Katholiken auf Online-Partnersuche

08.12.2010 | 18:43 |  ANIA HAAR (Die Presse)

Gerade für streng gläubige Katholiken stellt sich die Suche nach der großen Liebe nicht immer einfach dar. KathTreff setzt nicht auf Partner- sondern auf Heiratsvermittlung - ausschließlich für Katholiken.

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Wien. „Seit fünf Jahren suche ich nach einem Partner“, erzählt Magdalena Kowalska, 31, (Name von der Redaktion geändert) „davor war ich im Kloster“. Ende der 1990er-Jahre fühlte sich die damals 17-jährige Polin zum geistlichen Leben berufen und ging nach Österreich ins Kloster. Irgendwann hielt sie die körperliche und psychische Belastung nicht mehr aus und begann über den Austritt nachzudenken. Gedacht, getan. Das war vor fünf Jahren. Heute lebt und arbeitet sie in Wien.

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Laut Untersuchungen ist Kowalska eine typische Vertreterin der 30- bis 44-Jährigen, die im Internet ihr Liebesglück suchen. Während Muslime Partnervermittlungs- sowie Heiratsportale stürmen und Juden einen Heiratsvermittler engagieren, gibt es für streng gläubige Katholiken wenig Möglichkeiten, online einen Partner zu finden.

Kowalska meldete sich bei einer „weltlichen“ Internet-Partnervermittlung an. Seiten wie Parship, eDarling, Elitepartner oder b2 bieten verschiedene Modelle zur Suche. Sie bekam schließlich einen Mann vermittelt, der zu ihr passen sollte und in der Nähe wohnte. „Er kannte auch meine Vorstellungen, was die Religion und die Einstellung zu Sex vor der Ehe anbelangt“, erzählt sie. Auf ihre Wertevorstellungen wollte sie nicht verzichten. Die Beziehung dauerte nur kurze Zeit. Zu hohe, unrealistische Ansprüche?

Ja und nein. Sicherlich gestaltet sich die Suche nach einem Partner mit solchen Anforderungen um einiges komplizierter. Dass Katholiken in Kowalskas Alter rar sind, wussten auch die Gründer von KathTreff, Gudrun und Martin Kugler. Anders als „weltliche“ Agenturen setzt KathTreff nicht auf Partner-, sondern auf Heiratsvermittlung, und zwar ausschließlich für Katholiken. Ziel der Suche soll keine Partnerschaft auf Zeit, sondern eine Ehe sein. Das brachte KathTreff auch Kritik von Homosexuellen-Organisationen ein.

Gedacht ist die Seite für katholische Singles – auch solche, die bereits eine annullierte Ehe hinter sich haben, die die Lehre der katholischen Kirche ernst nehmen. So wie Kowalska.

Das Katholische wird als eine Art Gütesiegel verstanden. Trotzdem sind nicht alle Teilnehmer ehrlich. „Er war keine 36 mehr, sondern 42 Jahre alt und um zehn Zentimeter kleiner als auf seinem Profil angegeben“, erzählt sie. Und: „Die Bilder in seinem Profil waren so stark retuschiert, dass ich Schwierigkeiten hatte, ihn auf dem Bahnsteig zu erkennen.“ Auch diese Bekanntschaft endete relativ schnell.

Auch wenn die Partnersuche im Internet leicht erscheint, kostet sie tatsächlich doch Kraft. Erst nach einer Pause traf Kowalska weitere Männer. „Es war aber keiner dabei, mit dem ich mich hätte einlassen wollen“, sagt sie. „Der eine wohnte mit 42 Jahren immer noch bei der Mama, der andere wollte gleich heiraten.“

 

Die Sache mit der „Reinheit“

Und schließlich war da noch die Sache mit der „Reinheit“ vor der Ehe. Kowalska bekam Zweifel. Es ist nicht einfach, einen passenden Partner zu finden, nicht nur wenn man gläubiger und praktizierender Katholik und dazu noch Migrant ist. Auch einen nicht gläubigen Partner zu heiraten wäre für sie kein Kompromiss gewesen.

Suchen Migranten anders? Während manche gezielt nicht in ihrer Community bleiben, verfolgen andere genau das Gegenteil. So organisiert die polnische katholische Gemeinde Treffen für junge Menschen, die über das Heiraten nachdenken. „Auch ich war eingeladen“, erzählt Kowalska, „musste aber an diesem Tag arbeiten“. Daher war für sie die Onlinesuche eine Zeitersparnis.

Nach der Staatsbürgerschaft, wie beispielsweise auf islamischen Heiratsportalen, fragt hier niemand. Sich als Migrantin zu outen fiel ihr schwer. „Die meisten Schwierigkeiten hatte ich mit mir selbst“, gibt sie zu. Während einige Nutzer gelassen auf die gebürtige Polin reagierten, wollten die anderen eher eine Österreicherin. Und doch hat Kowalksa ihr Liebesglück gefunden. Zwar nicht in ihrer Nähe, aber immerhin: Ihr neuer Freund stammt aus Frankfurt am Main.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2010)

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8 Kommentare

Die Presse ist dabei zum Propagandablatt der römisch-katholischen Kirche zu werden




„98,33 % der Anteile sind im Besitz der Katholischer Medien Verein Privatstiftung (vormals Katholischer Preßverein Privatstiftung) und zu 1,67 % im Besitz des Katholischen Medien Vereins (vormals Katholischer Preßverein)“

„…Meilensteine der Unternehmensentwicklung waren … die schrittweise Übernahme der österreichischen Traditionszeitung Die Presse ab 1991.“

vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Styria-Verlag






Gast: Sohn des Himmels
09.12.2010 14:08
1

Katholiken auf Online-Partnersuche

In der Kirche finden wir uns nicht mehr.

Gast: Unterscheidung der Geister
09.12.2010 13:05
1

Nicht erheblich.

"Ziel der Suche soll keine Partnerschaft auf Zeit, sondern eine Ehe sein. Das brachte KathTreff auch Kritik von Homosexuellen-Organisationen ein."

Zum ersten Satz:
No na. Das ist nun einmal die Vorgabe der Kirche, die damit auf dem Boden der Realität steht. Im Grunde will ja niemand nur ein temporärer oder lokaler "Abschnittspartner" sein.

Zum zweiten Satz:
Das wollten wir gar nicht wissen. Es ist auch nicht erheblich.

Gast: gast
09.12.2010 09:10
0

na da darf der herr kyniker

über die katholiken herziehen, dass ist ein freudentag für ihn, gell

Gast: L´Osservatore Romano
09.12.2010 08:36
4

Ich danke meiner Schwesterzeitung für diese Werbung, die die wenigen braven Singles, die die Lehre der katholischen Kirche noch ernst nehmen, so bitter nötig haben…


@ „Gedacht ist die Seite für katholische Singles […] die die Lehre der katholischen Kirche ernst nehmen“






eine wohl sehr begrenzte Zielgruppe…






@ „Irgendwann hielt sie die körperliche und psychische Belastung nicht mehr aus“






Psychotherapie kann helfen…






@ „und begann über den Austritt nachzudenken“






ein Austritt ist der Beginn eines gottgefälligen Lebens…






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