Tirols Landeshauptmann Günther Platter (VP) hat am Sonntag die Opfer von Missbrauchsfällen um Verzeihung gebeten. Beim Festakt anlässlich des „Hohen Frauentages“ in der Innsbrucker Hofburg kündigte er auch Entschädigungszahlungen an. Seit März dieses Jahres hätten sich 118 Opfer mit 130 Beschwerden über physische und psychische Gewalt sowie mit weiteren 18 Beschwerden über sexuelle Gewalt bei der Anlaufstelle des Landes Tirol gemeldet.
Von den insgesamt 148 Beschwerden beträfen 32 Fälle Landeseinrichtungen; betroffen seien auch kirchliche und städtische Einrichtungen, Schulen, die Klinik und Vereine. Konkret wolle das Land Tirol für die Opfer in Landeseinrichtungen die notwendigen Therapien zur Verfügung stellen. Die Therapieform werde für jeden Einzelfall von einer Expertengruppe festgelegt. In Anlehnung an das Entschädigungsmodell der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft soll das erlittene Unrecht durch eine einmalige Entschädigungsleistung in Form von Schmerzengeld materiell abgegolten werden. Die Höhe der Abgeltung soll ebenfalls eine Kommission vorschlagen.
Ein wesentlicher Teil des beschlossenen Opferschutzpaketes betreffe die Prävention. Um Übergriffe in Zukunft zu verhindern, werde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den Bereichen Jugendwohlfahrt, Soziales, Psychologie und Pädagogik vorbeugende Maßnahmen erarbeiten. Zur Diskussion stünden Bildungsangebote zur Gewaltprävention ebenso wie der Ausbau von Beratungsangeboten.
Keine Entschuldigung
Indessen meinte Platter, dass eine „Entschuldigung“ nicht passend sei, weil sich das Land nicht von Schuld freimachen wolle. So bat Platter um Verzeihung. Dass Jugendliche und Kinder seelische und physische Gewalt erleiden hätten müssen, sei „traurig und beschämend“. Geschehenes könne nicht ungeschehen gemacht werden. Das „dunkle Kapitel“ müsse aber lückenlos aufgearbeitet werden. Die Botschaft für die Zukunft sei: „nie mehr wieder“, sagte Platter.
Der „Hohe Frauentag“ geht auf den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer zurück. So wurden am Sonntag auch Verdienst- und Lebensrettungsmedaillen und Erbhofurkunden an Personen aus Nord-, Süd- und Osttirol verliehen. Südtirols Landeschef Luis Durnwalder (SVP) unterstrich die gemeinsamen Traditionen aller Landesteile.
(APA)
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