Wien „bewirbt“ neuen Straßenstrich

19.05.2010 | 18:55 |   (Die Presse)

In einem Feldversuch will die Stadt den Straßenstrich gezielt verlagern. Zwei Straßenzüge, die nicht in einer Schutzzone liegen, werden für die Straßenprostitution bestimmt und sogar „beworben“.

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WIEN (tes). Es ist das immer gleiche Spiel, das Anrainern den Schlaf, die Nerven und meist auch ihr Sicherheitsgefühl raubt: Freier, die Runde um Runde drehen. Prostituierte, die von der Polizei vertrieben werden, weil sie in einer deklarierten Schutzzone stehen – und die am nächsten Tag schon wieder da sind. In einem Feldversuch im besonders geplagten 15.Bezirk (Rudolfsheim-Fünfhaus) will die Stadt Wien nun eine mögliche Lösung erproben – und den Prostituierten und Freiern dezidiert eine Alternative anbieten.

Zwei Straßenzüge, die nicht in einer Schutzzone (also im 150-Meter-Umkreis von Schulen, Kindergärten, Gotteshäusern und ähnlichem) liegen, werden für die Straßenprostitution bestimmt und sogar „beworben“. Konkret handelt es sich um einen Teil der Linken Wienzeile und die Linzer Straße hinter dem Technischen Museum. Ausgewählt wurden sie von der Bezirksvorstehung – mit Widerstand rechnet SP-Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal nicht: In beiden Straßen sei die Anrainerfrequenz gering. In der Linzer Straße wurde eigens ein Parkverbot ab 20Uhr verhängt, um den Freiern das Anhalten zu ermöglichen.

Von der Polizei wird der Versuch unterstützt. In den ersten Wochen werde man gezielt auf die neuen Ausweichstraßen hinweisen, sagt Peter Goldgruber, Leiter der Sicherheits- und Verkehrspolizei Wien. Um dann später die Verlagerung durch Strafen in den Schutzzonen zu unterstützen.

 

Hotline für Anrainer

Der Feldversuch, der nach der Sommersaison evaluiert werden soll, ist Teil eines Sieben-Punkte-Plans, mit dem die Stadt die Situation sowohl für Anrainer als auch die Prostituierten verbessern will. Mit dem Versuch wolle man testen, ob es überhaupt möglich sei, den Straßenstrich gezielt zu verlagern, sagt Frauenstadträtin Sandra Frauenberger. Ein weiterer Teil des Maßnahmenpakets ist ein neues „Beschwerdemanagement“: Das Projekt „Sophie mobil“ der Volkshilfe wird in den betroffenen Gebieten der Bezirke Leopoldstadt (2), Penzing (14) und Rudolfsheim-Fünfhaus zur Anlaufstelle für Anrainerbeschwerden. Streetworker sollen vermitteln, eine Hotline und Sprechstunden ergänzen das Angebot. Zusätzlich rückt die MA48 aus, um in der Nacht und in den Morgenstunden betroffene Gebiete zu reinigen.

Gleichzeitig wird im Hintergrund an einer Novellierung des Wiener Prostitutionsgesetzes gearbeitet – das allerdings erst nach Auswertung des Feldversuchs geändert werden soll. Vorgesehen ist eine Meldepflicht für Bordelle – das soll das Vorgehen gegen illegale Prostitution erleichtern. Im Zuge der Anmeldung sollen auch die zukünftigen Betreiber stärker unter die Lupe genommen werden. Gleichzeitig will man aber auch Freier in die Pflicht nehmen. So werden rechtliche Maßnahmen gegen Freier geprüft, die den Kontakt in Schutzzonen anbahnen. Auch eine Kondompflicht für Freier könnte laut Stadträtin den Weg ins Gesetz finden – ebenso wie das Verbot, Sex ohne Kondom anzubieten. Ein Verbot der Prostitution komme für sie indes nicht infrage: „Solange es Freier gibt, wird es auch Prostitution geben.“

Den Kampf ansagen will man stattdessen dem illegalen Frauenhandel. Ein neues Pilotprojekt des Vereins „Lefö“ bildet gezielt migrantische Prostituierte aus, die Zwangsprostituierte über Hilfsangebote informieren sollen.

Auf Kritik stößt das Paket bei den Grünen. Die Situation illegaler Sexarbeiterinnen werde nicht berücksichtigt, so Birgit Hebein, Klubobfrau der Grünen im 15.Bezirk. FPÖ und ÖVP sehen eigene Forderungen erfüllt, VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter fordert allerdings bereits eine Ausweitung des Feldversuchs auf das Stuwerviertel im zweiten Bezirk.

AUF EINEN BLICK

Prostitution ist in Wien grundsätzlich erlaubt, ausgenommen sind Schutz- und Verbotszonen. Die Polizei spricht von 600 ihr bekannten Bordellen. Straßenprostitution darf (im Sommer) zwischen 21 und vier Uhr stattfinden. Rund 1800 Frauen sind als Prostituierte registriert, die Dunkelziffer liegt bei bis zu 8000.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2010)

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83 Kommentare
 
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Gast: Quasi
24.05.2010 03:55
0

Anrainer im zweiten Hieb

Jetzt hob´ i mi endlich an de schwoazen Damen - "blasen, fi..en 30 Euros" - in der Ausstellungstross´n g´wehnt und jetzt wollns wieder ollas umkrempln!

Gast: Ösi
21.05.2010 23:12
0

Stürmerl im Wasserglas

Vorher ein Strassenstrich und nachher ein Strassenstrich.
Unterschied:
Vorher quasi illegal, nachher voll legal.
Wörüber jetzt die Aufregung?

Gast: Anrainer
21.05.2010 17:59
0

Wohngegend abgewertet

Um das Museum und den Park wurden Häuser saniert, Dachausbauten vorgenommen und jüngere Familien der Mittelschicht zogen wegen des Auer Welsbach Parkes und der Schönbrunn-Nähe zu.

Spuren der Prostitution waren auch bei Tag um das Museum herum zu sehen, das wird sich nun verstärken.

Der Park wurde auch tagsüber vom Milieu (überblond, Ostakzent, Dobermann, unverschämt und saufrech) frequentiert.
Die kleinen Nebengassen ums Reinhard-Seminar werden auch von Freiern, die ein dunkles Platzl suchen betroffen sein -
die ganze Gegend wird entwertet.

Antworten Gast: Auch fast Anrainer
21.05.2010 21:53
0

Re: Wohngegend abgewertet

"überblond, Ostakzent, Dobermann, unverschämt und saufrech"
Auf welche ihrer Fragen bekommen Sie denn saufreche Antworten. "Wieviel?"

Antworten Antworten Gast: AnrainerIN
22.05.2010 17:59
1

Re: Re: Wohngegend abgewertet

zu Ihrer witzig sein wollenden Frage:

ich bin weiblich und bat die Überblonde mit Begleiter ihren aggressiven Dobermann
an die Leine zu nehmen.

Und Sie? Sind sie nicht nur fast Anrainer sondern auch ab und zu Kunde?


Antworten Antworten Antworten Gast: Auch fast Anrainer
25.05.2010 22:14
1

Re: Re: Re: Wohngegend abgewertet

Ja, und ich erde ihre Gegend witerhin oft und gerne frequentieren. Ich bin dabei stets bemüht höflich die Etikette zu wahren und bemühe mich um ein gutes Miteinander. Der Hundehass verbindet uns - wollen Sie sich vielleicht mit mir treffen?

Gast: Schock
21.05.2010 14:04
1

Wahnsinn

Straßen-PROSTITUTION mitten in der WOHNGEGEND??!! Super Sozis!

Antworten Gast: Locker
21.05.2010 21:48
1

Re: Wahnsinn

Und wenn sie das LESEN, macht Sie das SO FERTIG, dass Sie ihre SHIFTTASTE bis zum Anschlag DRÜCKEN, bis sie RAUCHT?

Gast: Herby
21.05.2010 08:28
4

BITTE HÄUPL!!

Wir brauchen sofort zusätzlich zu den Hundstrümmerlwatchern, Gemeindebauwatchern, Park- Alte- Immigranten- Deutschkurs- schmackhaftwatchern, Papierlwatchern, Parkwatchern, Ubahn draußen- aufpass- Watchern, Ubahn drinnen- aufpass Watchern, Ubahnsaubermachwatchern unbedingt:

GUMMIKONTROLLWATCHER bei jedem Geschlechtsverkehr mit Prostis!!!

Gast: Name
20.05.2010 20:10
0

Also das mit dem Sicherheitsgefühl rauben stimmt nicht ganz.

Eine Freundin von mir wohnt in der Strichgegend in der Linzerstrasse und sie fühlt sich vor allem nachts durch die Prostituierten wesentlich sicherer.

Wie schon andere schrieben...

... sollte man sich überlegen ob ein "Red-Ligh-Districtl", welches eben von der Stadt als "Solches" definiert wird, nicht wirklich die bessere Lösung wäre. Die Bewohner könnten entsprechend "abgelöst" und untergebracht werden.

Das wären dann klare Fronten - auch im Sozialbereich - und die "Anständigen" bräuchten kein schlechtes Gewissen zu haben oder einen Grund, um die Scheinmoral heraushängen zu lassen.

Gast: Schock
20.05.2010 17:57
4

Auch wir haben uns in der unmittelbaren Umgebung eine Wohnung gekauft

und sind schockiert zu erfahren, dass unsere Kinder überall damit konfrontiert werden werden, in einer so schlechten Gegend zu wohnen, wo Freunde nicht auf Besuch kommen werden wollen weder zu unseren noch zu Partys der Kinder. Da können wir nur ans Umziehen denken, denn in einer solch abgefuckten Gegend wollen wir nicht mehr wohnen. Dabei ist diese Ecke des Bezirks mit jedem Jahr freundlicher und lebenswerter geworden, nette und v.a. junge Leute, auch gute Lokale haben sich angesiedelt und nun das.

Gast: jowmosc
20.05.2010 16:56
2

Wiens neuer Strassenschmäh und warum"sophie"mobil?

..weil"sophie"so feminin klingt..Österreichs grosse Macher beweisen es uns wiedermal..gegen zwangsprostituierte wollen sie agentinnen ausbilden,die auch noch so tun sollen,als ob sie selber prostiutuierte wären..womit sich unsere polit und verwaltungs etc landschaft nur absichern will gegen die schwerste anklage seit dem 2.wk,nämlich dem mitwissertum der zwangsprostitution,welche wahrhaft nicht auf der strasse stattfindet..wohl einen 80er jahre US bronx film gesehen ha?polizeiagentin versucht zeugin am strich für sich zu gewinnen..in der Realität haben alle prostituierten abhörgeräte angebracht..und fazit-man wird uns betrügen um gute news für die exekutive zu schaffen"wir haben dieses jahr schon 30 zwangsp. gerettet "etc,obwohl es eben nur ein witz ist,dass es dort "am strich"um eine traumwelt ginge,wo der strassenmann der mädchen respekt hätte vor der polizei..-denn diese führen sie genauso wie die mädchen so flott wie man eben noch von anderen dingen träumte ab in die hinterzimmer..ja ja..die starke österr. polizei..gegen rote ampeldelikte stark,aber wenn es um die echte kriminalität geht,sind sie wie kleine hündchen..miau miau.
zu guter letzt:kondomzwang..statt endgültig der sexualkrankheit ein ende zu schaffen,indem gar keine jeglich infizierten überhaupt mit prositutierten dürfen..nein..das soll verwaltungstechnisch und finanziell nicht möglich sein.-hauptsache wir werden durch süsse jungs und mädls infiziert und haben nur noch 5 jahre zu leben!

Re: Wiens neuer Strassenschmäh und warum

DEFTIG - aber leider WAHR....

Gast: Dady PUFF
20.05.2010 16:47
0

FrauenbergerIN

Im ROThaus könntens doch auch das rote Lichterl heraushängen lassen.
Das Rothaus als bordell
Genügend Weiber hättens ja
Aber welche '?
Wenn vergeht nicht die Lust wenn sie die FrauenbergerIN oder die Wesshely oder die Sima
sehn?
so Weiber
so krause Ideen.....

es erübrigt sich weiter zu erzählen , den meisten ist eh jetzt schon schlecht.....

Interessant ist auch

das geplante Verbot zu käuflichem Sex ohne Condom. Apelle genügen wohl nicht mehr.

Gesetze, die man niemals kontrollieren kann (oder ist in Zukunft auch ein Beamter beim Akt hinzugezogen?), sind aber eher sinnlos, oder?
Agesehen davon, dass ein Freier, der so etwas "konsumiert", eher sehr leichtsinnig wäre.

Gast: Sandra
20.05.2010 15:16
3

Das macht mir Angst

Ich bin 14 Jahre alt und muss am Abend von der U4 nach Hause gehen. Ich krieg jetzt schon Albträume, wenn ich nur daran denke, dass ich dann da von sog. "Freiern" genauso auch angestarrt und wahrscheinlich angepöbelt und verfolgt werde.
Das kann doch nicht die Zukunft in meiner Gegend sein, in der sehr viele Jugendliche und junge Frauen wohnen, dass wir uns am Abend fürchten müssen bzw, gar nicht mehr von der Nightline nach Hause gehen trauen.

Re: Das macht mir Angst

Urban legend?

Antworten Gast: Herby
20.05.2010 15:33
1

Re: Das macht mir Angst

Danksagungen werden im Rothaus gerne angenommen....

Kondompflicht für Freier ist ja in der....

...Theorie schön und gut. Jedoch glaube ich nicht, dass die Frau Stadträtin das Tragen dieser Utensilien wirklich überprüfen lassen kann. Oder werden am Ende vielleicht doch noch ein paar Watcher aus dem Hut gezaubert, die auf nächtliche Erkundungstour gehen...

Re: Kondompflicht für Freier ist ja in der....

"PRÄSERVATIVkontrolleeee!"

Gast: Anrainer
20.05.2010 12:49
5

Sechshauserstrasse

Es ist einfach unglaublich ! Im oberen Teil der Sechshauserstrasse wurden und werden Häuser aufwändig saniert, (Dachausbauten, Aufzüge). und dementsprechende Mieten verlangt. Ich bin auch so ein Mieter, der jetzt fassungslos lesen muss, dass der geplagte Bezirk (30-35 % Ausländeranteil, bereits bestehende und fortschreitende Verslummung) in den Genuss von ZWEI von der Stadt beworbenen Strassenstrichzonen kommt. Dass sich die Aktivitäten nicht auf der extrem befahrenen Wienzeile abspielen werden, ist ja offensichtlich - sie werden sich in die angrenzenden Strassen und Gassen verlegen. Und das ganze gleich in der Nähe des Weltkulturerbes Schönbrunn ! (Die Drogenszene bei der Oper ist ja offensichtlich noch nicht ausreichend um uns in der Welt bekannt zu machen)
Die Wien Touristen können jetzt mit Recht sagen: Wien ist anders ...


Antworten Gast: Passant
25.05.2010 22:16
0

Re: Sechshauserstrasse

wenn sie dorthin ziehen ist ihnen ja wohl nicht zu helfen - sie kannten die Gegend, was soll sich das groß ändern...

Antworten Antworten Gast: Anrainer
29.05.2010 18:21
0

Re: Re: Sechshauserstrasse

Sie sind offensichtlich kein Anrainer - und ich bin nicht jetzt dorthin gezogen, sondern bereits vor 20 Jahren.
Und es hat sich ja wohl etwas geändert, nämlich, dass man uns jetzt einen legalisierten Strassenstrich vor die Tür setzt, der ja vorher nicht da war. Ihre Bemerkung ist entbehrlich - die Anrainer der Gegend, die vielleicht nicht so leicht wegziehen können, weil sie in ihre Wohnung investiert haben, müssen jetzt bereits die Naivität und/oder Rücksichtslosigkeit der SPÖ-Politiker ertragen, ohne sich wirklich wehren zu können. Da können wir auf spöttische Ahnungslosigkeiten nicht beteiligter Bürger wirklich verzichten !

Antworten Gast: disgusted
20.05.2010 15:39
2

Man fragt sich wirklich, wie eine frauenstadträtin diese absurde Idee als lösung anbieten kann

prostitution grell mitten in der stadt ins licht der öffentlichkeit rücken und ihr so das image der schmuddelecke nehmen, scheint ihr ziel zu sein. oder prostitution als einen ganz normalen beruf zu deklarieren. schaut alle her, das gehört zum leben dazu, regt euch nicht auf, wenn ihr jeden abend hier vorbei fahren müsst, auch mit euren familien.
wenn ihr euch ärgert, dass ein sehr schönes straßenstück von meidling bis hietzing total entwertet wird...
freut euch über die großzügigkeit dieser frauenstadträtin, die euch die MA48 auch in der nacht zur verfügung stellt.

freut euch, dass ihr auf dem täglichen weg nach hause mitverfolgen könnt, welche klientel sich hier gerade anstellt und und und

Re: Man fragt sich wirklich, wie eine frauenstadträtin diese absurde Idee als lösung anbieten kann

Nun ja - wenn Du meinst das DADURCH die Lebensqualität an der "Abflugschneise-West" (Linke Wienzeile), wo die Autofahrer mit "der höchstmöglichen Geschwindigkeit" heimwärts rauschen leidet, nehme ich an, daß es sich hier um "künstliches Mokieren" handelt.

Ich meine - WAS ist am Status quo dieses Strassenstückes denn sooo "schön"?

 
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