Sensationsfund: Gladiatorenschule in Carnuntum entdeckt

Die etwa 11.000 Quadratmeter umfassende Ausbildungsstätte war vermutlich mit 40 bis 60 Gladiatoren belegt. Mittels Bodenradargeräten wurden die Grundrisse und Grundmauern entdeckt.

Eine Simulation der Gladiatorenschule in Carnuntum
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Eine Simulation der Gladiatorenschule in Carnuntum
(c) APA/M.KLEIN / 7REASONS (M.KLEIN / 7REASONS)

Es sei ein archäologischer Sensationsfund von internationaler Bedeutung, bestätigte Markus Scholz vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz per Videobotschaft bei einer Pressekonferenz am Montag in Petronell. Auf dem Areal des Archäologischen Parks Carnuntum wurden umfangreiche Fundamente einer antiken Gladiatorenschule ("Ludus") entdeckt.

Die Untersuchungen wurden vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie durchgeführt. Mit Bodenradargeräten wurden in nur wenigen Stunden Aufnahmen erstellt, die Grundrisse und Grundmauern zeigen. Daraus konnte eine animierte Simulation der einzelnen Gebäude erstellt werden. Sogar die Estrichböden sind erhalten, "eine ganz große Besonderheit", so Wolfgang Neubauer, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts.

Trainingsarena mit 19 Meter Durchmesser

Die Gladiatorenschule wurde westlich des Amphitheaters in Petronell entdeckt. Die Gesamtareal umfasst 11.000 Quadratmeter, davon 2800 Quadratmeter der zentrale Hof, das Wohngebäude 170 Quadratmeter. Die größere Trainingsarena wies einen Durchmesser von 19 Metern, eine beheizbare Trainingshalle 100 Quadratmeter und der Verwaltungstrakt etwa 300 Quadratmeter auf. Auch die notwendige Infrastruktur wie Wasserleitungen, Fußbodenheizungen und Abwasserkanäle

Lebenserwartung nur vier, fünf Kämpfe

Die Ausbildungs- und Wohnstätte war vermutlich mit 40 bis 60 Gladiatoren belegt. Die Kämpfer waren in durchschnittlich fünf Quadratmeter großen Wohnzellen untergebracht. Erfolgreiche Gladiatoren konnten zu regelrechten Stars aufsteigen. Allerdings: "Die Lebenserwartung überdauerte meist nur vier, fünf Kämpfe", erklärte Neubauer. Die Archäologen vermuten direkt hinter der Gladiatorenschule auch das zugehörige Gräberfeld.  

Laut Franz Humer, wissenschaftlicher Leiter des Archäologischen Parks, gehen fündige Messtiefen bis zu zwei Meter in den Untergrund. "Das ist sicherlich nicht die letzte Entdeckung, die wir hier in Carnuntum in den nächsten Monaten und Jahren zu bieten haben werden", so Humer. Auf die Frage, wann mit den Ausgrabungen begonnen werde, antwortete Neubauer mit einem medizinischen Vergleich: "Auch vor einer Operation sollte man noch alle möglichen tomographischen Befunde einholen, bevor man sich aufschneiden lässt."

(APA)

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