die laut UNHCR zum Teil einem Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind.

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Ob positiv, ob negativ“, sagt Vanes Sprotiva, „eine Antwort will ich.“ Seit insgesamt zehn Jahren wartet der 32- Jährige nun schon auf Asyl. Davon fünf Jahre in den Niederlanden – dort allerdings kam in allen drei Instanzen ein negativer Bescheid. Anders als bei seinem Bruder, der eine sehr ähnliche Fluchtgeschichte hat. Ihm gewährten die Schweizer Behörden sofort Asyl. Dabei gilt das schweizerische Asylrecht als wesentlich strenger.

Vanes Sprotiva ist ein Gorana. Gorana sprechen einen slawischen Dialekt, sind Moslems und gehören neben Aschkali, Torbeschen, Roma und Kosovo-Ägyptern einer ethnischen Minderheit an, die während des Kosovo-Konflikts zwischen die serbischen und albanischen Fronten geraten sind. Die Gorana-Community hält sich deshalb auch in Österreich in der Öffentlichkeit zurück. Untereinander ist man aber im ständigen Kontakt.

 

Flucht nach Holland

Sprotiva ist vom Dezember 1998 bis Juni 1999 von der jugoslawischen Armee zwangsmobilisiert und in den Kosovo verlegt worden. Nach dem Krieg müssen die Goraner mit Kollaborationsvorwürfen leben. Zurück aus dem Krieg wird er Opfer körperlicher Übergriffe. Eine Bombe ist hinter dem Haus seines Vaters explodiert – wegen seiner Militärvergangenheit, behauptet er. Laut eines Berichts des Uno-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR kam es vor allem bis in die erste Hälfte 2001 zu zahlreichen Übergriffen auf Gorani. Sprotiva zog jedenfalls die Konsequenzen – im Jahr 2000 flüchtet er nach Holland.

Als er dort einen negativen Bescheid bekommen hat, geht er freiwillig 2004 nach Serbien in die Provinz Kosovo zurück. Doch in seinem Dorf Globocica wird er erneut Opfer von Gewalttaten. Sein Vater gibt ihm Geld, er soll wieder flüchten. 2005 in Österreich angekommen, ersucht er um Asyl. In erster Instanz bekommt er einen negativen Bescheid. Im Sinn der Genfer Flüchtlingskonvention ist er keiner Verfolgung ausgesetzt.

Auf die Entscheidung der zweiten Instanz wartet er immer noch. „Ich rufe regelmäßig im Bundesasylamt an und frage, wann die Antwort kommt.“ Die letzte Anhörung fand im Oktober 2009 statt. „Mein Betreuer sagt, nächste Woche bekommst du eine Antwort. Ich rufe nächste Woche an, und er sagt dann, in einem Monat kommt der Brief.“ Seitdem sind wieder fünf Monate vergangen.

 

Plausible Fluchtgründe

Jeder Asylwerber muss seine Fluchtgründe plausibel erklären können. Dann werden die aktuellen oder vorhandenen Länderinformationen zur weiteren Beurteilung zugezogen. „Wenn wir die Informationen zusammenstellen und aufarbeiten, muss die Informationsquelle nachvollziehbar sein“, sagt Andrea Jakober von Accord, einem Informationsdienst des Roten Kreuzes. Accord sammelt veröffentlichte Quellen aus allen Regionen der Welt und publiziert diese auf einer Website. Dabei gilt: „Neutralität ist das höchste Gebot, denn wir dürfen kein Interesse am Ausgang eines Verfahrens haben.“ Sowohl das BAA als auch Anwälte, die Asylwerber vertreten, zählen zu den Kunden von Accord. Das Bundesasylamt verfügt zusätzlich über einen eigenen Informationsdienst, der auch auf Verbindungsbeamte vor Ort zurückgreift.

Bis 2006 haben Gorana aus dem Kosovo fast problemlos Asyl bekommen. Zwar tauchen keine Goraner in den Statistiken auf, weil eine Aufteilung in die Minderheiten nicht erfolgt. Dennoch kann man ihre Zahl schätzen, denn Goraner werden als Serben gezählt.

2006 machten sich Mitarbeiter des Innenministeriums zur „Fact-Finding-Mission“ in den Kosovo auf – um die Lage der Minderheiten zu erkunden. Die Ergebnisse dieser Reise sind in die Staatendokumentation eingeflossen. Seitdem ist es für Goraner schwerer geworden, Asyl zu bekommen.

„Für mich ist diese Datenlage nicht ausreichend, um Schlüsse über die Lage der Goraner zu ziehen“, sagt Thomas Schmidinger, Politikwissenschaftler und Lektor an der Uni Wien. Er sei selbst 2007 und 2008 in den Kosovo gefahren, um sich zu informieren: „Und mein Bild ist ein anderes.“

Nach dem aktuellen UNHCR-Bericht vom Jänner gilt Folgendes: Die Situation der Minderheiten im Kosovo hat sich nicht wesentlich verbessert. Dazu kommt: Personen, die unter dem Verdacht der Zusammenarbeit mit dem serbischen Regime nach 1990 stehen, unterliegen besonderem Verfolgungsrisiko. Zu dieser Gruppe gehört auch Vanes Sprotiva.

 

Jahre des Wartens

Vom Asylzentrum, wo er wohnt, bis zum nächsten größeren Dorf, sind es sieben Kilometer. Einsamkeit plagt ihn. „Ich würde gern eine Frau kennen lernen“, sagt er, „das kann ich mir aber nicht leisten.“ Denn Fahrkarten sind teuer, „und ich müsste sie ins Café einladen, aber ein Kaffee und Gebäck kosten um die fünf oder sechs Euro“, erzählt er. 40 Euro hat er im Monat zur Verfügung. „Man sagt, zwischen 20 und 30 Jahren ist die schönste Zeit des Lebens“, meint er, „aber was für ein Leben habe ich?“ Sein Leben besteht hauptsächlich aus Warten. Warten auf eine Antwort.

AUF EINEN BLICK

2009 wurden 15.827 neue Asylanträge gestellt. 13.111 Verfahren wurden abgeschlossen, davon 3151 positiv, 19.764 negativ. Die Zahl der positiven Bescheide von Asylwerbern aus Serbien ist von zwölf Prozent (2006) auf drei Prozent (2009) gesunken.

Zweite Instanz. Jeder dritte echte Konventionsflüchtling wird laut UNHCR erst von der zweiten Instanz „entdeckt“ – und muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2010)

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9 Kommentare
Gast: wosch49
25.03.2010 09:48
1 0

Rechenkünstler

13.111 Verfahren wurden abgeschlossen, Davon 3.151 positiv, 19.764 negativ.

navy
24.03.2010 14:19
2 0

Goroni

Es gibt überhaupt keine Diskussion, das "Goroni", als Menschen 2 Klasse im Mafia NATO Staat Kosovo gelten und verfolgt werden. So sehen die Menschenrechte eben aus in Europa! Nur das gilt, wenn es in ein strategischen Konzept passt, ansonsten ist man gerne mit Verbrecher Staaten, wie auch Usbekistan, Nigeria, Saudi Arabien usw. .guter Freund. Zur Erinnerung: Es gab bis zum März 1999 keine Verfolgung von Albanern im Kosovo, was sogar Gerichte feststellten. Wenn Kriminelle und Mörder aber aus dem Kosovo flüchten mussten vor der Jugo Polizei, erhielten alle diese Ganoven und Vertreter der Drogen Clans aus dem Kosovo in Europa Asyl. Dies zu Menschenrechten usw..eine leere Phrase der Politischen Abzocker.

Antworten luda2010
10.04.2010 22:58
0 0

Re: Goroni

witzigerweise hört man das öfter (von Russen, Armeniern etc): das Kriminelle leichter Asyl bekommen in Österreich. möglicherweise weil diese bessere Geschichten erzählen können, vermutet man ... Anständige Leute würden sich weniger wohl fühlen vor gericht, wenn sie keinen echten Asylgrund haben

Antworten Gast: Kosova has always been Albanian
24.03.2010 18:46
0 2

Re: Goroni

Und nachts ist es kälter als draussen...!
Navy, aus ihrem Mund (ihren Fingern) kommt hauptsächlich Mumpitz.

Wieviel bekommen sie eigentlich für
all' die Jahre diverser Forenaktivitäten in Form von Lumpen-Propaganda und verlogener Meinungsmache bezahlt?

Ach, ich vergaß. Sie laden ihren
Müll einfach ab, und überlassen die
Diskutanten sich selbst. Clever!

Hoffentlich finden sie abends ihren Schlaf..

Antworten Antworten Gast: neuer
29.07.2010 12:23
0 0

Re: Re: Goroni

Es ist leider so das es zu viele Blinde Deiner art gibt.Die Wahrheit ist leider jeden Tag im eigenen Umfeld nachzuvollziehen und manschmal "hautnah" zu erleben!!

Gast: ET
24.03.2010 10:43
2 0

Gute Beschreibung!

Das Versagen der Verwaltung und des Gesetzgebers in der Asylfrage wird neuerlich deutlich aufgezeigt.

Es ist doch unglaublich, dass es möglich ist immer wieder einen neuen Asylantrag zu stellen und das Verfahren nochmals neu zu starten. Die Asylfrage wird von den Behörden und dem Gesetzgeber eher wie ein Computerspiel für Kleinkinder betrieben.

Dass es auch bei einer "normalen" Abwicklung zu jahrelangen Verfahrensdauern kommt, ist ein Totalversagen der Behörden und widerspricht den Menschengrundrechten.

Nach den rechtgültigen EU Grundrechten haben die Menschen das Recht auf Würde (Artikel 1), aber auch das Recht auf eine gute Verwaltung (Artikel 41).

www.europarl.europa.eu/charter/pdf/text_de.pdf

Diese Grundrechte werden von unseren Politikern, aber auch von den Beamten mit den Füssen getreten. Es sind aber auch genau diese Typen, welche ein herrliches Leben auf Kosten der anderen Österreicher fristen, diese "Anderen" also durch Amtsgewalt voll abkassieren.

Warum weisen wir diese Österreichischen Versager nicht auch aus Österreich aus. Auch diese Typen brauchen wir nicht, weil diese einer guten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung im Weg stehen.

Es passiert alles im Dunstkreis der Parteien. Wir haben aber ein Parteienwahlrecht und können als Bürger nichts ändern, weil die Pragmatisierten nicht abwählbar sind und alle Parteien die gleichen Fehler machen.

Allah
24.03.2010 09:16
1 0

Wo sie recht haben, haben sie recht...

man sollte ihnen auch gleich sagen, dass sie wieder gehen sollen.

Gast: nogo
24.03.2010 07:09
2 0

in österreich

gibt es auch gruppen, die einem enormen verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. z.b. die beamten.

Gast: Baldur
23.03.2010 20:46
12 1

Was soll denn diese Tränendrüsenstory schon wieder.

Wenn Frau Haar dieser Kosovare so am Herzen liegt, soll sie ihn adoptieren.