Drogensucht: "Brauchen viele verschiedene Substitutionsmittel"

US-Experte Robert Newman vergleicht die Drogensucht mit Diabetes. Die Hauptsache sei, die Abhängigen kommen in eine Behandlung und bleiben dort. In Österreich gibt es bis zu 37.000 Suchtgift-Abhängige.

Drogensucht Brauchen viele verschiedene
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Drogensucht Brauchen viele verschiedene
(c) APA (Helmut Fohringer)

In Österreich gibt es laut Schätzungen zwischen 25.000 und 37.000 Menschen mit problematischem Suchtgiftkonsum. 2009 waren bereits rund 13.500 Opiatabhängige in Substitutionstherapie. In Wien dürften bereits an die 70 Prozent der infrage kommenden Personen in Therapie sein. Zum Vergleich: In den USA sind nur 15 Prozent in Behandlung.

"Drogensucht ist wie Diabetes. Die Hauptsache ist, die Abhängigen kommen in eine Behandlung und bleiben auch dort", meinte Robert Newman, unter anderem Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften am Albert Einstein College of Medicine in New York.

"In Europa sind schon eine Million Suchtkranke in Substitutionsbehandlung. Doch noch immer ist die 'Methadon-Behandlung' oder Substitution mit anderen Substanzen sehr stark stigmatisiert. Das ist falsch", meinte Newmann in einem Gespräch mit der APA aus Anlass eines Fachseminars zur Therapie von Drogenabhängigen in Grundlsee in der Steiermark.

Oft - so der US-Experte - würden Abhängige unter Drohungen gesetzt. Der Arzt, ehemals Chef einer Krankenhauskette mit 2,2 Mrd. US-Dollar Umsatz in New York: "Wenn zum Beispiel Drogenkranke unter Substitutionstherapie noch zusätzlich andere Drogen konsumieren, bedroht man sie oft mit dem Rausschmiss aus der Substitutionstherapie. Aber wenn ein Diabetiker Probleme mit seiner Blutzuckereinstellung hat, dann ändert man eben etwas an der Verschreibung von Insulin. Die tatsächliche Gefahr ist, dass den Drogenkranken die Behandlung einfach 'abgedreht' werden soll. Nichts kann eigentlich schlimmer sein, als jemanden aus der Therapie rauszuwerfen."

Für Newman ist die Therapie von Drogenabhängigen die einzige Möglichkeit, diese chronische Erkrankung in den Griff zu bekommen. "Es ist immer nur die Frage, was die Alternative zu einer Behandlung ist. Und die ist immer die schlimmere. Wir brauchen möglichst viele verschiedene Opiat-Substitutionsmittel. Wir sind ja auch froh, dass wir für verschiedene Patienten unterschiedliche Mittel zur Behandlung des Diabetes haben. Die Entscheidung für die eine oder die andere Therapie muss der Arzt gemeinsam mit dem Patienten treffen. Man kann in der Drogenersatzbehandlung auch nicht von oben herab bestimmte Medikamente einfach vorschreiben."

(APA)

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