Warten auf den 2er: Josefstadt will neue Streckenführung

VP-Bezirksvorsteherin Veronika Mickel schlägt eine Kurzführung der Linie 2 vor. Die Linie ist mit 12 Kilometern eine der längsten. Bei den Wiener Linien zeigt man sich wenig begeistert.

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(c) Clemens Fabry

Wien. „Die Beschwerden über den 2er reißen nicht ab“, sagt Veronika Mickel. Die neue VP-Bezirksvorsteherin der Josefstadt berichtet von ständigen Schwierigkeiten mit langen Intervallen – gerade während der Stoßzeit müssten Fahrgäste teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Verschärft würde das Problem dadurch, dass die Wiener Linien zu wenig Niederflurwägen einsetzten. Dadurch seien vor allem ältere Menschen gezwungen, noch länger zu warten, ehe sie einsteigen können.

Einen Grund, warum es beim 2er häufig zu Wartezeiten komme, ortet Mickel in der langen Streckenführung. Tatsächlich zählt die Linie mit zwölf Kilometern zu den längsten. (Die Linie 26 ist mit 14,6 Kilometern am längsten, gefolgt vom 6er mit 12,2 Kilometern). Die Bezirkschefin schlägt deshalb ein Alternativkonzept vor, nach dem der 2er parallel zur Langführung auch kurz geführt werden soll.

Das Konzept sieht vor, dass jede zweite Straßenbahn von Ottakring bis zur Urania geführt wird, dort allerdings nicht über den Donaukanal in Richtung Brigittenau fährt, sondern eine Schleife dreht und wieder retour fährt. Zusätzliche Schienen müssten dafür nicht gelegt werden – es gibt dort bereits eine Wendeschleife (siehe Grafik).

 

Ungleiche Auslastung

Im Fahrgastbeirat der Wiener Linien nimmt man die Idee aus der Josefstadt grundsätzlich positiv zur Kenntnis. „Bei längerer Fahrt steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit für Störungen“, sagt Vorsitzender Hermann Knoflacher. Allerdings dürfe man nicht alles auf die Länge schieben, schließlich laufe etwa der 26er trotz seiner 14,6 Kilometer weitgehend reibungslos. Grundsätzlich sei eine solche Kurzführung bis zur Urania jedenfalls denkbar – allerdings nur dann, wenn die Auslastung auf den beiden Ästen ungleich ist.

Genau daran zweifelt man bei den Wiener Linien. „Die unmittelbare Folge einer solchen Maßnahme wäre, dass die Leopoldstadt nur mehr jede zweite Straßenbahn erreichen würde“, sagt Sprecher Dominik Gries. „Aber gerade auf dieser Seite ist die Auslastung sehr hoch.“ Zwar kämen viele gute Ideen aus den Bezirken, doch sei man als Wiener Linien eben der ganzen Stadt verpflichtet.

Dass es gerade auf der Josefstädter Straße ein Problem gibt, wisse man. „Aber das Stauproblem ist von unserer Seite nicht lösbar“, so Gries. Hier scheitere es vor allem an den Autofahrern, mit denen man sich große Teile des Gleiskörpers teilen muss.

Tatsache ist aber auch, dass die Josefstädter Straße seit der Umsetzung des neuen Ringlinienkonzepts im Jahr 2008 mit längeren Intervallen leben muss. Damals wurden die Linien 1 und 2, die bis dahin um die Ringstraße fuhren, zu Durchgangslinien gemacht, die auch die Strecken der Linien 65, N und J übernahmen. Und gerade dem J-Wagen, der bis dahin Ottakring und die Innenstadt über die Josefstädter Straße verband, trauern viele heute noch nach.

 

Schleife hinter dem Parlament

Eine Trauer, der die Wiener Linien Fahrgastzahlen entgegenhalten. „Auf den Linien 1 und 2 haben wir im Vergleich zu den alten Linien 1, 2, 65, N und J im Schnitt um 15 Prozent mehr Fahrgäste“, so Sprecher Gries. Anlaufschwierigkeiten habe man weitgehend beseitigt. So habe man etwa die Ampelschaltung bei der Querung der 2er-Linie verbessert. Und die neu gebaute Schleife hinter dem Parlament habe dafür gesorgt, dass der 2er auch bei Demonstrationen oder Veranstaltungen am Ring in die Josefstadt kommt. „Das“, so Gries, „hat die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit enorm verbessert.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)

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