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25 Jahre Weinskandal: Auf Hainburg folgte der nächste Tiefschlag

09.07.2010 | 13:17 |  HANS WERNER SCHEIDL (Die Presse)

Der "Glykolskandal" vor genau 25 Jahren veränderte Österreichs Weinbau nachhaltig. Aufgeflogen ist der Skandal, weil ein Winzer auffällig viel Frostschutzmittel von der Steuer absetzen wollte.

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Wie platzt in Österreich ein Skandal? Durch Geldgier, lautet die Antwort, gepaart mit behördlicher Schlamperei. So war es seit Maria Theresias Zeiten, so auch beim berühmt-berüchtigten „Weinskandal“ vor 25 Jahren. Ein burgenländischer Winzer wollte auffällig große Mengen Frostschutzmittel steuerlich geltend machen, die Behörde, der jahrelang absolut nichts aufgefallen war, stellte bei dem Einfaltspinsel Nachforschungen an.

Am 9. Juli 1985 detonierte die Bombe, die Medien hatten ihr Sommerthema. Das reichte für den Rest des Jahres. Denn Österreich war plötzlich weltweit in aller Munde.

Die Sache klang unglaublich: „Qualitätswein“ entstand durch Panschen mit Diethylenglykol (glycos = griech. süß) als Süßungsmittel und Geschmacksverstärker. Das kam den Aromastoffen sehr zugute. Gleichzeitig wurden aber die Zuckertests der Winzerverbände nicht beeinflusst.

Im Burgenland wurden vier Weinbauern festgenommen, von denen zwei zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Doch im Lauf der weiteren Untersuchungen tauchten auch in den Regalen des österreichischen Einzelhandels Glykolweine auf. In aller Regel war die Konzentration der Chemikalie so gering, dass keine akute Gesundheitsgefährdung für den Konsumenten bestand. Es gab aber auch Ausnahmen. Den Vogel abgeschossen hat dabei ein Tropfen des Weinhändlers Hans S. aus Gols. Der Wein enthielt 48 Gramm Diaethylenglykol pro Liter, eine Dosis, die von Experten als absolut lebensgefährlich eingestuft wurde.

 

Selbstmord eines Beschuldigten

S. war auch der Erste, der verhaftet wurde. Es folgten Dutzende weitere Festnahmen und rund 200 Anzeigen, Verurteilungen. Ein Beschuldigter nahm sich das Leben. Unterdessen war auch in deutschen und italienischen Weinen Diaethylenglykol entdeckt worden. Im August 1985, dem Höhepunkt der internationalen Aufregung, veröffentlichte das westdeutsche Gesundheitsministerium eine Liste mit 803 österreichischen und 27 deutschen Weinen, denen die Chemikalie zugesetzt war. Auch in Sekt und sogar in Traubensaft entdeckte man das Frostschutzmittel.

Als Nebeneffekt dieses Skandals kam heraus, dass renommierte deutsche Wein-abfüller aus Rheinland-Pfalz im großen Stil deutschen Wein mit österreichischem (Glykol-)Wein verpanscht hatten.

Für die ohnedies nicht gerade glücklich agierende rot-blaue Koalition unter Bundeskanzler Sinowatz und Vizekanzler Steger war der Skandal ein Tiefschlag. Die Weinpanscherei war wochenlang Thema in den Medien und fügte dem Ruf des österreichischen Weinbaus enormen Schaden zu. Der Weinexport kam zum Erliegen, Millionen von Flaschen mussten aus dem Markt genommen werden. Belgien verbot österreichischen Weine, Deutschland beschlagnahmte vier Millionen Liter Wein.

Der SP-Landwirtschaftsminister Günter Haiden (Bild) musste, obwohl fachlich versiert, als „Bauernopfer“ gehen. Für ihn war die Sache eine Katastrophe, für den Weinbau ein Segen: Unter seinem Nachfolger Erich Schmidt wurde das strengste Weingesetz der Welt erlassen. Scharfe Kontrollen und eine staatliche Banderole für Qualitätswein sind seitdem üblich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2010)

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2 Kommentare
Gast: Eurrora
09.07.2010 14:34
0 0

Wie unterscheidete sich der österreicische vom italienischen Wein ?

Der österreichische Wein ,war Frostsicher,dagegen war der Italienische Wein Totsicher .

0 1

Re: Wie unterscheidete sich der österreicische vom italienischen Wein ?

sie haben mir die worte aus dem mund genommen.

und.
was besseres hätte dem österreichischen wein (was qualität betrifft) nicht passieren können.
wie, mM, auch ein bankrott österreichs das beste sein wir (weil zu fast 100% garantiert), dass den menschen passieren kann ;)