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Salzkammergut: Transitlawine droht

02.09.2010 | 18:25 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Anrainer befürchten eine massive Zunahme des Lkw-Verkehrs, Frächter und Politik lehnen hingegen ein Fahrverbot ab. In zwanzig Gemeinden wurden lokale Bürgerinitiativen gegründet.

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Die machen uns zu einem Teil eines internationalen Transitnetzes – das geht nicht“, schimpft Silvester Leitner. Der Salzburger steht der bundesländerübergreifenden Bürgerinitiative „Lebensraum Salzkammergut“ vor, die sich in der Steiermark, Oberösterreich und Salzburg für eine Beschränkung des Transitverkehrs durch das Salzkammergut stark macht. In zwanzig Gemeinden wurden dafür lokale Initiativen gegründet. Die restlichen sieben Kommunen der Region will man bis Jahresende auch noch mit an Bord haben. Gemeinsam warnt man vor einer massiven Zunahme des Transitverkehrs in der alpinen Seenregion durch „Mautflüchtlinge“.

Seit Einführung der Lkw-Maut sei eine massive Zunahme des Schwerverkehrs zu beobachten. Statt über die das Salzkammergut einrahmenden Autobahnen (A1, A9, A10) zu fahren, würde der Verkehr die kürzere (und kostenlose) Route über Bad Ischl, Bad Goisern und weiter entweder über Abtenau Richtung Tauernautobahn oder Bad Aussee Richtung der A9-Anschlussstelle bei Liezen in der Steiermark fließen. Frächter würden sich dadurch bis zu 60 Euro pro Fahrt ersparen, rechnet Lambert Schönleitner von den steirischen Grünen vor.

Auf landespolitischer Ebene fordert Schönleitner daher – unisono mit seinen Parteikollegen in Oberösterreich und Salzburg sowie Leitners überparteilicher Bürgerinitiative – eine Gewichtsbeschränkung auf 3,5 Tonnen. Als Vorbild dient die Wachau in Niederösterreich.

In der Steiermark hat er mit dieser Forderung allerdings auf Granit gebissen. „Die B145 wird nicht als Ausweichroute für Lieferverkehr benützt“, heißt es in einem verkehrstechnischen Gutachten. Der Schwerverkehrsanteil unter den 5650 Fahrzeugen pro Tag liegt laut einer aktuellen Zählung bei rund zwölf Prozent, wobei es sich vor allem um kleinregionalen Quell- und Zielverkehr handelt. Ein Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sei daher abzulehnen, heißt es in dem Schreiben der zuständigen Fachabteilung. Zudem gibt es Bedenken bezüglich der rechtlichen „Haltbarkeit“ bei zu erwartenden Anfechtungen. Denn das Land dürfe eine Tonnagebeschränkung nur erlassen, wenn mindestens zwei politische Bezirke davon betroffen sind. Sonst – und wie im konkreten Fall, wo es sich auf den Bezirk Liezen beschränkt – ist es Angelegenheit der Bezirkshauptmannschaft, heißt es im Büro der steirischen Verkehrslandesrätin Kristine Edlinger-Ploder (ÖVP).

 

„Straßenblockaden sind möglich“

Schärfer geht die Frächterbranche mit den Aktivbürgern ins Gericht. Die Fachgruppenobmänner der Wirtschaftskammern in Oberösterreich, Franz Wolfsgruber, und der Steiermark, Albert Moder, sprechen von einem „Herbeireden einer Transithölle“ und einem „Bärendienst“ an der Tourismuswirtschaft.

Die Transitgegner lassen aber nicht locker. Sie verweisen auf landeseigene Prognosen, die eine massive Zunahme des Verkehrs durch das Salzkammergut ausweisen, sobald im obersteirischen Ennstal die Strecke zwischen Liezen und dem Knoten Trautenfels ausgebaut ist. Der geplante Verteilerkreis bei Trautenfels würde den Verkehr vor allem auf die B145 Richtung Bad Aussee lenken. Bis 2020 wird eine Zunahme von bis zu 46 Prozent (Basis 2004) beim Gesamtverkehr und bis zu 72Prozent beim Güterverkehr vorausgesagt.

Derartige Zukunftsaussichten schüren die Ängste der 140.000 Menschen im Dreiländereck. 20.000 Unterschriften hat Bürgerinitiative-Obmann Leitner bereits gesammelt. Dazu kommen entsprechende Beschlüsse von 14 Gemeinderäten. Damit will man den Druck auf die Landespolitik erhöhen. Am Freitag will man in allen drei Ländern weitere Aktivitäten vorstellen. „Straßenblockaden sind möglich“, blieb Leitner im Vorfeld vage. Von einer auch schon einmal überlegten Klage gegen das Land Steiermark ist man indes wieder abgekommen. „Das ist derzeit nicht aktuell“, sagt Leitner.

AUF EINEN BLICK

Im Salzkammergut formiert sich der Widerstand gegen den Lkw-Durchzugsverkehr. Eine Bürgerinitiative mit 450 Mitgliedern in allen drei betroffenen Bundesländern fordert ein Fahrverboit für Lkw über 3,5 Tonnen. Die Politik und die Frächter wehren sich. Sie verweisen auf Gutachten bzw. den Schaden für die Tourismuswirtschaft, wenn man eine Transithölle herbeirede. Laut Land Steiermark beträgt der Anteil des Schwerverkehrs „nur“ zwölf Prozent. Andere Studien prognostizieren einen Zuwachs von 72 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2010)

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5 Kommentare
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EINFACHE Frage eines EINFACHEN Bürgers:

Wenn es (Zitat) "Angelegenheit der Bezirkshauptmannschaft" ist, warum kommt dann der Hr. Bezirkshauptmann Mag. Dr. Josef DICK* der Forderung von – wenn auch "nur" so einigen HUNDERTEN...! – Bürgern "seines" Bezirkes LIEZEN (speziell der Expositur BAD AUSSEE) nicht einfach nach und VERORDNET die 3,5 t - Tonnagebeschränkung (ausgenommen Ziel- und Quellverkehr) – "darf", "will" oder "kann" er es wegen der offensichtlichen Allmacht der Frächter-LOBBY (WOLFSGRUBER, MODER, OBERFRANK & Co.) nicht?

* http://www.bh-liezen.steiermark.at/cms/beitrag/11136314/43813392
http://www.bh-liezen.steiermark.at/cms/bilder/328334/80/150/211/48fbc176/Passfoto_BH%20Dr.%20Dick_Maerz.jpg

Gast: Ösi
03.09.2010 14:50
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hat wohl nochkeiner geschnallt...

dass der meiste Lkw-Verkehr im Salzkammergut hausgemacht ist!
Braucht man ja nur zu schauen, was an Frächter im und um das Salzkammergut herum ansässig ist!
Und dann noch die Industrien, wie Salz, Gips und Schotter etc.

nix zu tanken!

lg
Ösi

Gast: gast
02.09.2010 21:44
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Und was machen die Politiker?

Statt sich FÜR die Einwohner und Wähler zu engagieren geht man vor der EU Frächterlobby in die Knie und verrät lieber die Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt. Aber VOR Wahlen gehen sie dann wieder mit heiligen gelogenen Versprechungen auf Wählerstimmenfang.

Gast: Betroffener
02.09.2010 20:37
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Was man noch dazusagen sollte.

Daß es gerade in Oberösterreich überall LWK-Fahrverbote gibt, im Mühlviertel, im Innviertel und im Hausruckviertel. Warum das nun also ausgerechnet für das Salzkammergut von der Landespolitik abgelehnt wird, läßt sich wohl nur durch Korruption erklären.

Gast: schreker
02.09.2010 20:33
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Und hier noch der Link...

http://www.lebensraum-salzkammergut.at

Ich wohne an der B145, und finde es sehr skurril, daß man öffentlich behaupten darf, daß da eh fast kein Schwerverkehr verkehrt. Den Urheber dieses Gutachtens müßte man mal 2 Wochen neben diese Straße hinstellen, denn während der Erstellung des Gutachtens hat er das offensichtlich nicht gemacht.