Wien (duö). Der Zeitpunkt rückt näher: Ab dem 3. September werden die Wiener U-Bahnen auch nachts fahren, an den Wochenenden und vor Feiertagen. Nun starten die Wiener Linien eine große Informationskampagne zum 24-Stunden Betrieb. Dabei werden die neuen Fahrpläne an allen U-Bahn- und Nachtbusstationen angebracht. Zudem werden insgesamt 150.000 Pläne des neuen Nachtbusnetzes verteilt.
Trotz Kampagne und Vorfreude: Hinter den Kulissen gibt es noch einige offene Fragen zu klären. Vor allem die Mitarbeiter der Wiener Linien müssen sich auf Umwälzungen einstellen. Pro Nacht werden am Wochenende 90 Fahrer, 50 Stationswarte und 22 „Nightliner“ – so werden jene Mitarbeiter genannt, die in den Zügen mitfahren – im Einsatz sein. Mit dem weiteren Personal (Stromversorgung, Fahrzeuglogistik) werden insgesamt 200 Mitarbeiter eingesetzt.
Für sie seien die „schlechteren Arbeitszeiten“ auch „schlechtere Arbeitsbedingungen“ klagt der Betriebsrat der Wiener Linien, Michael Bauer. „Denn einige Fahrer und Linienservice-Mitarbeiter haben noch nie eine Nachtschicht gehabt.“ Insgesamt 1500 betroffene Mitarbeiter müssen ihr Privatleben neu organisieren, so Bauer.
Die Nachtschicht beginnt am Wochenende zwischen 22 und 23 Uhr – die genaueren Dienstpläne werden allerdings noch ausgehandelt. Bauer drängt darauf, dass die Schichtpläne so familienfreundlich wie möglich gestaltet werden. Denn je näher der Wochenendbetrieb komme, desto eher sei Unmut unter den Wiener-Linien Mitarbeitern zu spüren, berichtet der Betriebsrat. „Im Februar konnten die Mitarbeiter nicht nachvollziehen, wie weit sie betroffen sind.“
Auch was die Wartung und Reinigung der Züge anbelangt, müssen noch die Arbeitszeiten und -bedingungen geklärt werden. „Prinzipiell wird laufend gewartet und gereinigt“, sagt Wiener Linien Sprecher Michael Unger. Dabei werden hauptsächlich die Nachtstunden genutzt – auch am Wochenende. Diese Zeiten fallen nun aus. Unger betont jedoch, dass nicht alle Züge am Wochenende zum Einsatz kommen. Dennoch soll die Grundreinigung vermehrt unter der Woche stattfinden. Die U-Bahn Stationen werden auch während des Wochenendbetriebes gereinigt, allerdings fällt hier die Nassreinigung weg und soll ebenfalls unter der Woche stattfinden.
Um für Sicherheit zu sorgen, wird sich am Wochenende in jedem Zug ein Team bestehend aus „Nightlinern“ und Polizisten befinden. Details zu dieser Zusammenarbeit stehen noch aus. Zudem sollen am Wochenende nur jene Züge zum Einsatz kommen, die videoüberwacht sind.
Der neue Fahrplan ist schon fertig: 22 U-Bahn Züge werden im 15-Minuten Takt fahren. Zusätzlich werden 17 Nachtbuslinien und sieben ASTAX-Linien (Anrufsammeltaxi) geführt. Die Betriebskosten für den Nachtbetrieb belaufen sich auf 5,1 Mio. Euro.