Bevölkerungsstatistik: Bald eine Million Ausländer in Österreich

Österreich ist ein Einwanderungsland. Im Vorjahr stieg die Zahl der Nichtösterreicher um 31.858 auf insgesamt 927.612. Die Zahl der Österreicher sank um 4163 Personen. Republik zählt genau 8.404.252 Einwohner,

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Wien/Awe. Über das politische Selbstverständnis wird nach wie vor gestritten. Objektiv ist die Sache längst entschieden: Österreich ist ein Einwanderungsland. Das zeigt die aktuellste Bevölkerungsstatistik der Statistik Austria.

Langsam rückt die Zahl der in Österreich lebenden Ausländer in Richtung einer Million. Am Stichtag (1. Jänner 2011) waren es genau 927.612. Bei einer Gesamtbevölkerung von 8.404.252 Einwohnern (plus 0,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009) entspricht das einem Bevölkerungsanteil von 11,04 Prozent (in Wien sind es 21,48).

Der Saldo aus ab- und zugewanderten Migranten betrug zuletzt 31.858 Personen. Setzt sich diese Entwicklung im gleichen Ausmaß fort, wird die Millionengrenze in zwei, spätestens drei Jahren erreicht sein. Etwa 70Prozent aller Zuzügler sind Bürger aus EU-Mitgliedstaaten. Am beliebtesten war 2010 Österreich bei Deutschen (7779), Rumänen (5177) und Ungarn (2350). Die Deutschen sind es auch, die mit 146.392 Personen die stärkste Ausländergruppe im gesamten Land stellen. Dicht dahinter rangieren Bürger aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo (135.696) sowie der Türkei (113.457).

 

Stadt gewinnt, Land verliert

Außerhalb der Europäischen Union sind die stärksten Zuwanderernationen die Nachfolgestaaten Jugoslawiens exklusive des EU-Mitglieds Slowenien (3631), die Türkei (1375) und Russland (590). Der Zuzug der Asiaten ging etwas zurück, und zwar auf 2288 Personen. Aus dem riesigen Afrika kamen 2010 gar nur 431 Zuwanderer (2009: 808). Die Gruppe der in Österreich Geborenen ging einmal mehr zurück. Zuletzt um 4163 Personen, was in etwa dem langjährigen Trend entspricht.

Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Geburtenbilanz der über sieben Millionen Österreicher mit einem Minus von 7374 stark negativ ist. Nur der hohen Fertilität der Ausländer (plus 8917) ist es zu verdanken, dass es insgesamt 1543 mehr Geburten als Sterbefälle gab.

Zum anderen wandern immer mehr Österreicher in die eigenen Städte oder gar ins Ausland (2010: 20.299). In absoluten Zahlen bekommt das vor allem die Bundeshauptstadt Wien zu spüren, deren Bevölkerung um 15.320 Personen auf 1,71 Mio. Einwohner zunahm. Mit zwei Ausnahmen, nämlich den Bezirken Währing und Innere Stadt. In der City erklärt sich Demograf Alexander Wisbauer den Rückgang um 0,5Prozent mit den hohen Preisen für Wohnraum sowie der verhältnismäßig hohen Altersstruktur. Im Fall Währing (minus 0,4Prozent) fällt selbst dem Experten keine plausible Erklärung für diesen Trend ein.

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Vier von zehn Kindern unehelich

In den Ländern zogen vor allem die Städte Graz (plus 1,6Prozent) und Eisenstadt (1,1) Menschen aus abgelegeneren Regionen in die Zentren. Besonders stark zu spüren bekommen das weite Teile Kärntens, der Steiermark sowie die nördlichen Grenzregionen von Ober- und Niederösterreich, wo die Bevölkerung in den Randlagen immer mehr ausdünnt.

Die Negativ-Spitzenreiter des Vorjahres waren die Bezirke Mürzzuschlag (minus eins), Murau und Leoben (je minus 0,8).

Die insgesamt leicht positive Geburtenbilanz änderte jedoch nichts daran, dass das durchschnittliche Lebensalter der Gesamtbevölkerung auf zuletzt 41,7Jahre stieg. Das ist immerhin um zwei Jahre mehr als noch vor zehn Jahren. In demografischen Dimensionen gemessen ein starker Zuwachs.

Gemeinsam mit den Geburten stieg auch die Zahl der unehelich geborenen Kinder. Inzwischen werden 40,1Prozent aller Säuglinge in derartigen Beziehungen geboren.

Gleichzeitig stieg allerdings auch die Zahl der (standesamtlichen) Eheschließungen. Gab es zuletzt Rückgänge, schritten im Vorjahr 37.545 Paare zur Trauung. Ein Zuwachs von immerhin 5,9Prozent innerhalb nur eines Jahres.

 

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.statistik.at

Auf einen Blick

Mehr Kinder, mehr Ehen: 2010
gab es in Österreich um 5,9 Prozent mehr Eheschließungen, 3,1 Prozent mehr Geburten und 0,2 Prozent weniger Sterbefälle als im Jahr zuvor. Die Lebenserwartung ist
um 0,3 Jahre gestiegen. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Bevölkerungsstatistik hervor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2011)

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