Bischöfe wollen Kurskorrektur für „Aktion Leben“

In der Jugendprävention werde die katholische Lehre nicht berücksichtigt, so Bischof Küng.

[Wien]Der im Episkopat für Familienfragen zuständige St. Pöltner Bischof Klaus Küng will eine Kurskorrektur für den Beratungs- und Aufklärungsverein „Aktion Leben“. Die Organisation gehe „in einigen Bereichen, zum Beispiel in der Jugendprävention, Wege, die wichtige Aspekte der kirchlichen Lehre nicht berücksichtigt“, so Küng wörtlich zur „Presse“.

Und weiter: „Es wird in der nächsten Zeit Gespräche mit Aktion Leben über Wege und Zielsetzung geben.“ Der Verein berät Schwangere und klärt Kinder und Jugendliche über Sexualität auf. Küngs Aussage ist vor dem Hintergrund des sich erneut zuspitzenden Konflikts zwischen einer Gruppe von Fristenlösungsgegnern wie dem Psychologen Josef Preßlmayer, dem Verein und der katholischen Kirche zu sehen. Gestern, Freitag, hat Preßlmayer erneut behauptet, dass „Aktion Leben“ Frauen zur Abtreibung animiere. Diesbezüglich nimmt Küng den Verein in Schutz. Preßlmayer ziehe „die falschen Schlüsse“ über „Aktion Leben“. Sein Vorgehen würde den Dialog zwischen Kirche und Verein „nicht erleichtern, sondern erschweren“.

Preßlmayer, selbst ernannter „Lebensschutzaktivist“ („Abtreibungen sind ein ,Baby-Holocaust'“), befindet sich seit 67 Tagen im Hungerstreik und hält jeden Tag eine „Ein-Mann-Demo“ vor der Apostolischen Nuntiatur in Wien-Wieden ab. „Ich will das so lange machen, bis die österreichische Kirche schriftlich bestätigt, dass sie sich von Aktion Leben trennt“, sagt er. Vor der Nuntiatur fällt der Psychologe allerdings kaum auf. Er käme sehr unregelmäßig, sagt ein Anrainer. Eine Mitarbeiterin der Nuntiatur sagt sogar, sie habe ihn „noch nie gesehen“.


„Infame Behauptung“

Bei der „Aktion Leben“ weist man die Vorwürfe Preßlmayers scharf zurück. „Dass wir zu Abtreibungen raten, ist eine infame Behauptung“, sagt Sprecherin Helene Göschka. Wenn eine Frau abtreiben wolle, stehe man ihr allerdings trotzdem bei. „Aber Preßlmayer hat keine Ahnung von den Bedürfnissen einer schwangeren Frau.“ Finanziell wird der Verein von der Bischofskonferenz nur indirekt über eine Subvention für Schwangere in Not unterstützt. Dies mache maximal zwei Prozent des gesamten Budgets aus, so Göschka.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2010)

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