Die machen uns zu einem Teil eines internationalen Transitnetzes – das geht nicht“, schimpft Silvester Leitner. Der Salzburger steht der bundesländerübergreifenden Bürgerinitiative „Lebensraum Salzkammergut“ vor, die sich in der Steiermark, Oberösterreich und Salzburg für eine Beschränkung des Transitverkehrs durch das Salzkammergut stark macht. In zwanzig Gemeinden wurden dafür lokale Initiativen gegründet. Die restlichen sieben Kommunen der Region will man bis Jahresende auch noch mit an Bord haben. Gemeinsam warnt man vor einer massiven Zunahme des Transitverkehrs in der alpinen Seenregion durch „Mautflüchtlinge“.
Seit Einführung der Lkw-Maut sei eine massive Zunahme des Schwerverkehrs zu beobachten. Statt über die das Salzkammergut einrahmenden Autobahnen (A1, A9, A10) zu fahren, würde der Verkehr die kürzere (und kostenlose) Route über Bad Ischl, Bad Goisern und weiter entweder über Abtenau Richtung Tauernautobahn oder Bad Aussee Richtung der A9-Anschlussstelle bei Liezen in der Steiermark fließen. Frächter würden sich dadurch bis zu 60 Euro pro Fahrt ersparen, rechnet Lambert Schönleitner von den steirischen Grünen vor.
Auf landespolitischer Ebene fordert Schönleitner daher – unisono mit seinen Parteikollegen in Oberösterreich und Salzburg sowie Leitners überparteilicher Bürgerinitiative – eine Gewichtsbeschränkung auf 3,5 Tonnen. Als Vorbild dient die Wachau in Niederösterreich.
In der Steiermark hat er mit dieser Forderung allerdings auf Granit gebissen. „Die B145 wird nicht als Ausweichroute für Lieferverkehr benützt“, heißt es in einem verkehrstechnischen Gutachten. Der Schwerverkehrsanteil unter den 5650 Fahrzeugen pro Tag liegt laut einer aktuellen Zählung bei rund zwölf Prozent, wobei es sich vor allem um kleinregionalen Quell- und Zielverkehr handelt. Ein Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sei daher abzulehnen, heißt es in dem Schreiben der zuständigen Fachabteilung. Zudem gibt es Bedenken bezüglich der rechtlichen „Haltbarkeit“ bei zu erwartenden Anfechtungen. Denn das Land dürfe eine Tonnagebeschränkung nur erlassen, wenn mindestens zwei politische Bezirke davon betroffen sind. Sonst – und wie im konkreten Fall, wo es sich auf den Bezirk Liezen beschränkt – ist es Angelegenheit der Bezirkshauptmannschaft, heißt es im Büro der steirischen Verkehrslandesrätin Kristine Edlinger-Ploder (ÖVP).
„Straßenblockaden sind möglich“
Schärfer geht die Frächterbranche mit den Aktivbürgern ins Gericht. Die Fachgruppenobmänner der Wirtschaftskammern in Oberösterreich, Franz Wolfsgruber, und der Steiermark, Albert Moder, sprechen von einem „Herbeireden einer Transithölle“ und einem „Bärendienst“ an der Tourismuswirtschaft.
Die Transitgegner lassen aber nicht locker. Sie verweisen auf landeseigene Prognosen, die eine massive Zunahme des Verkehrs durch das Salzkammergut ausweisen, sobald im obersteirischen Ennstal die Strecke zwischen Liezen und dem Knoten Trautenfels ausgebaut ist. Der geplante Verteilerkreis bei Trautenfels würde den Verkehr vor allem auf die B145 Richtung Bad Aussee lenken. Bis 2020 wird eine Zunahme von bis zu 46 Prozent (Basis 2004) beim Gesamtverkehr und bis zu 72Prozent beim Güterverkehr vorausgesagt.
Derartige Zukunftsaussichten schüren die Ängste der 140.000 Menschen im Dreiländereck. 20.000 Unterschriften hat Bürgerinitiative-Obmann Leitner bereits gesammelt. Dazu kommen entsprechende Beschlüsse von 14 Gemeinderäten. Damit will man den Druck auf die Landespolitik erhöhen. Am Freitag will man in allen drei Ländern weitere Aktivitäten vorstellen. „Straßenblockaden sind möglich“, blieb Leitner im Vorfeld vage. Von einer auch schon einmal überlegten Klage gegen das Land Steiermark ist man indes wieder abgekommen. „Das ist derzeit nicht aktuell“, sagt Leitner.