Mordprozess: Eine Tote mit 200 Stichen

Der Student, der seine Freundin Stefanie P. grausam verstümmelt und zerstückelt haben soll, stand in Wien vor Gericht. Sein anfängliches Geständnis hat er widerrufen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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(c) APA

Wien. Stefanie P. (21) wurde „mit mehreren Messerstichen im Bereich des Halses getötet“. Das sagt die Anklage. Und sie sagt auch, dass die Leiche der jungen Frau grausam verstümmelt und zerstückelt wurde. So wurden etwa Kopf und Arme vom Rumpf abgetrennt. 200 Stiche und Schnitte wurden festgestellt. Der seinerzeitige Bekannte und Liebhaber der jungen Frau, der 23 Jahre alte Jusstudent Philipp K., stand am Dienstag in Wien vor Gericht. Nachdem er bereits im Vorverfahren sein ursprünglich abgelegtes Geständnis widerrufen hatte, bekannte er sich nun auch vor den Geschworenen im Grauen Haus „nicht schuldig“.

Staatsanwalt Hannes Wandl fasste die bisher von K. zu Protokoll gegebenen Versionen zusammen: Dessen „erste Verantwortung“ sei gewesen, dass die Frau im Zuge eines Sexspiels, nämlich einer nachgestellten Vergewaltigung, mit einem Messer unabsichtlich verletzt worden sei. Daraufhin habe er sie in den Hals gestochen, damit sie nicht „unnötig leiden“ müsse. Verantwortung Nr. 2: Er sei unglücklich mit dem Messer auf die unter ihm liegende Frau gefallen. Nr. 3: Er sei nach reichlich Konsum von Wodka und Bier eingeschlafen; als er wieder aufwachte, habe er die Leichenteile entdeckt. Demnach müsste der, wie nun die Richterin formulierte, „große Unbekannte“ in der Nacht auf den 2. Juli des Vorjahres in die kleine Hietzinger Wohnung des Studenten eingedrungen sein und die schockierende Bluttat verübt haben.

Der Angeklagte, der nun betont langsam sprach, sich dabei aber in wohl gewählten Worten – wenn auch umständlich – ausdrückte, gab nun an: „Das Erste, was ich gesehen habe, war, dass die ganze Wohnung voller Blut war. Ich bin dann auf und hab' mich umgesehen. Und da lag die Steffi da. Und sie war tot. Ich werde diesen Anblick nie vergessen. Sie ist irrsinnig entstellt gewesen.“ Er sei „ein paar Schritte zu ihr gegangen“. Weiter: „Das war in der Situation irreal.“ Er habe sich „wie in einem schlechten Traum“ gefühlt. Dann habe er sich „am Boden langsam heran getraut, um mich über sie zu beugen und ihr zu helfen“. Richterin Sonja Weis, die daran erinnerte, dass der Frau unter anderem der Kopf abgetrennt worden war: „Wie wollten Sie Ihr da noch helfen?“ „Ich hab' stundenlang gebraucht, um das zu realisieren“, erwiderte der 23-Jährige. Zuvor zu seinem Verhältnis zu der Frau befragt, sagte der Student: „Die Liebe war extrem stark.“

Dateien am PC gelöscht

Demgegenüber listete der Ankläger auf, welche Handlungen K. nach der Tat gesetzt habe: Er habe sich sich per Mail bei einem „Gay-Escortservice“ abgemeldet, „bei dem er tätig war“. Der Angeklagte dazu: „Ich kann das nicht ausschließen, glaube aber nicht, dass ich das getan habe.“ Es könne auch ein anderer seinen Laptop bedient haben. Weiters habe der nunmehrige Angeklagte Dateien von seinem PC gelöscht. Dann habe er Leichenteile in die Mülltonnen der Wohnhausanlage geworfen. Und dann sandte der nunmehr Beschuldigte, laut Anklage zur Verschleierung der Tat, ein SMS an den Anschluss der Toten, in dem er bedauerte, dass die Frau nicht die ganze Nacht bei ihm geblieben sei.

Verteidiger Ernst Schillhammer wies auf Ungereimtheiten hin, etwa dass Latexhandschuhe mit DNA-Spuren eines unbekannten Mannes, einer unbekannten Frau und einer Spur des Opfers in der Mülltonne gefunden worden seien. Laut Staatsanwalt sei die Spur des Opfers auch durch Kontakt der Handschuhe mit Leichenteilen zu erklären. Der Prozess wird heute, Mittwoch, fortgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2011)

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